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Full text of "Die Weltrevolution"

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DEM VORKAMPFER DES 

WELTPROLETARIATS 

WLADIMIR ULJANOFF 

(LENIN). 



*l 



DIE WELTREVOLUTION 



VON 



HERMAN fGORTER 



JGO 



!' 



: 



UBERSETZUNG AUS DEM HOLLANDISCHEN 



<(ALLE RECHTE, AUCH DAS RECHT DER UBERSETZUNG VORBEHALTEN). 



n ? / L R /• 



J. . BOS — AMSTERDAM 

KlNKERSTRAAT 300 



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VORWORT. 



Diese Broschiire wird herausgegeben als Fortsetzung der 
Broschiire: „Der Imperalismus, der Weltkrieg und die Sozial- 
demokratie". In jener bewiesen wir die Notwendigkeit der 
Einheit des Weltproletariates im Kampfe gegen den Welt- 
imperialismus. Diese zeigt, dass dieser Kampf des Welt- 
proletariates die Revolution des Weltproletariats fur den 
Sozialismus sein wird. 



INHALT. 



Kapittel I. Die Notwendigkeit der Weltrevolution 

Kapittel II. Kein anderer Ausweg fiir das Welt proletariat . . . 
Kapittel III. Die Ausfuhrbarkeit der Weltrevolutioa. Ihr Program 

Kapittel IV. Das Beispiel der russischen, Revolution 

Kapittel V. Zusammenfassung . ............ 



Seite 
I- 

17 

40 

71 



I. 



Die Notwendigkeit der Weltrevolution. 



Die ' Weltrevolution naht hcran als Folge dieses ersten 
Weltkrieges. 

Gleichwie ein unermesslicher Wald durch den wilder?. Sturm 
nach alien Seiten gebogen wird, so wurae das Proletariat 
durch den Weltkrieg gebogen nach alien Richtungen. 

Jahre lang durch eine falsche, nur auf Reformen gerieh- 
tete Propaganda auf Irrwege gefuhrt, una also der; ;.inpe- 
rialismus, den kornmenden Weltkrieg nic'fat kennend, von 
seinen Regierungen betrogen, 'von seinen Fuhreru_verraten, 
gab das Weltproletariat dem ImperiaJismus und dem Welt- 
icriege nach. 

' Aber es wird sich in alien seinen Teilen wieder erhebeh, 
es wird den Kampf wieder aufnehmen, und zur Kinheit 
kommen. • ■ 

Der Krieg konnte allein entstehen, er kann nur weiter- 
gefiihrt werden, dadurch dass dais Proletariat der Welt nicht 
einig ist. ..■■■■.■■■'■. 

Und die russische Revolution, vom Proletariate von Europa 
und Amerika, an erster Steik von der deutschen Arbei- 
terklasse, verraten, beweist days audi jede Revolution des 
Proletariats schliesslich misslingen muss, wenn das interna- 
tional; Proletariat der Welt sich nicht als eine internatio- 
nale Einheit gegen den Weltimperialismus erhebt. 

Die Revolution naht als Folge dieses ersten Weltkrieges. 
Das Proletariat von Europa und Nord-Amerika wird auf- 
stehen gegen den Imperialismus, und nach langem schwe- 
rem Kampfe dem Imperialis"rnus ein linde .machen. 



Abcr dcr Imperialismus kann nicht aufgehoben werdett 
ohne dass der Kapitalismus aufgehoben wird. 

Der kommende Kampf, die kommende Revolution, ist 
also die soziale Revolution, die Revolution fur den,Sozia- 
lismus. 

Und \ die Revolution des europaischen und amenkam- 
schen Proletariats bringt schliesslich den Sozialismus auf, 
der ganzen Welt. 

Es ist also nicht nur die europaische und amerikanische 
Revolution, es ist die Weltrevolution die herannaht. 

^ * ■ . 

Es ist die Pflicht aller wahrlich Revolutionaren die Be- 
dingungen dieser Revolution fur. den Sozialismus zu unter- 
suchen, sie vorzubereiten, und ein Internationales Pro- 
gramm von Forderungen fiir sie aufzustellen. 

Dies wird in den folgenden Seiten geschehen. 



Das ganzc Proletariat steht als ein Ganzes alien Impe- 
Fialisnien gegeniiber, es steht gegen den Imperialismus der 
Welt. 

Es gibf. keinen besseren, keinen schlechteren Imperialismus. 
Der Imperialismus der beiden grossen Gruppen. Deutschlands 
an der einen, Englands und der Vereinigten Staaten an der 
anderen Seite, ist gleich schlecht, gleich schrecklich fiir das 
Proletariat der Welt. 

Dies ist das erste was bewiesen werden soil. Denn nur 
dann wenn das Proletariat der Welt dies einsieht, dass es 
keine Wahl gibt zwischen den Imperialismen, dass es von 
alien Seiten gleich stark bedroht wird, und dass es keinen 
Ausweg gibt zwischen den gleich furchtbaren Imperialismen, 
erst dann wird das Proletariat der Welt begreifen, dass die 
Weltrevolution gegen den Welt-Imperialismus notwendig ist 
fur das Proletariat der Welt. 



Wir werden zeigen, erstens die Notwendigkeit der Welt- 
Revolution aus der Notwendigkeit der Unterdriickung und der 
Schlachtung des\ Proletariats durch den Imperialismus, auch 
nach diesem Kriege, und die Notwendigkeit der Welt- 
revolution aus der Gleichheit der Unterdriickung und 
Schlachtung des Proletariats durch jeden Imperialismus, 
den Imperialismus ALLER Nationeii. Zweitens dass es aus 
dieser Unterdriickung und Schlachtung des Proletariats kei- 
nen anderen Ausweg gibt als' die Weltrevolution. Drittens 
die Ausfuhrbarkeit der Weltrevolution und ihr Programm. 
Viertens dass die russische Revolution das Beispiel ist der 
Weltrevolution fiir das Weltproletariat. Im fiinften Kapittel 
werden wir unsere Betrachtungen 'dann noch einmal zusam- 
menfassen. 



Die grossten Gegner, die Fiihrer im Kampfe 'um die 
Beherrschung der Welt, die emzigen Kampfer dieiwirklich 
die Macht, das heisst das Recht 'hatten diesen Kampf zu 
kampfen, England und Deutschland stehen jetzt einander 
gegeniiber auf einer Front, von der Nordsee bis zum 
Mittelmeer, mit ihrer ganzen Macht. Der Kampf um die; 
Beherrschung der Welt hat angefangen. 

Russland, das nur einen bureaukratisehen und militaristi- 
schen, keinen starken kapitalistischen Imperialismus hatte, 
und also nicht reif war fiir diesen Kampf, ist ausgefallen. 
Nur ein Paar kleinere Trabanten sind auf beiden Seiten 
ubrig geblieben. ~ 

Und der Kampf ist jetzt wakrlich, durch den Eintritt der 
' Vereinigten Staaten, zu einem Kampf um die Beherrschung 
der Welt geworden. 

Denn, wenn Deutschland siegt, dann beherrscht es Europa 
und einen grossen Teil von Asien und Afrika, und macht 
also den ersten Schritt zur Weltherrschaft. 

Gewinnen England und die Vereinigten Staaten, dann 
beherrschen sie die Welt. 



Die Vereinigten Staaten haben dies eingesehen, 

WND SIND DARUM IN DEN KRIEG GETRETEN. Wie Rom und 
Karthago, so stehen Deutschland und England- Vereinigte 
Staaten einander gegeniiber. Damals ging es um das Mittel- 
meer und seine Kiiste, jetzt um das Weltmeer und alle daran 
liegenden Lander. 

Und gleichwie es damals keine Moglichkeit der Versoh- 
nung gab, sondern der Streit ausgekampft werden musste, 
bis einer der Gegner gesiegt hatte, so auch jetzt. 

Der Kampf geht um die Beherrschung der Welt, und 
solange dies Ziel vor den Augen steht, wird man versuchen 
es mit alien Mitteln und Opfern, wenn notig mit der Halfte 
des Blutes der Nation zu erreichen. 

In der Broschure : Der Imperialismus, der Weltkrieg und 
die Sozial-Demokratie schrieb ich, dass der deutsche Im- 
perialismus gleich gefahrlich ist fiir das internationale Pro- 
letariat wie der englische. Ich wiirde, jetzt sagen wie der 
englisch-amerikanische. 

Die Frage erhebt sich jetzt: Ist das volkommen wahr? 
oder ist diese Behauptung simplistisch, all zu einfach ? Ist 
sie vielleicht eingegeben vom Wunsche, alle Imperialismen 
als gleich anzusehen, damit man daraus desto leichter 
die notwendige Einheit des internationalen Proletariates ab- 
leiten k5nnter 

Dies muss jetzt noch einmal untersucht werden. Denn 
wenn der Imperialismus der einen Macht fiir das Proletariat 
der Welt gefahrlicher ware als der Imperialismus der an- 
deren, dann musste das Proletariat die Niederlage des 
ersteren wunschen, und ihn kraftiger bekampfen. Dann 
konnte' das Heil des Proletariats in dem t Sieg des Einen 
iiegen. Dann ware die Revolution vielleicht sogar unmoglich 
oder unnotig. 

Um klar zu entscheiden, ob der Sieg des einen Imperia- 
lismus der Arbeiterklasse grosseren Nachteil bringen wurde 
als der des I anderen, miissen wir uns die Folgen eines 
wirklichen, vollstandigen Sieges des einen und des anderen 
vorstellen '). 



i) Um die Wirkung einer Saclie kennen zu leraen, tauss man se „iein 
steUen. Das tut jede Wissenschaft. — So muss man hier um die beifei 
Imperialism en zu begreifen, sie beide in Hirer vollen Kraft nehmem* 



Wenn Deutschland siegt, das heisst wenn es seine Bedin- 
gungen auferlegen kann, dann halt es Belgien in seiner 
Macht, nimmt noch einen Teil der Bergwerke Frankreichs, 
behalt Litthauen, Esthland, Livland, Kurland und Polen, 
vielleicht Finland, macht Serbien, Albanien, Montenegro, 
Rumanien, vielleicht Griechenland, von Oesterreich abhangig, 
und gibt der Turkei das Gebiet bis an den Persischen Meer- 
busen. Es spaltet Russland und macht seine Teile von sich 
abhangig. Es beherrscht den Balkan und die Turkei. Es zwingt 
Frankreich und Italien zu einem „Biindnis". Es nimmt seine 
Kolonien zuruck und einen Teil der Kolonien anderer. 

Deutschland ist dann Herrscher von der flamischen Kiiste 
und Emden bis an den persischen Meerbusen und durch Sibi- 
rien bis tief in Nord- und Zentral-Asien hinein. Es hat das 
Ziel, WOFUR ES DEN KRIEG VORBEREITETE UND FUHRTE, 
erreicht. s 

Aber durch seine militarische, politische und okonomische 
Ubermacht, durch die Handelsvertrage die es anderen auf- 
erlegen kann, bekommt es auch die fuhrende Macht in 
Skandinavien und Holland '). 

Deutschland beherrscht dann Europa und einen grossea 
Teil Asiens bis nahe an die Pforten von Englisch-Indien. 

England und die Vereinigten Staaten aber sind dann, 
obwohl auf dem europaischen Kontinent besiegt, nicht ge- 
schlagen. Ihre Macht zur See ist ungebrochen. Deutschland 
muss also urn Weltmacht, urn Macht iiber die Ozeane zu 
bekommen, fortschreiten auf seinem blutigen imperialistischen 
Weg tind sich aufs neue zum Kriege riisten. 

Schiedsgericht, Entwaffnung, Beschrankung der Bewaff- 
nungen sind unmoglich. Weder Deutschland, nochEngland, 
noch die Vereinigten Staaten wollen sie, noch konnten sic 
sie erreichen, wenn sie sie wollten. Es geht um die Macht 
uber die Welt, um die Ausbeutung und die Beherrschung 
der Erde, welche mit Mitteln wie Entwaffnung u. s. w. nicht 
zu erreichen sind. Nur mit Gewalt. 



l) Dass Holland den deutschen Imperialismus unterstiitzt und unterstiitze* 
muss ist oft genug bewiesen. Der Imperialismus Hollands ist der Imperia- 
lismus Deutschlands, durch geografische und okonomische Ursachen, — und 
besonders wegen Niederlandjsch-Indien. 

Die Bande, die beide Volker, das heisst die herrschenden Klassen der 
beiden Volker mit einander verbinden, sind wahrend des Krieges sehr fest' 
geworden.. 



Diese Losungen sind nur die Liigen womit man, unter- 
stiitzt von Bundesgenossen wie die Reformisten und die 
Pseudo-Marxisten, die Arbeiter betriigt, um sie stille zu hal- 
ten und sie diesen und den folgenden Krieg fiihren zu lassen. 

Welche sind also die Folgen eines deutschen Sieges? 

Deutschland wird aus aller Macht von neuem zum Krieg 
riisten, so bald es die Folgen dieses Krieges einigermassen 
iiberwunden haben wird. Zu den massenhaften Waffen, die 
ihm dieser Krieg einbrachte, macht es neue, noch schreck- 
lichere. Und _ dazu zwingt es, durch seine politische und 
militarische Ubermacht , auch alle seine Bundesgenossen : 
die Turkei, Oesterreich-Ungarn f Polen, den Balkan, Skandi- 
navien, Holland, Italien, Frankreich, Russland. Die deutsche 
Organisation der riesigen Trusts, Banken, Fabriken, Eisen- 
bahnen, Reedereien, wird eirie europaische von Holland bis 
Konstantinopel. Der preussisch-deutsche Geist, dieser Bastard 
aus Despotismus und Sklaverei, drangt sich iiberall durch,. 
in ganz Europa, und herrscht iiberall. Und die Volker Europa's 
mussen gehorchen wenn sie nicht okonomisch und politisch 
vernichtet werden wollen. 

Dies ist der deutsche „Bund der Volker", der deutsche 
„Weltfriede" den Deutschland will, und den es durch den 
Sieg erreich£. ■ 

Die Arbeiterklasse Europa's wird dann unter dem Gewicht 
von Militarismus, Trusts, und Unternebmerverbanden in alien 
Landern Europas zerdriickt und zerschmettert werden. 

Und dann bricht endlich der zweite Weltkrieg aus, noch 
viel schrecklicher als dieser erste. Der Weltkrieg um die 
Macht in Asien und Afrika. Und 
Arbeiterklasse wird von neuem hingemordet 

Dies sind die Folgen des Sieges des deutschen Im- 
perialismus. 



em grosser Teil der 



jetzt der englisch-amerikanische. 

Wenn England und die Vereinigten Staaten siegen, so 
dass sie die Friedensbedingungen diktieren konnen, dann 
werden Deutschland Elsass-Lothringen , Preussisch Polen 
und alle seine Kolonien abgenommen, vielleicht auch noch 
deutsches Gebiet bis an den Rhein. Oesterreich wird in 
viele Staaten zerteilt. Polen bekommt einen Teil Preussens 



und Galizien. Der Balkan kommt unter englische Fiihrung. 
Das tiirkische Gebiet wird aufgeteilt. 

Dass die Vereinigten Staaten die Bedingung Snellen, Oester- 
reich, der Balkan und die Tiirkei seien dem deutscheii Ein- 
fiusse zu entziehen und Arabien, Mesopotamien, Syrien „selbst- 
stiindig'" zu machen, beweist, zvie sehr die Vereinigten Staaten * 
die Politik Englands zu der ihrigen gemackt habe?i. Denra 
wean diese Bedingungen erfiillt werden, dann 1st das englische 
Weltreich vom Kap iiber Kairo nach Indien gegriindet. 
Gewiss hat England dafiir den Vereinigten Staaten seine 
Hilfe in den ost-asiatischen und pazifischen Fragen yer- , 
sprochen. 

Ausserdem . wiirde Deutschland unter dem Namen „Ent- 
schadigung" eine enorme Kriegsschatzung auferlegt, die ia 
Jahres-Abzahlungen wahrend einer grossen Zahl von. Jahrea 
aufzubringen ware. Seine Flotte wiirde auf geringe Krafte 
„reduziert. Helgoland wiirde eine englische Festung. Auch 
wiirde es durch den Verlust der Bergwerke in Lothringen sehr 
geschwacht. Deutschland ware dann England und Amerika 
gegeniiber vorlaiifig machtlos. 

Aber auch Russland wird, wenn die Revolution sich unter 
dem Druck des siegreichen Entente-Imperialismus nicht 
halten konnte, lange Zeit durch innere ^Kampfe und Umwal- 
zungen und durch seine riesigen Schulden nicht vie! be- 
deuten. Die Vereinigten Staaten werden dort grossen. Einfluss- 
bekommen. 

. Frankreich und Italien bekommen grosse Stiicke der Beute. 
Frankreich besonders wird sich mittelst der zuriickgewonne- 
nen Bergwerke stark entwickeln, aber beide Staaten sind doch 
nicht kraftig genug, um gegen England und.gegen Amerika 
eine Rolle zu spielen. Bleiben also iibrig diese zwei und Japan. , 

■Was man mit Japan macht, kann man immer noch sehen. 
Macht es zu grosse Anspriiche auf China, die Mandschurei, 
Sibirien, Niederlandisch Indien, etc., dann bricht man seine 
Macht. Die kolossale Flotte Englands (im Kriege fast ver- 
doppelt), mit der neuen Flotte der Vereinigten Staaten, be- 
herrschen alles, 

Wir setzen hier voraus, dass die zwei Bundesgenossen z«- 
sammen bleiben. Ihre Kapitalsinteressen sind wahrend des 
Krieges schon sehr stark verschmolzen, und es ist voria'ufig 
gewiss ihr Vorteil zusammen zu bleiben. 

Was ist dann also das Los der Welt? 

Die Vereinigten Staaten und . England . werden alles t.i»,. 



«m zu bewirken, dass kein einziger Staat mehr zu grosser 
Macht kommt. 

Dazu werden sie Europa in Staaten und Staatchen verteilen. 

Um alle ZU BEHERRSCHEN ODER auszubeuten, werden. 
SIE VERSUCHEN ALLE SCHWACH ZU HALTEN. 

Wahrenddem Deutschland und Russland noch schwach sind,. 
werden sie sich der grossen Weltmarkte bemeistei;n. 

In Europa werden Frankreich, Italien, und die kleinen. 
Lander ihre Trabanten sein. In Amerika die Staaten von 
Mittel- und Siid- Amerika. Es wird sein alsob zwei Kaiser 
in einem Aufzug voran gingen, gefolgt von der Schar ihrer 
Va'sallen. 

1 Bei alien politischen DifFerenzen in Europa und Amerika 
werden sie den einen gegen den anderen ausspielen, sodass. 
alle schwach bleiben. Gleichwie England in der Vergangen- 
heit (wir schweigen hier von seinen vielen Eroberungen und 
Gewalttaten), Russland, die Tiirkei, die Balkan- Volker, Klein- 
Asien, Egypten,' Persien, Indien, China, also den ganzen 
nahen und fernen Orient nicht zur Selbststandigkeit und 
Macht kommen liess, um sie entweder gegen einander aus- 
zuspielen oder um sie auszupliindern , so werden England 
und die Vereinigten Staaten es dann machen mit Deutsch- 
land, Oesterreich-Ungarn, Polen, Rusland, der Tiirkei, dem; 
Balkan. In Amerika mit Mexico, Brasilien, Peru, Argen- 
tinien etc. 

Die Vereinigten Staaten und England werden Mittel- und* 
Ost-Europa in eine Holle verandern, wo die von Deutsch- 
land gerissenen Teile, Deutschland selbst, Polen, die aus 
Oesterreich-Ungarn geformten Staaten, die neuen Staaten< 
Russlands, die Balkan-volker und die Tiirkei einander fort- 
wahrend bekampfen. Und in. dieser Zeit beherrschen England 
und die Vereinigten Staaten die Welt. 

Oekonomisch werden sie versuchen Europa abhangig zu 
machen vom amerikanisch-englischen Kapitale. Besonders. 
Russland werden sie damit iiberstromen. Ueberall werden 
sie Filialen ihrer Trusts, ihrer Banken, ihrer Reedereien griin- 
den, und werden dort, wo es nicht gelingen sollte die euro- 
paischen zu vernichten, es durch die Schwachung Deutsch- 
lands doch so weit bringen, sie im Interesse ihrer Profite zu 
einer Verbindung mit ihnen zu zwingen, weil sie die Meere 
und die iiberseeischen: Markte beherrschen. 

Und Afrika und Asien werden fast ihnen allein zum Aus- 
feeatungsgebjet dienen. Besonders auch China, Teilweise 



io 



II 



beherrsehen sie diese Gebiete selbst, teilweise einheimische 
Bespoten in ihrem Sold. 

Indem Deutschland durch seinem Kampf gegen eine Ueber- 
macht wenigstens noch gezwungen ware Oesterreich, die 
Tiirkei, den Balkan, Klein- Asien, noch andere Staaten viel- 
leicht, kraftig zu machen, zu entwickeln, miissen England 
und Amerika dies eben nicht tun, weil sie ein Monopol 
faaben, und also nicht bedroht werden wollen. 

Dann entsteht also ein Europa, wo.im Centrum die Haupt- 
macht des Kontinents, die einzige Macht, die gegen England 
und die Vereinigten Staaten wetteifern, die kampfen konnte, 1 
politisch und teilweise auch okonomisch gebrochen ist, und 
das Uebrige aus zum Kampfe zu kleinen oder vorlauflg 
schwachen Staaten besteht, oder in machtlose, mit einander 
streitende Teile zerrissen ist. Also ein, mit Ausnahme Eng- 
nadSj machtloses Europa. 

Der politische Kampf der Nationen, ein Hauptfaktor fur 
den Fortschritt des Kapitals, ist dann ausgeschaltet. 

In Mittel- und Stid-Amerika ein gleicher Zustand. 

Und die Moglichkeit eigener machtiger Entwicklung 
und Selbststandigkeit Klein-Asiens, MesOpotamiens, Arabiens 
Egyptens, Persiens, Indiens, China's etc. ist fiir lange Zeit 
verschwunden. 

Ein dergleiches schwaches, zerstiickeltes Europa, ein 
schwaches Siid-Amerika, Asien und Afrika, eine schwache, 
zerstiickelte Welt, das ist das Ziel der Politik der Ver- 
einigten Staaten. 

Aber weil die Vereinigten Staaten, England und Japan 
einander doch nicht trauen konnen, und ausserdem Frank- 
reich und Italien doch Grossmachte sind, und Russland und 
Deutschland doch wieder an Macht" zunehmen, und sich 
wieder erholen, also immer gewaltige Koalitionen zu befiirch- 
ten sind, fahrt man fort aus aller Macht zu riisten, und be- 
reitet einen neuen Weltkrieg vor. 

Und das ist der „Weltbund der Volker" und der „Welt- 
friede" der Vereinigten Staaten und Englands, fiir welche 
Prasident Wilson, Asquith und Lloyd George Propaganda 
machen, und in welchem Deutschland, wenn es einmal de-, 
mokratisch geworden ist, auch einen Platz bekommen kann! 

Und dazu wollen sie das Selbstbestimmungsrecht der Volker 
Europa's (nicht Asiens, und nicht Afrika' s). Das Selbstbe- 
stimmungsrecht das diese Volker nicht stark, sondern schwach 
atiachtund das ihnen nur dazu dient machtige Koalitionen 



unter Deutschlands Fiihrung zu verhindern, und selbst uber 
Europa zu herrschen '). ' ' > 



l) Dies Problem ist hochst erast, denn es besteht die Gefahr, class gleich 
wie die nationalen Proletariate, von den Reformisten gefiihrt, den Liberalen 
/und Demokraten vertrauten, so das Internationale Proletariat dem Imperialismus 
der grossen biirgerlichen Demokratien vertrauen wird. 

Und solange geglaubt wird, solange die franzbsischen, englischen, ameri- 
kanischen, belgischen etc. Arbeiter glauben, dass der englisch-amerikanische 
Imperialismus auch nur um ein Haar besser ist als der deutsche, solange 
kommt keine Einheit des Proletariats, keine neue Internationale und kcin 
einmiitiger Kampf des Weltproletariats fur die Weltrevolution. 

Darum hiaiuber noch einige Worte. 

Wilsons Ziel: Die Selbstandigkeit, die Selbstbestimmung aller Nationen 
Europas und ein Weltbund der Volker ist erstens unmoglich. Denn die Inte- 
■ressen aller dieser Volker sind verschieden und es gibt sehr machtige und 
sehr schwache unter ihnen. Dies muss unter dem Kapitalisnius, wie erjetzt 
aoch ist, wie er jetzt noch zerteilt ist in nationale Kapitalismen, zurBeherr- 
schung und Unterdriickung fuhren. Dies kann nicht anders sein. 

Es ist ausserdem heuchlerisch. Denn das Interesse Englands und der 
■Vereinigten Staaten ist, dass keine einzige Macht auf dem Kontinent Europas 
stark wird. Das . Mittel urn dies Ziel zu erreichen ist, nach der Vernichtung 
der Macht Deutschlands, die Selbstandigkeit aller Volker Europas. Diese 
Selbstandigkeit ist dann jedoch nur ein Schein, denn eben sie macht die 
suropaischen Nationen politisch und okonomisch zu Vasallen der beiden 
aiiglosachsischen Volker. 

■ Die Wahrheit ist also diese: Es gibt unter dem Imperialismus keine Selb- 
standigkeit, Gewinnt Deutschland, dann entsteht ein Volkerbund Europas, in 
welchem die Volker nicht mehr selbstandig, sondern ernfach Deutschland 
unterworfen sind. Gewinnen die Assoziierten, dann entsteht ein Bund von 
Nationen, in welchem alle, ausser England und, den Vereinigten Staaten, 
schwach und, durch ihre Schwache, diesen beiden unterworfen sind. 

Das Ziel beider Imperialismen ist also genau dasselbe : Unterwerfnng der 
Volker, Beherrschung der "Welt, Weltmacht, Weltherrschaft. 

Deutschland ermordet auf grausame Weise die Selbstandigkeit, England 
and die Vereinigten Staaten Sassen sie dem Scheme nach bestehen, doch 
toten sie in Wirklichkeit. 

Der Unterschied ist scheinbar, nicht wirklich. 

Der Unterschied zwischen dem deutschen und dem englisch-amerikanischen 
Imperialismus ist derselben Art wie der zwischen Kons'ervativ und Liberal, 
zwischen Absolutismus und Republik, zwischen Aristokratie und Demokratie. 
Unter dem Imperialismus gibt es zwischen diesen nur noch eine Verschie- 
denheit dem Scheine nach. So gibt es zwischen dem Imperialismus eines 
reaktion&ren, absolutistischen, antokratischen, und dem Imperialismus eines 
liberalen, republikanischen, demokratischen Staates. in Wirklichkeit keinen 
Unterschied. 

Wirkliche Selbstandigkeit ist nicht mehr zu erreichen unter dem Kapita- 
lismus, weder unter einer Autokratie noch unter einer Demokratie. Der Kapi- 
talismus, der Imperialismus fiihrt unvermeidlich zur Unterwerfung der Volker. 

Die Ursache davon ist das monopolistische Bankkapital, das in Deutschland, 
Engeland und den Vereinigten Staaten allmSchtig ist und von da aus die 
;.f anze Welt beherrscht. ' 



12 



Es ist wahr, der deutsche Geist, die bestialische Bruta- 
litat, vvird dann nicht herrschen. Der deutsche Imperialism's 
ist dann machtlos geworden. 

Aber an dessen 1 Stelle ist dann das .machtige engiisch- 
amerikanische Monopol getreten, wodurch ein grosser Teil 
der Welt zum Stillstand, und fast die ganze Welt zur 
Unterwerfung gebracht wird. Und der Geist dieses Imperia- 
listischen Monopols ist die bestialische Rohheit unci die 
Korruption des amerikanischen Kapitalismus, vereint mit 
der raffinierten Ausbeutung des englischen, der seine Opfer 
kraftlos macht. Und von beiden die Heuchelei und die falsche 
Demokratie. 



Und welche werden die Folgen dieses Imperialismus seis 
fur das Proletariat der Welt? Die amerikanisch-englischets 
Banken, die amerikanisch-englischen Trusts werden die Welt 
beherrschen. Mit diesen zu wetteifern wird fur die andern 
Lander schwierig sein. Sie werden sich oft unterwerfeii 
miissen. Der] Kampf des Proletariats wird also schwer, fast 
unmoglich sein gegen dieses Monopol. 

Aber das amerikanisch-englische Kapital wird, so wie das 
englische es machte, einen Teil des Proletariats kaufen gegea 
den anderen. Es wird jenen Teil zum besser bezahlten, holier 
organisierten, entwickelten Proletariat machen. Zu den wohl 
genahrten, wohl gekleideten, wohl behausten, wohl abgerich- 
teten Henkern und Bluthunden des iibrigen Proletariats, — 
und der schwachen Volker — , auf welchen es in seinem Kampf 
gegen die armeren Proletarier immer rechnen, die es gegea 
die schwachen Vqlker immer aufhetzen kann. Ein solches- 
Soldnerheer, die grosste Gefahr , fi.ii' das internationale Pro- 
letariat^ ein Heer von Verratern, wird es in alien Landera 
schaffen. Es wird dies konnen, denn es hat. das Monopol, 
nachdem Deutschland fiel. Und es wird die ,, unskilled",, 
die schlecht genahrten, die schlecht bezahlten, die schlecht 
behausten, die elenden, die armen Arbeiter unterdriicken' 
konnen so viel es will. Und dies wird die grosse Masse sein. 
Ausserdem wird . auch jetzt das Proletariat unterdruckt 
werden unter dem Militarismus. 



Es ist eben das Charakteristische, dass der Kapitalismus auch in die-sss- 
Frage in eine Sackgasse geraten ist. 

Nur der Sozialismus kann diese Frage, wie so maache andere, . lose-u. 



' n 

Dies heisst dann der „Weltfrieden" des amerikanisch- 
englischen Imperialismus. Und dieser Weltfrieden ist es, 
wofiir ein Teil der Bourgeoisie der Neutralen und der 
Bntente-Lander so sehr schwarmt ! 

Aber schliesslich wird der Krieg auch unter diesem Im- 
perialismus wieder losbrechen. Denn Deutschland sammelt 
wieder neue Krafte und Russland steigt empor und China 
lasst sich auf die Dauer nicht in Sklaverei halten. Die Welt 
ertragt auf die Dauer nicht, kann nicht lange ertragen die 
Alleinherrschaft des amerikanisch-englischen Kapitals. Dazu 
ist das Kapital noch nicht geniigend international, dazu sind 
die ausgebeuteten Lander noqh zu viele, sind auch die Rei- 
bungsflachen noch zu bedeutend. Neue Koalitionen formen 
aich: gegen England, gegen die Vereinigten Staaten, diese 
xwei Machte spalten sich vielleicht, und das Proletariat der 
Welt wird doch wieder in ein neues Blutbad gestiirzt und 
■wieder hingeschlachtet. 

Dies also sind die Folgen des Sieges des deutschen und 
Ses englisch-amerikanischen Imperialismus. 

Auf der einen Seite: Deutschland allmachtig auf dem 
europaischen Kontinent, mit deutschem Militarismus iiberall, 
und innerhalb kurzer Zeit einen zweiten noch furchtbareren 
Weltkrieg. Auf der anderen Seite : England und die Ver- 
einigten > Staaten allmachtig , auf der ganzen Erde, mit Un- 
terwerfung oder Schwache und Stillstand iiberall. Und doch 
auch der Militarismus iiberall, und nach einiger Zeit ein 
neues Blutbad. " 



Auf der einen Seite ein europaisches Biindnis mit Unter- 
werfung unter Deutschland. Und ein neues Blutbad. Auf 
der anderen ein Biindnis der Welt mit Zerstiickelung und 
Schwache auf der ganzen Welt, und Unterwerfung unter 
England-Amerika. Und auch ein neues Blutbad. 

Kommt dieser erste Weltkrieg nicht zu einer wirklichen 
Entscheidung, dann muss der ganze Kampf desto eher 
von neuem ausgefochten werden. Dann stehen wieder zwei 
Volkerbiinde gegen einander, und kommt sehr schnell ein 
aeues Blutbad. - . 



14 



*5 



Also auf beiden Seitgn: Unterwerfung des Proletariats 
der Welt, und Schlachtung des Proletariats der Welt. 
,. Und auf;jeden Fall Unterwerfung und Schlach- 
tung des Proletariats der Welt, Das ist die Zukunft,. 

Wahlet, Proletarier ! Beide Machte iocken euch mit ihrem 
Weltbund der Vglker. Beide sagen:. Nicht wir sind im- 
perialistisch, die anderen sind es!! Alle beide, bedrohen 
euch in der Tat mit Unterwerfung und Untergang, 

Werin man das Proletariat fragt: Was wollt ihr-Iieber^ 
den Despotismus, die Bestialitat, das Blutbad des deutschen 
Imperialismus, oder die Bestialitat des amerikanischen ver- 
eint. mit der raffinierten Ausbeutung des engiischen, durch 
welchen das Blutbad doch auch kommt, so soil das Prole- 
tariat antworteo; „Wir wissen es nicht. Die Folgen beider 
sind gleich furchtbar''. 

So ist es. 

Der deutsche und der englisch-amerikanische Imperialismus 
sind in der Tat gleich'*furchtbar fur das Proletariat. 

Die deutschen, engiischen, amerikanischen und also ALLE 
Proletarier dcr Welt, werden gleichmassig vom deutschen 
und vom englisch-amerikanischen Imperialismus bedroht . 

Sie konnen sich also einigen. 

Sie konnen ein Biindniss machen worin Ein nationa- 
les Proletariat fur das Andere aufkommt. Ein Bund wie 
eine Gewerkschaft, oder eine Trust von Proletariaten, die 
alle zusammen gegen den Welt-Imperialismus kampfen. 
Denn ihre Interessen sind wirklich die gleichen. 

Nur ein geeinigtes englisches, deutsches und amerikanisches, 
und also nur ein geeinigtes Weltproletariat kann den deut- 
schen und den englisch-amerikanischen Imperialismus, kann 
also den Imperialismus uberhaupt, den Weltimperialismus 
vernichten. 

Jedes nationale und also das ganze internationale Prole- 
tariat muss BEIDE gleich stark bekampfen. Das Proletariat 
aller Lander muss sich auf eine Front einigen um BEIDE zu 
gleicher Zeit zu vernichten. ' 

Es soil eine Internationale entstehen, die beide zu gleicher 
Zeit vernichtet. 



Die beiden grossen Imperialismen sind gleichwertig. Und 
da die Imperiali.smen aller Volker der Welt verbunden 
sind mit, unterworfen sind an diese beiden Imperialismen, 
Deutschlands an den einen, Englands und der Vereinigten 
Staaten an der anderen Seite, so ist es wahr dass fur ALLE. 
Arbeiter der Erde, fiir das ganze Weltproletariat der Impe- 
rialismus beider Gruppen, also der Imperialismus uberhaupt, 
gleich furchtbar ist, 

Darum ist es sicher, dass die Arbeiter der GANZEN Welt 
von neuem durch den Imperialismus werden unterdriickt^ 
und vernichtet werden. 

Und da also neue Schlachtung, neue Unterdriickung durch 
den Imperialismus, (wie auch clas Ende dieses Krieges sein 
moge) sicher ist, da also das Proletariat der Welt mit ab- 
solute^ Sicherheit aufs neue wird unterdriickt und hinge- 
mordet werden, — darum ist der Aufstand des Proletariates 
der Welt gegen den Imperialismus NOTWENDIG '). 



l) Alle diejenigen also die den einen Imperialismus vor dem anderen 
bevorziigen, stiitzen ihren Geist und ihre Handlungen nicht auf die Wahrheit. 
Sie stehen auf falschem Boden, 

Sie spalten das internationale Prolatariat und machen ihm die Besiegung 
des Imperialismus unmbglich. Sie alle, 'seien es Sozial-Patrioten, Pseudo- 
Marxisten, oder Parteien neutraler Lander, spielen das Spiel des Imperialismus,. 
deir imperialistischen deutschen, engiischen, amerikanischen, der internationalen 
kapitalistischen Klassen und Regierungen. 

Sie stehen auf der Seite dieser Klassen und Regierungen und helfendem 
Imperialismus. . "■ ■ " 

/ Denn eben diese spalten, — die englisch-amerikanischen unter der Maske 
der Demokratie, die deutschen unter der Maske des Absolutismus, — das 
internationale Proletariat nur dadurch, dass sie ihm den eigenen Imperialismus 
als nicht bes'.ehend oder ffiedlich, den feindlichen als den einzigen, oder 
schlimmeren als den eigenen vorstellen. Dies tun Wilson, Bethman Holweg, 
von Kiihlman, l.loyd George, Poincare. Czernin, Asquilh. Lies ist der Zweck 
ihrer Reden ; dadurch allein, durch diesen Betrug allein, konnten sie den 
Krieg entstehen lassen, durch diesen allein konnen sie ihn weiterfiihren, auf 
diesen allein stiitzen sie ihn. Und daran tun diese Sozialisten mit. 

Aber nur von einem einigen Weltproletariate kann der Welt-Imperialismus 
besiegt werden. — 

Die Sache liegt in Wirklichkeit so: Gleichwie in der inneren Politik 
die herrschenden Klassen die Arbeiter spalteten durch die Losungen Liberal 
und Klerikal, Conservatif und Demokrat, u. s. w., Losungen die eben durch 
den Imperialismus fast ganz ausgeloscht sind, so zerteilen, aber jetzt in rie- 
senhaft grosserem, in Weltmaass, die Imperialisten die Arbeiter international 
id Anhanger dieses oder jenes Imperialismus. 

Der deutsche Imperialismus als der brutalere, hundische, von einer Auto- 
kratie gefiihrte nimmt die Stelle der Konservativen, der Reaktionaren ein. 

Der englisch-amerikanische Imperialismus, als der schlauere, mehr heuchle- 
rische, von einer sogenannten Demokratie gefiihrte, die Stelle der Liberalen.. 



i6 



Der internationale Imperialismus kann abcf nicht aufge- 
hoben werden ohne dass der internationale Kapitalismus 
aufgehoben wird. 

Die Revolution, die soziale Weltrevolution gegen des 
Kapitalismus ist also notwendig fur das Weltproletariat. 

Dies wollten wif an erster Stelle beweisen. 



II. 



In Wirklichkeit sind sie beide gleicli. 

Die grossen Imperialisten, die Kaiser, die Konige, die Prasidentea, die 
Fiihrer der englischen, deutschen und amerikanischen Banken, die Minister 
und Politiker wissen schon was sie tun. Sie wissen dass sie durch diese Spaltung, 
and durch diese Spaltung allein, (denn so machtig ist schon das Proletariat 
dass, wenn es international einig ware, es den Imperialismus aller Staaten, 
den Imperialismus uberhaupt, vernichten wiirde), dass sie durch diese Spaltung 
'des Proletariats in zwei Gruppen, ihr Ziel: den enormen, bleibenden Gewina 
fiir das Bankkapital und die Unterwerfung der Welt unter dem Bankkapital, 
erreicheo. 

Demgegenuber muss das Proletariat sich einigen als ein Ganzes gegen dea 
ganzea Imperialismus, gegen den Imperialismus uberhaupt. Dies kann aber 
nur dann geschehen, wenn das Proletariat einsieht dass der deutsche und der 
englisch-amerikanische , der Internationale Imperialismus gleichwertig sind; 
wenn es nicht, wie irtiher die Liberalen iiber die Klerikaleri, den einen Impe- 
rialismus als „das kleinere Uebel" iiber den anderen stellt, wend es nicht 
zum Bundesgenossen des einen wird, wenn nicht wie ein nationaler, so jetzt 
ein internationaler B Reformismus" entsteht. 

In der inlandischen Politik den Liberalismus zu stellen iiber den Konser- 
vatismus oder Klerikalismus ist nationaler Reformismus. In der internationalea 
Politik den demokratischen Imperialismus zu stellen iiber' den absolutistischen 
ist internationaler Reformismus. 

Es ist das Wecken des Gedankens beim Proletariate, dass ein Teil des 
Kapitalismus, der demokratische, im Stande ist zu „Reformen", zur Lbsung 
von Fragen, zu welcher nur der Sozialismusim Stande ist. 

Gleichwie derjenige der in der nationalen Politik Liberal iiber Klerikat 
stellt, die Einheit des nationalen Proletariats verhindert, so verhindert derjenige 
der den englisch-amerikanischen Imperialismus stellt iiber den deutschen, die 
Einheit des internationalen Proletariats. 

Der nationale und der internationale Reformismus sollen beide aufs Susserste 
bekampft und vernichtet werden. 

Die Sache worauf es fur das internationale Proletariat ankommt ist ebea 
einzusehen, dass beide Imperialismen gleich, sind, in ihren Zielen und Folgen 
gleich verderblich, sich dann durch diese Einsieht zu einigen und beide ztt 
•vernichten. 



Kein anderer Ausweg fur das Proletariat. 



„Der Imperialismus beider Gruppen ist gleich schrecklich 
fur das Proletariat. 

Er kann allein vernichtet werden von einem vereinigten 
Weltproletariate. 

Die Welt-Revolution ist also notwendig." 

Dies, was wir im ersten Kapittel sagten, wiirde ge- 
niigen, es wiirde geniigen, dass alle Imperialismen, dass 
-der Imperialismus der beiden Gruppen aller Volker gleich 
schrecklich sind fiir das Proletariat, und dass also das inter- 
nationale Proletariat sich vereinjgen soli urn den Impera- 
lismus. zu vernichten. 

Wir wiirden jetzt zum Beweise iibergehen konnen, dass 
die Vernichtung des Imperialismus, die Weltrevolution mog- 
lich ist fiir das Proletariat, — wenn nicht die Regierungen, die 
Bourgeoisie, die Sozial-patrioten und die Pseudo-Marxisten 
aller Lander, die Mehrheit und die Minderheit in Frank- 
reich und Italien, die Mehrheit und die Unabhangigen in 
Deutschland, die Labour-Party und die pazifistischen Sozia- 
listen in England, und alle grossen sozialistischen Parteien 
in den Vereinigten Staaten, kurz alle Kapitalisten und alle 
Sozialisten der Welt, ausgenommen die wirklich Revolutio- 
naren.es den Arbeitern vorstellten, alsob zwischen Imperia- 
lismus und Sozialismus noch ein Ausweg ubrig ware. 

Wenn sie nicht zum Proletariate sagten, dass der Impe- 
rialismus, der imperialistische Kapitalismus zur Entwaffnung, 
zum obligatorischenSchiedsgerichtjZumWeltbund der Volker, 
.zum Weltfrieden kommen kann und nach dem Kriege kom- 
anen soil und wird. 



19 



Die Kapitalisten, die Sozial-patrioten, und die Pseudo- 
Marxisten, die Labour-Party und die pazifistischen Sozia- 
listen in England, die Mehrheit und die Unabhangigen 
Deutschlands, die Mehrheit und die Minderheit in Frank- 
reich und Italien, die Sozialisten der Vereinigten Staaten, 
sagen dies urn das Welt-proletariat abzuhalten von der Re- 
volution. 

Denn, wenn dem so ware, wenn der Kapitalismus den 
Krieg jetzt schon aufheben konnte, dann wiirde der Kapi- 
talismus sich friedlich entwickeln konnen, dann wiirde die 
Welt-Revolution jetzt noch nicht notwendig sein. 

Da diese Vorstellungen also eine gewaltige kontrarevolu- 
tionare Bedeutung haben, — besonders auch durch die Zahl 
und die Macht aller derjenigen die sie dem Proletariate 
machen — so ist es fur jeden Revolutionar geboten noch- 
mals die Falschheit dieser Vorstellungen zu beweisen. 

Bevor wir zur Darlegung der Ausfiihrbarkeit der Revo- 
lution ubergehen, soil dies also im Folgenden geschehen. 

i ' 

In alien kapitalistischen Staaten, in alien kapitalistischen 
Nationen, wird jedes Jahr von den Millionen und Millionen 
Arbeitern, im eignen Lande und in den Kolonien, eine Masse 
neuen Mehrwerts produziert. 

Diese Masse wird fort>yahrend grosser, und steigt pro- 
gressiv, da Jahr fur Jahr Mehrwert dem alten Kapitale zu- 
gefiigt wird. 

In der Welt, auf der Erde, sind aber noch viele Lander 
mit reichen Naturschatzen und schwacher Bevolkerung, aus 
welchen kolossale Profite heraiisgeschlagen werden konnen. 

Das neue Kapital sucht diese Anlagestellen. 

Dies ist die Ursache des Imperialismus. 

Alle Lander der Erde haben aber schon ihren Meister. 

Die Erde ist schon aufgeteilt. 

Die Nationen miissen also kampfen um die besten Stellen. 

Dies ist die Ursache der imperialistischen Kriege. 

Es gibt besonders drei kapitalistische Staaten deren Kapital- 
Masse so gewaltig wachst, dass sie mit einander an alien 
Stellen der Erde um den Profit kampfen. 



Es sind dies England, Deutschland, und die Vereinigten 
Staaten. 

Die Millionen Arbeiter Englands, Deutschlands und der 
Vereinigten Staaten haben so gesehuftet, so viele Jahre, 
mit so unaufhorlichen gewaltigen Kraften, dass die Kapita- 
listen dieser Lander das Monopol der Weltherrschaft ins 
Auge fassen. 

Diese drei gigantischen Volker kampfen jetzt wirklich um 
die Beherrschung der Welt. 

Man sage nicht dass diese Vorstellung iibertrieben ist, 
dass niemals eine, Nation oder eine Gruppe von Nationen 
die Weltherrschaft erreichen konnte. Denn die Eigenschaft 
des Kapitals ist eben, dass es immer mehr Mehrwert, dass 
es eine unendliche Masse Mehrwert, Mehrwert ins unend- 
liche schaffen kann, wenn es nur immer mehr Proletarier, 
Rohstoffe, und Maschinen anwenden kann. Jeder gewaltige 
kapitalistische Staat, jede gewa|tige kapitalistische Nation 
fiihlt also, dass, wenn er nur immer mehr Lander sich unter- 
wirft, das Wesen des Kapitata ihm ermoglicnen wird endlich 
die ganze Welt zu erobern. 

Diese drei Giganten erheben sich also aus dem Strudel 
des Kampfes aller kapitalistischen Nationen. 

Und zwei davon, England — und unter ciesem Namen 
verstehen wir jetzt das englische Weltreich, England mit 
seinen Kolonien und Dominions — und die Vereinigten 
Staaten haben sich, vielleicht fur kiirzere, vielleicht fur 
langere Zeit, vielleicht fur immer verbunden, zu einer Ein- 
heit um zusammen die Weltherrschaft zu erstreben. 

Und gleichwie im okonomischen Kampfe die machtigsten 
Syndikate schliesslich alle kleine kapitalistische Gesellschafte 
mit sich schleppen, so haben sich fast alle Nationen der 
Erde mit diesen drei Grossmachten verbunden, so dass 
zwei Gruppen aller Nationen der Welt einander die Welt 
streitig machen '). 



l) Absichtlich, um das gewaltige Problem des WeltRrieges and des Abriistens 
ganz War zu machen, haben wir hier den Kampf vereinfacht. Wir stellen es 
vor alsob nur die drei grossten Nationen kampften. In der Tat ist der Kampf 
viel komplizierter, namlich aller Nationen der Welt, und dadurch die I 6sung 
des Problems durch Frieden noch viel unmpglicher. — In der Broschiire : Der 
Imperialismus, der Weltkrieg und die Sozial-Demokratie, haben wir dies (Seite 
119 — 142) auseinandergesetzt. Dort werden auch die qkonbrnischen Ursachen 



20 



Die Entwicklung des Kapitaiismus ist auf ihre hochste 
Stufe geklommen. Es sind nur einige wenige Kampfer iibrig. 

Der Weltkapitalismtis nahet sich jetzt durch Kampf seinem 
Ende. 

Gleichwie aus dem Kampfe der kleinen mittelalterlichen 
Stadte die kleinen mittelalterlichen Staate entstanden, — 
gleichwie aus den Kampfen dieser kleinen Staaten die grossen 
National-Staaten, — so entstehen jezt aus den Kampfen der 
grossen National-Staaten die Gruppen , die allergrossten 
Biindnisse, die zwei Verbande von Nationen. 

In und durch den Kampf der mittelalterlichen Stadte 
entstand die Herrschaft der Kleinbiirger, in und durch den 
Kampf der National-Staaten diejenige der grossen Bourgeois, 
in und durch den Kampf der Gruppen der Nationen die 
Herrschaft der allergrossten Kapitalisten, der Monopolisten 
der Industrie, der Reederei, der Banken, der Trusts. 

Aber gleichwie einmal diese Kleinbiirger, diese Bourgeoisie 
sich erhoben aus dem Kampfe der Fursten, des Adels und 
der Geistlichen unter sich, so erhebt sich jetzt aus den 
Kampfen aller kapitalistischen Nationen, aus den Kampfen 
der beiden Gruppen aller kapitalistischen Nationen, aus den 
Kampfen der Monopolisten die alle Lander zu beherrschen 
suchen, eine andere, dritte Macht, das Proletariat der Welt. 

Und indem die zwei hochsten Machte der Erde, die zwei 
Gruppen aller kapitalistischen Nationen, und die Monopo- 
listen aller Nationen um die Weltherrschaft kampfen, erhebt 
sich das Proletariat der Welt gegen sie und bemeistert sich 
der Welt. 

Auf seine hochste Stufe angelangt, aufgebliiht. zum Mono- 
poly im Kampfe um das Monopol der Erde, stirbt das Kapital 
und wird es abgelost vom Proletariat. 

In seiner hochsten Bliite, seiner letzten und hochsten, alle 
seine Krafte anspannend, sich entwickelnd zum hochsten 
Kampf um das Monopol der Weltherrschaft, bricht es in 



warum Weltfrieden und Welt-Volkerbund unmoglich sind sehr ausfuhrlich 
behandelt. — 

Wenn die Vereinigten Staaten und England sich in der Zukunft von einander 
losmachten, so wiirde das keinen Unterschied machen im Bilde, das wir hier 
vom Welt-Imperialismus entwerfen. Denn jeder dieser beiden Staaten wurde 
dann doch fiir sich die Weltherrschaft suchen, und jede neue Gruppierung, 
jedes neue Bundnis das sie schlossen, (zum Beispiel mit Deutschland oder 
Japan) •wrfirde dies, gleich wie jetzt, tun. 



i 



■ 



I: 



21 



seinem Kampfe, im Kampfe der sein Wesen war, zusammen, 
und aus seinem Schoosse, aus dem letzten Auflodern seiner 
Krafte entsteht eine neue .Welt. 

Der Kapitaiismus, angefangen mit dem Privatbesitz einiger 
Wenigen an Kapital, aufgewachsen zum Kapitalbesitz einer 
zahlreichen machtigen Klasse, endet wieder, kehrt wieder in 
sich zuriick zum Besitze des ganzen Kapitals, zur Herrschaft 
uber das ganze Kapital durch einige Wenige. 

Und in dieser Bliite stirbt es. Die Bliite fallt ab, und die 
neue Welt tritt hervor. 

Denn die Proletarier, die sich am Ende des achtzehnten 
Jahrhunderts einigten zum Kampfe gegen ihre Arbeitgeber, 
die Sozialisten, die sich in der Mitte des neunzehnten Jahr- 
hunderts einigten in nationale Parteiem, zum Kampfe gegen 
ihre nationale Bourgeoisie, sie einigea sich jetzt international 
zum Kampfe gegen die internatiooaie Bourgeoisie. 

Und in dieser Einheit werden sie siegeo. 

Aber warum einigen diese nationaJea Kapstaimassen sich 
nicht? Warum einigen England, DeatecHaad, und die Ver- 
einigten Staaten sich nicht, und warum arbeiten sie nicht 
zusammen zur Ausbeutung des ganzea Proletariats, und der 
ganzen Erde ? Denn dann ware ihre Macht doch eine viel 
grossere, dann brauchten sie nicht za kampfea mit einander, 
und konnten sie vielleicht das gaaze Proletariat abhalten 
vom Kampf, abhalten von der Revolution. 

Die Antwort ist primo: Ihre Kapitaiien sind national, 
nicht international., Die internationaleii Kapitafcien sind in Ver- 
gleich zu den nationalen nur ein ganz kleiner Teil des Kapitals. 

Und secundo : Diese nationalen Kapitaiien haben verschie- 
dene Interessen, verschiedene Ziele. 

Was sind ihre Ziele? Was ist das Ziel dieser drei Giganten ? 

Wir sagten es schon: Deutschland will Belgien, Polen, 
Frankreich, Russland, Oesterreich-Uagara, den Balkan, die 
Tiirkei, Klein-Asien, Armenien, Mesopotamien, Syrien, Per- 
sien, vielleichtjjSibirien und andere Telle Asiens unterwerfeu, 
dadurch den Kontinent von Europa abhangig machen, und 
so den ersten .Schritt tun zur Weltherrschaft. Angelangt an 
die Kiiste des Indischen Ozeans ist es dann bereit zum zwei- 
ten Weltkrieg, um Indien, den Stillen Ozean und die daran 
liegenden Lander, um Afrika, um die Weltherrschaft. 

England will sein Weltreich ausbreiten iiber Afrika, durch 
Asien, nach Indien. 



22 



23 



Die Vereinigten Staaten wollen herrschen am Stillen Ozean, 
in China, im Indischen Archipel, in Polynesien, in Mittel- 
und Siid-Amerika. 

Wenn das Englische Weltreieh herrscht iiber Afrika und 
den siidwestlichen Teil von Asien, und die Vereinigten 
Staaten herrschen in Mittel- und Siid-Amerika, im Stillen 
Ozean, in China, und vielleicht im nordlichen Teile Asiens, 
dann beherrschen England und die Vereinigten Staaten 
schon fast die GANZE Welt. 

Und durch welches Mittel erreichen die drei Grossmachte 
dann ihr Ziel, die Weltherrschaft ? 

Wir sagten es schon : Deutschland durch die Zusammenfas- 
sung Europa's unter seine Fiihrung, die Vereinigten Staaten 
und das Englische Weltreich durch die Zerstiickelung Europa's. 

Und wodurch erreichen sie dies Mittel? 

Durch den Kampf, den Krieg. 

Und nun denkt euch, Arbeiter Europa's und Amerika's, 
Arbeiter der Welt, Arbeiter die man betriigen will, und un- 
ter dem Kapitalismus halten, und von der Revolution abhal- 
ten mit der Hoffnung dass Weltfriede, Abriistung und Welt- 
bund der Vblker moglich sind> jetzt denkt euch, dass der 
Krieg zu Ende ist. Denkt euch, dass das Schlachten der 
ganzen Menschheit vorbei ist. Denkt euch nun zuerst, dass 
England und Amerika gesiegt haben. Dann sind Afrika und 
Asien, Mittel- und Siid-Amerika, alle Weltmarkte, faktisch 
in ihrer Macht, und Europa's Kontinent ist machtlos. 

Denkt euch dann, dass Deutschland, siegt. Dann hat 
Deutschland einen Teil Afrika's, und es steht in Asien vor 
den Toren Indiens, und wahrscheinlich auch China's. 

Denkt euch dann dass keiner gewinnt. Dann bleibt die 
Spannung dieselbe die sie war. 

Stellt euch diese drei Falle, die drei einzig moglichen, 
War vor Augen, Arbeiter, und fragt euch dann: Wird es 
nach diesem Kriege keinen neuen Krieg mehr geben ? 

Wenn England und die Vereinigten Staaten siegen, wird 
dies geschwachte und gespaltete Europa das ertrage.n ? Wird 
Deutschland sich nicht an die Spitze Europe's stellen, und 
sich erheben? « 

Und stellt euch klar den zweiten Fall vor Augen. Deutsch- 
land steht am Ende des Krieges, nach dem „Frieden", vor 
den Pforten Indiens und China's. Und innerhalb der Pforten 
stehen die englische und die amerikanische Macht. 



Was wird geschehen r Denkt nach, Arbeiter. Werden Eng- 
land und die Vereinigten Staaten nicht versuchen Deutsch- 
land zu verjagen? 

Und stellt euch den drittea Fall vor Augen. Der Krieg 
bleibt unentschieden. Es gibe keinen Sieger und keinen Be- 
siegten. Dann bleibt Alles, wie es vor dem Kriege war. 
Deutschland von England unci .?elr:en Verbiindeten einge- 
kreist. Und Deutschland immer sich riistend und bewaffnend 
fur Weltkrieg. Wird Deutschland jetzt abriisten, und wer- 
den England und Amerika aufhoren mit ihrer Bedrangung 
Deutschlands ? 

Bedenkt, diese Grossmachte stossen jetzt auf einander. 
Sie stehen an einanders Grenzen, mchts trennt sie mehr. 
Es gibt keinen Raum mehr zwischea iiaen. 

Bedenkt, es gibt da draussen, an der anderen Seite der 
Grenze, die herrlichsten Lander fur Kapitalanlage, die aller- 
hochsten Profite. 

Bedenkt : die zwei Gruppen woOendleselben Lander : Afrika 
und Asien, jetzt auch Russland. 

Bedenkt: diese Lander sind unendlicli reich und noch fast 
unexploitiert. Milliarden, ja Billioiien fcarren dort auf die 
Ausbeuter. 

Bedenkt, Arbeiter, die Natur, das Wesea des Kapitals. 
Sein Wesen ist doch Ausbreitung, alcM wahr, in immer 
grosserem Maassstab? 

Bedenkt besonders noch einmal, nod sock einmal, und 
immer wieder: In beiden Gruppen SCBWHXT fortwahrend 
die Kapitalmacht, DURCH EURE ARBEIT, und durch die 
Arbeit aller unterworfenen oder mit dem zwei Gruppen 
verbiindeten Volker. Die Kapitalmacht schwilit ins unend- 
liche. Die zwei Gruppen stehen einander gegenuber, grenzen 
an einander, hinter diesen Grenzen sebwflit fortwahrend, 
in immer starkemm Maasse das Kapital. Und da draussen 
liegt die Beute, der Profit. 

Was glaubt ihr : Wird es noch einen neuen Krieg geben ? 

Ihr konnt nicht anders sagen als : ja. 

So lange die Kapitalien Englands, Deutschlands und der 
Vereinigten Staaten verschiedene Ziele haben und dieselben 
Lander erobern wollen, und alle die Welt erobern wollen, 
and so lange sie national, nicht international sind, wird es 
Krieg geben. 



.24 



2 S 



Diese Widerlegung der Abriistung, des Weitbundes der 
Volker, des Weltfriedens, ist eigentlich entscheidend. Da- 
mit ist fur jeden einsichtigen Arbeiter eigentlich schon 
genug gesagt. 

Da aber die jetzt von Blut triefenden Regierungen, die 
Kapitalisten, die Sozial-Patrioten und die falschen Marxisten 
noch mit vielen Argumenten die Arbeiter zu betriigen ver- 
suchen, miissen wir hier auch diese bekampfen und widerlegen. 

Die Regierungen und die burgerlichen Parteien aller Lan- 
der, die Soziai-Patrioten und die falschen Radikalen, die 
Mehrheit und die Unabhangigen in Deutschland,'j die Mehr- 
heit und die Minderheit in Frankreich, die Labour-Party 
und die sozialistischen Pazifisten in England, und alle 
grossen sozialistischen Parteien in den Vereinigten Staaten, 
die den Frieden, das Abrusten oder die Beschrankung des 
Riistens propagieren, sie alle die den. Krieg machten oder 
zuliessen, miissen dartun dass dies moglich, auch in dieser 
Hinsicht : 

Sie miissen, nicht mit hohlenPhrasen,sonderngenau, mitTat- 
sachen dartun, wie sie sich die Regelung des Friedens denken. 

Welche Teile der Erde soil England, welche Deutschland, 
welche die Vereinigten Staaten bekommen ? Welche alle 
die kieineren Machte ? f Frankreich, Italien, Japan, Oester- 
reich-Ungarn, ;die Turkei, u.s. w.J? Sie sollen dies auf den 
Karten angeben, so dass jedermann weiss dass dies gerecht 
ist, und dass keine neue Kriege, dass nie ein neuer Krieg 
aus dieser Regelung hervorkommt. 

Sie sollen genau angeben nach welchen Grundsatzen ver- 
teilt werden soil, und |wie das Zutrauen zwischen Deutsch- 
land, England und den Vereinigten Staaten und alien an- 
deren zustande kommen soil, so dass sie Sich nicht starker 
zu riisten brauchen, ' 9 - 

Arbeiter, dies alles angeben konnen sie nicht. Sobald es 
sich um. Konkretes handelt, versagen sie. Noch nie hat man 
bis jetzt auch nur einen Versuch gemacht, auf der Karte die 
Grenzen zu zeigen, womit jede Macht zufrieden sein konnte. 
Es sind alles immer nur leere hohle Worte gewesen. Hohle 
Losungen, ohne wirkliche faktische Bedeutung. 

Die Kapitalisten, die kapitalistisehen Regierungen, mit 
Wilson, dem Prasidenten der Vereinigten Staaten, von Blut 
triefend, voran, sagen: das Recht. 






Aber weshalb hatte Deutschland mehr Recht auf Asien 
und Afrika als England? Warum die Vereinigten Staaten 
mehr Recht auf den Stillen Ozean als Deutschland? Wes- 
halb hat iiberhaupt einer von den drei ein Recht darauf? 
Die Befiirworter der Riistungsbeschrankung sollen dartun 
welches Recht es gebe. 

Die Regierungen, die Bourgeoisie, die Reformisten, von 
Blut triefend, sagen: der Trust, der staatliche Trust der 
Nationen. 

Gleichwie die Kapitalisten die okonomischen Trusts geformt. 
haben, gleichwie sie die Konkurrenz aufgegeben und sich zu 
Kartells zusammengeschlossen haben, so sollen und konnen 
auch England, Deutschland und die Vereinigten Staaten die 
Welt -verteilen, einen Trust bilden zu ihrer Ausbeutung. 

Der Vergleich mit den Trusts ist faisch. Es gibt einen 
Unterschied, der entscheidend ist, und der verhindert dass 
die Staaten "in absehbarer Zeit sich zur Ausbeutung der 
Welt als einen Trust verbinden. Der Unterschied ist dieser: 

Der Okonomische Trust handelt mit toten Dingen. Mit 
Geld und mit Rohstoffen, deren Kraffl einmal gegeben ist. 
Diese lasst sich leicht regeln und verwalten»aach international. 

Aber Staate sind lebende Gebilde, aus MenscJfaen bestehend. 
Und also, wie alles was lebt, sich entwicklend. Und so wiirde 
es geschehen, dass selbst wenn man, was schon unmoglich 
ist, eine Regelung und Verteilung getroffen hatte, die Alle 
befriedigte, nach kurzer Zeit die Verhaltnisse sich geandert 
hatten, die; okonomischen, die Kapitals-Krafte anders ge- 
wachsen waren, so dass der eine Herrscher machtiger ge- 
worden war als der andere, oder die Beherrschten die Kraft 
bekommen hatten aufzustehen, das Joch abzuschiitteln, und 
selbst Herrscher zu werden. Es wiirde also sofort wieder 
Kampfe geben. 

Nicht-lebende Dinge kann man in einen Trust vereinigen. 
Die jede nach Weltherrschaft ringenden Vdlker kann man 
das in absehbarer Zeit noch nicht. 

Die Bourgeois und die Regierungen, die deutsche, von 
Blut triefend, die Zehntausende von Seeleuten ermordet hat, 
voran, — sagen: das freie Meer. Wenn nur das Meer frei 
ist, werden die Kriege aufhoren. Aber in Friedenszeit war 
das Meer schon frei. Das hat aber den Krieg nicht verhindert.- 



26 



Die Kapitalisten und Regierungen, von Blut triefend, die 
den Krieg begannen aus Handels-Konkurrenz, wegen des 
hochsten Gewinns, — sagen: der Freihandel. Wenn es nur 
keine Vorzugszolle und Tarive mehr gibt, dann wird der 
Frieden kommen. 

Aber wie entsteht der Handel, in den primitiven Landern, 
in Zentral-Afrika ? Durch Gevvalt, durch Mord und Krieg. 
Wer soil den Mord begehen, wer die Waffen tragen? Deutsch- 
land oder England? Nur der Krieg entseheidet. 

Und der Handel gedeiht dort am besten, wo man die 
politische Macht hat. Also wenn auch die Lander fur Alle 
gleich offen stehen, so wird man doch um die politische 
Macht kampfen. i 

Aber der Handel ist nicht langer der Hauptzweck. Der 
Hauptzweck ist Kapitalexport, zur Bildung neuen Kapitals. 
Der Hauptzweck ist Bahn-, Hafen- und Fabrikanlage. Und 
wie bringt man das alles, wie bringt man Kapital in Asien 
und Afrika? Wie bringt man die Voraussetzungen der kapi- 
talistischen Produktion zu stande, die Enteignung, die Proleta- 
risierung der Eingeborenen ? Mittels Gewalt. Und wer soil diese 
Ehteignung zu stande bringen? England, Deutschland oder 
die Vereinigten Staaten? Die Gewalt entseheidet, der Krieg, 

Die zarten Pazifisten, die biirgerlichen und die sozialis- 
tischen, die eben durch ihren Pazifismus, womit sie die 
Arbeiter hypnotisierten, den Krieg mit verursachten, und 
die also auch triefen von Blut, — sagen: Die Kosteh eines 
neuen Weltkrieges sind zu gross, an Geld und an Menschen- 
leben. Aber die Milliarden fur die Eroberung Asiens und 
Afrika's verausgabt, und die Millionen Toten werden ihre 
Friichte bringen durch Milliarden Zins. Man wird vielleicht 
Jahre lang warten miissen, dann aber kommt. der Zins 
hundertfach. 

Italien, Rumanien, die Vereinigten Staaten sind ausserdem 
in diesen Krieg eingetreten, nachdem sie -wussten was er 
kosten wiirde. , 

Aber ist die Forderung der Einheit nicht lacherlich 
so lange die Interessen und die Kraftunterschiede noch so 
bedeutend? Wenn so viele Schwachen noch mit leichter 
JMiihe zerschmettert werden konnen? ' 

1st sie nicht lacherlich jetzt? 

Wenn England und die Vereinigten Staaten glauben, sie 



27 

Iconnen Alles bekommen, wozu sollen sie sich dann mit 
Deutschland verbinden? Wenn Deutschland gewinnt, wie 
sollte es nicht verharren in der Zuversicht mittels des Kriegs 
noch mehr erlangen zu konnen? Wenn das englische Welt- 
reich und die Vereinigten Staaten der fast unerschopflichen 
Quellen inne werden, die sie in sich haben und die sie 
noch entwickeln miissen, weshalb sollten sie sich wohl vor- 
zeitig mit andern verbinden, und ihre Beute, die viel grosser 
-werden kann, verringern? 

So s lange Deutschland glaubt dass sein Militarismus alles 
zerschmettern kann, weshalb sollte es wohl seine Macht mit 
den anderen Grossmachten teilenr 

So lange es noch solche riesenhafte Gebiete fur das Ka- 
pital zu erobern gibt wie China, Vorderasienj Niederlan- 
disch-Indien, Teile Mittel-Asiens und Afrika's, so lange noch 
so viele Schwachen zu zerschmettern, zu knechten sind, wird 
man der eignen Kraft vertrauen, und das eigene Imperium 
zum Gotzen machen. — 

Und wenn Dentschland England und die Vereinigten 
Staaten besiegt, dann werden diese wieder aufstehen. Und 
wenn England und die Vereinigten Staaten Deutschland 
besiegen, dann wird Deutschland dies nie ertragen, sondern 
sich wieder erheben. 



Die kapitalistischert Regierungen; die Bourgeoisie Englands, 
Deutschlands, und der Vereinigten Staaten, die Sozial- 
patrioten und die falschen Marxisten in alien Landern, die 
Mehrheit und die Minderheit in Deutschland, Frankreich, 
England, und Italien, alle grossen sozialistischen. Parteien 
in den Vereinigten Staaten, die grqssen sozialistischen Par- 
teien der Mehrheit und Minderheit in alien Landern der 
Welt, sie, die durch ihren Nationalismus den Krieg verur- 
sachten, und die eben versuchten % die Welt nur fur sich 
zu erobern, sie sagen : Man soil Staatenbiinde bilden, einen 
Staatenbund der Welt. 

Aber die Interessen Deutschlands, Englands, und der Ver- 
einigten Staaten, die alle die Weltherrschaft fur sich erstreben, 
widersetzen sich dem. 

Zwar wird man Staatenbiinde bilden, Deutschland mit 
Mittel-Europa, Deutschland mit dem europaischen Kontinent, 
England mit den Vereinigten Staaten, aber das wird ge- 
schehen zwecks einer um so kraftigeren Kriegfuhrung und 
einer um so kraftigeren Ausbeutung der Schwacheren. 



28 



Denn Deutschland will erst Europa beherrschen und dan'n 
die Welt. Und England und die Vereinigten Staaten wollen 
jetzt schon die Welt beherrschen. Und wenn es den Ver^ 
einigten Staaten und England nach ihrem Siege gelingen 
sollte, einen Weltbund der Volker zu errichten, so wiirden 
neue . Feindseligkeiten darin entstehen und der Bund wurde 
nach kurzer Zeit aus einander fallen. Denn der Bund ware 
nur fur den Vorteil dieser beider Staaten errichtet, und 
das wiirden die anderen auf die Dauer nicht ertragen. 

Die kapitalistischen Regierungen, die Bourgeoisie Englands,, 
und der Vereinigten Staaten, die falschen Sozialisten in alien ' 
Landern, die Mehrheits- und die Minderheitssozialisten in 
Frankreich, die Mehrheit und die Unabhangigen Deutsch- 
lands, die Labour Party und die pazifistischen Sozialisten in 
England, alle grossen sozialistischen Parteien der Vereinigten 
Staaten, sie die alle nur fur ihre Nation den Frieden bra- 
chen und die Menschheit ermordeten, sagen: man soil eine 
internationale Polizei bilden, aus alien Staaten, um denje- 
nigen^ Staat der den Frieden bricht, zu strafen. Und wenn 
ein Staat siindigt, sollen alle andere ihn strafen. Und ein 
oberstes Schiedsgericht soil entscheiden wenn einer siindigt. 

Etwas Lacherlicheres ist noch nicht in der Welt vorge- 
kommen. Denn es gibt kein sichereres kraftigcres Mittel 
um das Wettriisten zu fordern als dieses. Denn wie der 
Mensch, so ist der kapitalistische Staat siindhaft. purch 
Herrschsucht und Gewinnsucht. Das ist dem modernen Staate 
angeboren. Dazu ist er pradestiniert, nach dem Sundenfall 
des Privatbesitzes. Jeder Staat muss also furchten einmal 
zu siindigen. Dann»wird er aber von alien anderen ange- 
griffen. Und weil er das weiss, muss er sich gegen alle 
riisten. Und weil er das weis, muss er ein Heer und eine 
Flotte haben, die gegen alle aufzukommen im Stande sind. 

Aber alle wissen auch, dass das Interesse iiber ihr Urteil 
entscheidet. Sie wissen also alle, dass es moglich ist, dass 
ihr Urteil nicht wider, sondern fur den Sunder sein wird. 
Dass sie also vielleicht an der Seite des Sunders stehen 
werden, und ihn verteidigen, die anderen bekampfen werden; 
Dass sie dazu ein grosses, riesengrosses Heer, und eine 
enorme Flotte brauchen. 

Sie werden also weiter sich riisten und kampfen wie vor- 
her, nur mit noch etwas mehr Heuchelei, und unter dem 
Namen von Polizisten! 



I 









29 

Die betriigenden Kapitalisten und ihre offiziellen Regie- 
rungen, die Sozial-Patrioten und Pseudo-Marxist en aller Lan- 
der, die Mehrheits- und Minderheits-Soziaiisten in Frankreich, 
England, Deutschland, Italien und den Vereinigten Staaten, 
sie, die alle Lander, die Welt unterwerfen wollten und keiner 
einzigen Nation die Unabhangigkeit gonnten, sagen: das 
Selbstbestimmungsrecht der V6lker. Wenn nur jede Nationa- 
litat unabhangig ist oder sich nach freiem Willen anderen 
Nationalitaten anschliessen kann, dami wird eine Hauptursache 
des Krieges aufgehoben sein. 

Aber dieser Krieg und der Imperialismus zeigen, dass 
gerade das Umgekehrte der Fall ist, Denn wenn die klei- 
nen Nationen unabhangig sind, wie Belgien, Serbien, Mon- 
tenegro, Grieche'nland etc. oder selbststandig werden wie 
Polen, Esthland, Livland, Kurland, - Finland, dann werden 
sie eben zu Kampfobjekten der Grossmachte. 

Die russischen Revolutionaren haben zwar das Selbstbe- 
stimmungsrecht der Volker zu einer Grandlage der Revo- 
lution, zu einem ihrer Prinzipien, zu ihrem Hebel gemacht. 
Aber sie fiihrten zu gleicher Zeit den Sozialismus ein. Sie 
konnten ohne dies Mittel: Selbstbestimmungsrecht der Volker, 
die Revolution, den Sturz den Zarismus, die Errichtung des 
Sozialismus nicht durchfuhren, und hatten also das vollste 
Recht es zu gebrauchen. Und in iiberans glanzender, in 
vollkommener Weise haben sie das Selbstbestimmungsrecht 
zum Hebel der Revolution gemacht, Aber nachdem sie die 
Revolution durchgefiihrt hatten^ zeigte sich dass dies Mittel 
unter dem Imperialismus nicht Voraussetzung, sondern nur 
Folge des Sozialismus sein kann '). 

Denn erstens konnten sie selber das Selbstbestimmungs- 
recht der Volker nicht aufrecht erhalten. Sie meinten nur das 
Selbstbestimmungsrecht des Proletariats." Und zweitens, eben 
ihr Selbstbestimmungsrecht der Volker wurde von Deutsch- 
Jand — Oesterreich aufgegriffen um Polen, Litthauen, Esth- 
land zu annektieren, die Ukraine und Finland abhangig zu 
machen, und um Armenien wieder unter tiirkische Herr- 
schaft zu bringen. 

Und — denn man wurde sagen konnen, dass das Selbst- 



1) Beim Selbstbestimmungsrecht der Nationen muss man wohl unterscheiden 
awischen West- und Ost-Europa, den Staaten Asiens und den Kolonien. — 
£,s wiirde zu weit ftihren hierauf einzugehen. 



3° 



bestimmungsrecht das von Deutschland. gegeben wurde, nur 
ein Schein ist, — eben das Selbstbestimmungsrecht der 
Volker wird von England-Amerika aufgegriffen urn alle Natio- 
nen des Kontinents von Europa von einander geschieden, 
und den Kontinent Europa's schwach zu halten. 

Und diese Selbstandigkeit kann nog schlimmer sein fur 
die Volker, fur das Proletariat, als die Unterwerfung. 

Und dies ist wohl das echte Selbstbestimmungsrecht, 
dasselbe was viele dieser Volker wirklich verlangen. 

In grausamster Weise zeigt sich also, dass das Selbstbe- 
stimmungsrecht der Nationen unter dem Imperialismus nur 
Folge, nicht Voraussetzung des Sozialismus sein kann. 

Der Kapitalismus und besonders der Imperialismus kann 
die Nationalitaten-fragen nicht losen. Entweder er macht 
die Nationen selbststandig, aber dann wird die kleine Nation 
zum Kampfobjekt der grossen, und kampfen die kleinen 
unter einander, oder er unterwirft und annektiert sie. 

Deutschland folgt in Europa dem letzten Weg. Es sucht 
ganz Europa, alle Nationen sich zu unterwerfen, mit dem 
Zweck England zu bekriegen. England — Amerika gehen aufs 
erste aus. Sie suchen die Nationalitaten Europa's unabhangig 
zu machen um Europa schwach zu halten, die Nationen 
einander befehden, keine grosse Macht auf dem Kontinent 
entstehen zu lassen, um also selbst, wahrend Europa zer- 
splittert ist, die Weltherrschaft zu erlangen. 

Gelingt es Deutschland die Nationen Europa's zu einigen, 
dann gibt es einen neuen noch furchtbareren Weltkriegals 
diesen. Gelingt es Amerika — England die Nationen Europa's 
geschieden zu halten, dann gibt es fortwahrend neuen Hader, 
und endlich, wenn die europaischen Staaten , besonders 
Deutschland und Russland wieder machtiger werden, doch 
einen neuen furchterlichen Weltkrieg. 

Der Kapitalismus ist hier durch den Imperialismus in 
einer Sackgasse. Er kann die Nationen nicht selbstandig 
machen ohne sie zu Kampfobjekten zu machen, er kann 
sie nicht einigen ohne sie zu unterwerfen. Und in beiden 
Fallen, welches von beiden es auch tut, gibt es einen neuen 
Weltkrieg. ' 

Das Selbstbestimmungsrecht kann nur, vom Sozialismus 
gegeben werden. Es kann nur kommen, indem der Sozialis- 
mus entsteht, oder nachdem der Sozialismus entstanden ist. 

Die kapitalistischen Regierungen, die drei Raubtiere Eng- 



land, die Vereinigten Staaten, Deutschland, und mit ihnen 
ihre Knechte, die Sozial-patrioten und die Pseudo-Marxisten,. 
alle bis an die Zahne bewaffnet und triefend von Blut, — - 
sagen: Allmahlige Abriistung. Aber wie werden Deutsch- 
land, England und die Vexeinigtea Staaten abriisten kon- 
nen, wenn sie eipander bedrohen. Wis kann Deutschland 
abriisten, wie kann der Kontinent Earopa's abriisten, wenn 
die Vereinigten Staaten und England Afnka, Asien, Ame- 
rika und Australien beherrschen dadurch dass sie Europa 
machtlos gemacht haben. Das ware der Seibstiaord, die Ruin 
Europa's. 

Und wie. konnen die Vereinigten Staaten and England 
abriisten, wenn Deutschland vor den Times Indiens und 
China's steht, wenn es von den Hafen am Indischen und 
Stillen Ozean Besitz zu ergreifen drohjt Es ware fur 
das amerikanische und englische Kapital :sich selbst den 
Hals abschneiden, wenn es zuliess dass Deutschland dort 
herrschen wiirde. Sie mussen sich also aufs ausserste be- 
waffnen. 

Und wie konnen die drei Grossmachte abrfeten, wenn 
der Krieg nicht zu einem entschiedenen Ende kommt? 

Auf keinen Fall konnen sie abriisten. 



Neiri, es gibt keinen Ausweg aus den Imperialismus. Es 
gibt sogar aus diesem Kriege keinen Ausweg. 

Da wir in dieser Frage einer anderen Meinung sind als 
viele zu der aussersten Linken gehorenden Genossen, und 
diese Frage mit dem ganzen Problem der Erlosung der 
Arbeiter aus dem Imperialismus und dem Kriege eng zu- 
sammenhangt, wollen wie hier auch auf *dliese Frage etwas 
ausfiihrlicher eingehen. 

Viele Sozialisten geben als Friedensformei um dem Krieg 
ein Ende zu machen : Keine Annexionen, und keine Ent- 
schadigungen. 

Aber auch diese Bedingungen konnen nicht vom Prole- 
tariate der Welt gestellt werden. 

Denn die Erfiillung dieser Bedingungen wiirde den Zustand 
der kapitalistischen Welt lassen wie er ist, und also sofort 
neue Bewaffnungen und neue Kriege verursachen. Dafiir kann 
das Proletariat die Verantwortung nicht auf sich nehmen. 

Aber selbst als revolutionare Forderungen, als Forderungen 
welche die Arbeiterklasse nur stellt damit die Regierungen 
sie ablehnen, also um die Revolution zu entfachen, kon- 



32 

nen diese beide nicht gelten. Denn sobald eine Regierung 
in eine sehr schlechte Lage kommt, nimmt sie sie an, (wie 
Deutschland in 1917) stellt selbst diese Forderungen der 
Arbeiter, sagt zu den Arbeitern: seht, wir wollen dasselbe 
wie ihr, und bricht damit eine Kraft der Revolution. 

Keine Entschadigungen und keine Annexionen sind fur 
das Proletariat kein Ausweg aus diesem Kriege. 

So wenig wie aus dem Imperialismus, gibt es einen Ausweg 
aus diesem Kriege! 

Das ist eben das schreckliche der Situation, worin der 
Imperialismus die kapitalistische Gesellschaft gebracht hat. 
Nichts deutet besser den katastrophalen Charakter der Situ- 
ation an. 

Die kapitalistischen Nationen selbst kdnnen keinen wirklich 
versohnenden Frieden mehr machen, weder in diesem Kriege 
noch nachher. Sie miissen in diesem Kriege und nachher 
in immer gr5sserem Blutbade weiter gehen. 

Und das Proletariat kann unter dem Imperialismus weder 
den: imperialistischen Krieg, noch den imperialistischen 
Frieden wollen. Denn dieser und jeder imperialistische Krieg 
bedeutet neuen noch schrecklicheren Imperialismus, und 
jeder imperialistische Friede noch schrecklicheren neuen 
imperialistischen Krieg. 

Sowdhl aus diesem Kriege wie aus dem Imperialismus 
uberhaupt gibt es also firr das Proletariat nur einen Ausweg : 
die Umwalzung. 

Die kapitalistischen Regierungen Englands, Frankreictis 
und der Vereinigten Staaten, die Sozial-patrioten und Pseudo- 
marxisten aller Lander, die Mehrheits- und Minderheitssozia- 
listen Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens und der 
Vereinigten Staaten, sie, die alle ihre Macht wegwarfen und sie 
den Generalstaben gaben, die keinen einzigen wirklichen 
Versuch machten zum Frieden, die die ganze Verantwor- 
tung tragen fiir den Krieg und seine Dauer, die nur Diener wa- 
ren ihres Meisters, des Generalstabs, und die also, gleich wie 
dieser, triefen von Blut, — sie sagen : Die Demokratie. Wenn 
nur erst uberall, auch in Deutschland und Oesterreich-Ungarn 
die Demokratie erreicht ist, dann wird die Demokratie der Welt 
den Frieden geben. Aber die Geld-Republik Frankreich ist 
eine Demokratie, und das Weltbeherrschende England ist 
eine Demokratie, und die Vereinigten Staaten, das Land 
•der Trusts und Monopole, der bewafmeten Streikbrecher, 



:! 



M 



33 

■der Justizmorden auf die das Proletariat organisierenden und 
streikenden Arbeiter, ist auch eine Demokratie. Haben diese 
Demokratien den Krieg verhinct: vl'. Jsein, England hat durch 
seine Politik den Krieg entfacht, dadurch dass es unter 
Edward VII Deutschland einkreiste 3 und die Vereinigten 
Staaten haben eingegriffen sobald sie eiasahen dass es jetzt 
■am die Weltherrschaft ging. — Uod werden diese Demo- 
kratien jetzt Frieden machen, wens sie gesiegt haben, wenn 
Deutschland uud das zerstuckeite Euroza ihnen mit Krieg 
bedrohen, oder, wenn sie geschlag-es slid, wenn alle Na- 
tionen Europa's unter Deutschfend* Fijsrung ihnen noch 
weiter bedrohen? — Nein. * 

In dem Drang des Kapitals nach sossea, in dem Export 
des Kapitals sind absolutistische McstxcMen und demo- 
kratiscbe Republiken gleich. In Herrscisucat und Gewinn- 
-.sucht sind Deutschland, England xxc<i ciz Vereinigten Staaten 
gleich. 

Monarchic und Demokratie sind nnter dem Imperialismus 
die Hiillen der gleichen Bestrebungea : Expansion uber 
die Welt, Weltherrschaft, und Krieg am die Welt. Dasmo- 
narchische Fiirstentum und das demokratische Parlament 
•gehorchen beide der Expansion des Grosgkapitals und dem 
Willen der Monopolisten der grossen Banken. die beide 
zum Krieg fiihren, und Monarchic und Parlament sind beide 
nur willige, gleich wenig bedeutende Werkzeage geworden 
dieser beiden Machte, die durch Ihre Stelivertreter, die Re- 
gierungen und Generalstabe Monarches -and Parfamentenege- 
bieten was sie tun sollen. 

Monarchen und Parlamente sind rater dem Imperialismus 
-der grossen Banken und Monopole gaoz unbedentende Werk- 
zeuge geworden, die nur dann Macht haben, wenn sie mit 
diesen grossen Banken und Monopolen zasammen gehen. 

Man kann der Herrschsucht der grossen Banken und Mo- 
nopole nur ein Ende machen, wenn aiam in Demokratie und 
absolutistischer Monarchic den Imperialismus aufhebt, und 
so lange man das nicht tut, ist der Weltfrieden durch die 
Demokratie und durch die Monarchic unmdglich. 

Das beste Beispiel fiir die Wahrheit dieser Stellung sind 
wohl die Vereinigten Staaten, und ihr President Wilson, 
der Diener der Monopolisten und der Trusts, die, urn dife 
Weltherrschaft, das Monopol der Weltherrschaft zu bekom- 
:,men, ein Heer und eine Flotte schafTen, die sie in den Stand 



34 
setzen sollen in alien zukiinftigen Kriegen zu entscheiden. 

Dies sind alle die hauptsachlichsten Losungen, die die Re- 
gierungen, die Sozial-patrioten und die Pseudo-marxisten als 
Auswege fiir den Kapitalismus aus dem Imperialismus vor- 
bringen. Wir haben bewiesen, dass sie alle falsch sind. Dass 
sie alle keinen Augenblick der Untersuchung durch ein die 
Wahrheit suchendes Auge stand halten konnen. 

Dass es also theoretisch, fur die theoretische Untersuchung, 
keinen Ausweg fiir den Kapitalismus aus dem Imperialis- 
mus gibt. 

Aber das Proletariat soil horen, nicht auf die Theorie 
allein die wir hier aueinandersetzen, es hore nur auf die Wirk- 
lichkeit. Schon erzittert der Boden von neuen Kriegen, schon 
klaffen die neuen Briiche. Schon iiberdrohnen den Donner 
der Geschiitze die neuen Hader. 

Deutschland hat Polen und Belgien in seiner Macht, und 
ein Stuck Frankreichs. Und es hat schon Russland zerstiik- 
kelt, die Ukraina, den Kaukasus und Finnland besetzt, Liv- 
land, Esthland und Kurland annektiert, Gross- Russland zur 
Machtlosigkeit v»rdammt. Es unterwirft somit Europa. Und 
das tut nicht nur das monarchische Deutschland, das tut 
auch das demokratische, das sozialdemokratische sogar in 
seiner Mehrheit. Das konnen England- Vereinigte Staaten 
nicht ertragen. 1st das Weltfrieden? 1st das Abrustung? 
Das ist der sichere, der absolut sichere neue Krieg. 

Und die Vereinigten Staaten und England werden, wenn 
sie siegen, alle Volker Europa's.zur Selbststandigkeit zwin- 
gen. Sie haben es offen angekiindigt. Dass heisst, sie werden 
Europa zerstuckeln und den inneren Feindseligkeiten aus- 
liefern, dem inneren Hader in Deutschland, Oesterreich- 
Ungarn, Polen, dem Balkan, Russland. Und so werden sie 
die Alleinherrschaft der Welt erwerben. Das ist das Ziel 
ihres Heuchlers Lloyd George, und ihres Heuchlers Wilson. 
Und damit stimmen alle Parteien, nicht nur die konserva- 
tiven, sondern auch die demokratischen, sogar die sozialis- 
tischen in ihrer Mehrheit ein. Nie wird Europa das ertragen. 
Es wird sich unter Fuhrung Deutschlands dagegen erheben. 
Ist das Weltfriede, Weltschiedsgericht, Abrustung? Nein.es 
ist der absolut sichere neue Weltkrieg, die absolut sichere 
Reihe von neuen Weltkriegen. 



35 

Das Proletariat hore, hore nurauf die Wirklichkeit ringsum 
ihn herum. Es sehe nur nach den neuen Kriegsherden, die 
iiberall ringsum brennen. In Europa: Elsass-Lothringen, 
Polen, alle die Staaten des alten Russiands, Oesterreichs- 
Ungarns und des Balkans. In Asien, ganz Asien, ein jedes 
Land dieses Weltteils eine neue und Meibende Ursache 
neuer Weltkriege. In Afrika ganz Afrika. 

Der Imperialismus bleibt und das Wettrasten bleibt und 
der Krieg bleibt. 

Arbeiter! 

Bedenkt, dass die Regierungen, die SozM-Patrioten, und 
die falschen Marxisten dies alles schon sag-tea, ciese. falschen 
Mittel auch schon angaben vbr diesem KLriege. 

Bedenkt, Proletarier der Welt, die man jetzt wieder be- 
triigen will, und die man nach diesem Kriege ein neues 
Kompromiss, ein neues Biindniss scMlessea lassen will mit 
der Bourgeoisie, bedenkt, Arbeiter, dass die grcsssea Sozial- 
demokratischen Parteien auch auf ifaren Koagressea in Ko- 
penhagen und Basel gesprochen haben voa Weltfrieden und 
Weltabriistung. 

Und was hat das geholfen ? Nichts. Der Krieg ist ausge- 
brochen. 



Bedenkt, Arbeiter, Proletarier der Welt, class ebea durch 
diese Losungen : Weltfrieden, Abrustung a. s. w. die Bour- 
geoisie die Macht Liber die Arbeiterldasse bekommen hat. 

Denn durch diese Losungen schwuret I far, schwur die 
Arbeiterklasse die Revolution eben ab» 

Die Bourgeoisie verstand, als Ihr diese Losoagen annahmt, 
dass Ihr diese friedlichen Mittel annahmt, und dass Ihr also 
das einzige wirkliche Mittel, die Revolution gegen den Krieg, 
aufgabt. 

Sie wusste also, dass sie den Krieg machen konnte ohne 
dass ihr zum Aufstand kommen wiirdet. 

Und dadurch haben sie diesen Krieg gemacht. 

Diese Losungen': Weltfrieden, Abrustung, waren eben die 
Mittel zu diesem Kriege. 

Und wollt ihr jetzt, Arbeiter, wieder diese Losungen an- 
nehmen? 

Wollt ihr euch wieder von den Kapitalisten und ihren 



36 

Regierungen, von den Sozial-patrioten und den falschea 
Marxisten betriigen lassen? 

Der Zar von Russland und mit ihm alle Regierungen 
machten die Friedens-konferenzen, stifteten das Friedens- 
palast im Haag, und sagten dass sie ein Schiedsgericht grundea 
wollten — urn euch zu betriigen, Arbeiter. 

Eben mit diesem Scheine haben sie euch in den Krieg 
gelockt und gebracht. 
, Die sozialdemokratischen Parteien und ihre Fiihrer, die 
Reformisten und die falschen Marxisten sagten euch: Ihr 
sollt fur Weltfrieden und Abriistung kampfen. 

Eben damit haben sie euch in den Krieg gebracht, und 
von der Revolution im Juli und August 19 14 abgehalten. 
Denn ihr wart nicht vorbereitet auf die Revolution. Sie 
hatten euch alles nur von der Abriistung und dem Welt- 
frieden erhoffen lassen! 

Die Regierungen, die Kapitalisten, die Reformisten und 
falschen Radikalen haben euch eben mit diesen Losungen 
in diesen Krieg gejagt. 

Und wollt ihr jetzt wieder diese Losungen annehmen? 
Zweimal in dieselbe Falle gehen? 

Das ist unmoglich. 

Ihr wurdet damit selbst einen zweiten, einen dritten und 
vierten Weltkrieg verursachen. 

Die kapitalistischen Regierungen, die Sozial-patrioten und 
die falschen Radikalen, die rechte Fliigel und das Zentrum 
der Arbeiterparteien haben eben durch diese falschen Losun- 
gen den Krieg, die Schlachtung verlangert, und verlangern 
sie durch diese Losungen noch immer, jeden Tag. 

Denn sie stimmen fur die Kriegskredite oder halten euch ab 
von der Revolution, eben dadurch dass sie euch sagen dass 
durch ihr Zutun nach DIESEM Frieden der Weltfrieden komme, 
und die Abriistung, und der Weltvolkerbund. 

Darauf vertrauend denkt die arbeitende Masse und die 
kampfende Masse der Arbeiter: Lasst uns aushalten, denn 
wenn wir siegen, oder einen gunstigen Frieden schliessen, 
dann kommt der Weltfrieden gewiss. 

Eben dadurch, durch diese Hoffnung dauert das Blutbad am. 

Diese Hoffnung ist falsch, aber eben durch diese falsche 
Hoffnung dauert die Schlachtung unvermindert fort. 



37 

Und werdet ihr jetzt doch wieder wie vor dem Krieg auf 
diesen Losungen vertrauen? 

Jetzt durch diesen Krieg, nach diesem Kriege, sind diese 
Losungen noch falscher als vor dem Kriege. 

Denn eben dieser Krieg macht den Hass zwischen den 
Volkern noch grosser, spaltet sie noch mehr, macht ihre 
Interessen noch viel mehr entgegengesetzt und feindlich, und 
schafft, wie wir gezeigt haben, die neuen Ursachen der Kriege, 
die neuen Kriegsherde, noch viel grosser und zahlreicher. 

Die Kapitalmassen wachsen, der Expansionsdrang wird 
grosser, die Interessen an neuen Kriegen immer machtiger, 
in alien Teilen der Welt. Die neuen Weltkriege sind also 
viel sicherer als vor diesem 1 Kriege. 

Urid werdet ihr, Arbeiter, jetzt wieder, wie vor dem Kriege, 
euch betriigen lassen von den Regierungen und Kapitalisten, 
von den Sozial-Patrioten und Radikalen? 

Die kapitalistischen Regierungen, die Bourgeoisie, die 
Sozial-patrioten und die Pseudo-Marxisten, gaben euch das 
Trugbild des Weltfriedens. Eben dadurch kam der Krieg 
der Nationen, und, was noch schlimmer war, der Krieg aller 
Proletariate miteinander. Denn ihr wichet dadurch, iri der 
Zeit vor dem Weltkrieg, vor der Revolution zuriick. 

Sie gaben euch das Trugbild des Weltbundes aller Volker. 
Eben dadurch kam der Weltkrieg aller Volker. Eben dadurch 
kam, was noch schlimmer war, die Spaltung des Proletariats 
in nationale Teile. 

Und sollt ihr euch jetzt wieder davon triigen lassen? 

Wenn ihr das tut, dann kommt der neue Weltkrieg noch 
schrecklicher als dieser, die . neue Spaltung des Proletariats, 
und die ganzliche Verwiistung des Weltproletariats. 

Es gab, um dies alles zu verhiiten, vor dem Kriege nur 
ein Mittel : die proletarische Revolution. 

Es gibt um dies alles zu verhiiten nur ein Mittel : die 
proletarische Revolution. 



Arbeiter ! 

Der Kapitalismus der Welt hat sich in seiner Eroberung 
der Welt in zwei Riesengruppen organisiert. 

Er hat um sich die Welt zu erobern, alle seine Krafte, 



38 



39 



lebende und ,tote, der Natur und der Menschheit, in zwei 
Riesengruppen gesammelt. 

Um einander die Weltherrschaft zu entreissen kampfen 
diese beide Gruppen, diese Machte und werden kampfen. 

Und ihr, Arbeiter, werdet zwischen diesen beiden Machten, 
im Kampfe dieser beiden Machte, unterdriickt und zerschmet- 
tert, und werdet noch zermalmt und zerschmettert werden 
Jahire lang. 

Es gibt keinen Ausweg. 

Es gibt keinen Ausweg fur den Kapitalismus aus dem 
Imperialismus. 

Der Kapitalismus, der nur iebte von Kampf und Blut, 
jetzt gestiegen zum Kampfe zweier Gruppen aller Nationen 
um die ganze Welt, kann fur sich keinen Ausweg finden 
aus dem Blutbad, er erstickt in seinem eigenem Blute, im 
Blute seiner Sonne, seiner Nationen, in Eurem Blute, Arbeiter. 

Proletarier der Welt ! 

Es gibt auch fur euch keinen Ausweg aus dem Blute, 
aus dem Kriege, aus diesem Kriege des Imperialismus. Weder 
das Recht, noch das Freie Meer und der Freihandel, noch 
em Frieden ohne Annexionen und Entschadigung, noch ein 
Volkerbund der Welt, noch verpflichtetes Schiedsgericht, 
noch das Selbstbestimmungsrecht der Volker, noch die De- 
mokratie. 

Dies sind alles Liigen und Betrug um euch, Proletarier 
der Welt, um so fester an den Imperialismus zu Schmieden, 
oder den Imperialismus um so starker zu machen. 

Denn es gibt nur ein Recht, das Eure. 

Es gibt nur eine Freiheit, die Proletarische. 

E)s gibt nur einen Frieden, den Kommunismus. 

Proletarier der Welt ! 

Es gibt fur euch keinen kapitalistischen Ausweg aus dem 
Imperialismus ! 

Es gibt aber einen proletarischen. 
Ihr konnt den Imperialismus aufheben. 
Ihr konnt ihn aufheben, wenn ihr euch einigt zu einem 
.. Weltbund der Proletarier. Dann konnt ihr den ganzen Imr 
perialismus, den Imperialismus der Welt aufheben. 



,Die Revolution, die Weltrevolution gegen den Imperia- 
lismus, das ist der Ausweg aos dem Imperialismus und aus 
seinem Kriege. 

Aber der Imperialismus kasit nicht aufgehoben werden 
ohne dass der Kapitalismus' aufgehoben wird. 

Der Ausweg aus dem Imperialismus, Arbeiter, der einzige 
Ausweg fur euch, ist also die soziale Revolution. 

Und dass dies keine Prophezeihuag ist, sondern die Wahr- 
heit, die tatsachliche Wahrheit, dies beweist schon die rus- 
sische Revolution. 



¥: 



III. 



Die Ausfuhrbarkeit der Revolution. 



Der Sozialismus erhebt sich aus dem Meere des Blutes 
und der Luge, womit der Kapitalismus die Welt bedeckte, 
worin der Imperialismus den Kapitalismus begrabt. 

Aus dem Katnpfe des Gross-Kapitals um die Welt erhebt 
sich das Proletariat der Welt zum Kampfe gegen das ganze 
Gfoss-jKapital. 

Und das Weltproletariat siegt in diesem Kampfe gegen 
den Imperialisrmis, und griindet den Kommunismus. 

Die Grundlage unseres Daseins, — denn der Kommunismus 
ist die Grundlage unseres Daseins, des Daseins der, Mensch- 
heit, — die Grundlage worauf Millionen Jahre das Leben 
der Menschheit ruhte, — dehn die Zeit des Privatbesitzes 
ist nur ein Augenblick im Vergleich mit den Tausenden 
von Jahrhunderten des Kommunismus des Stammes, — die 
Grundlage des Daseins. der Menschheit wird neu geboren. 

Der Kommunismus, woraus alle Tugenden kommen, alles 
Gute was die Menschheit hat, alles Edle was in unseren 
Herzen wohnt, was in dem Herzen der Menschheit lebt, 
erhebt sich von neuem. 

Der Kommunismus wovon die grossten Philosophen, wie, 
Plato, traumten, — 

Der Kommunismus, der die Quelle und das Ziel war des 
Urchristentums, — 

Der Kommunismus, der fortlebte irii himmlischen Bilde 
des Christentums und aller hochsten Religionen, — 



i 



41 

Der Kommunismus wofiir in alien Zeiten des Privat- 
besitzes die niedrigsten unterdriickten Klassen kampften, — 
im ' Mittelalter und in der neueren Zeit, -— 

Der Kommunismus den unsere grossen Utopisten sich 
vorstellten, — 

Der Kommunismus wofiir unsere Kampfer in alien Landern 
fielen,, — 

Der Kommunismus den unser erste grosse Fiihrer, Marx, 
voraussah, verstand, wusste, und dessen Grund er legte, — •• 

Der Moderne Kommunismus der ganzen Welt, der ganzen 
Menschheit, der "auf der Wissenschaft, der bewussten Technik 
gegriindete, — wird geboren. 

Und wir, Seligen, sehen inn und kampfen fur inn. 

Schon lebt er in einem Lande, Russland. 

Und wie ein goldener Schein sehen wir iiber ganz Europa 
das Licht der Revolution iiberall aufleuchten, und das Licht 
des Weltkommunismus emporsteigen als das Licht der neuen 
Ewigkeit. 

Wenn das Proletariaat einig ist, wenn das Proletariat 
aller Volker sich sammelt und alle Imperialismen als einen 
Imperialismus bekampft, dann, nur dann wird es siegen. 

Einigt es sich nicht zu EINEM Ganzen, dann verschwindet 
wieder fiir eirtige Zeit das goldene Licht. 



Es ist jetzt unsere Aufgabe, als Theoretiker des Proleta- 
riats, mit klarem und ruhigem Auge die Moglichkeit der 
Weltrevolution fiir das Proletariat zu untersuchen und zu 
beweisen. 

Wenn ein Gott iiber das Los der Menschen waltete, wenn 
er das Los der Menschen nach einem Plane vorbestimmte 
und verwirklichte, so konnte er den Sieg des Sozialismus 
nicht besser vorbereitet haben. 

Der Kapitalismus selbst hat durch seinen Imperialismus. 
die Vorbedingungen zum Siege des Sozialismus geschaffen. 

Der Imperialismus ist die Fessel, die der Kapitalismus urn 
seine eigenen Produktivkrafte schlagt, und die jetzt ge- 
sprengt wird durch den Kapitalismus selbst, durch die Pro- 
duktivkrafte -des Kapitalismus selbst, damit sie sich ffes- 



und unendlich, in Ubereinstimmung mit ihrer unendlichen 
Macht entwicklen konnen. 
, Aber der Imperialismus kann nicht gesprengt werden ohne 
dass der x ~apitalismus aufgehoben wird. 

Der Kapitalismus hebt jetzt also sich selbst auf. 

Wie anders ist es gekommen, als unser grosser Meister Marx 
■gedacht hatte. Gleichwie er die Expansionskrafte des Kapi- 
tals, die zum Monopol und zum Imperialismus fiihren, unter- 
ischatzte, gleichwie er also die geistigen, sittlichen und stoff- 
lichen Krafte unterschatzte, die das Proletariat brauchen wiirde 
um den Kapitalismus zu stiirzen, so hat er auch die neuen 
Ursachen der Revolution nicht gesehen, nicht sehen kdnnen. 

Er glaubte, das Kapital wiirde in okonomische Krisen 
hineingeraten, und dann vom Proletariate gestiirzt werden. 

In der Tat stosst das Kapital in seiner Ausbreitung iiber die 
Erde auf politische Hindernisse '), die es nur uberwinden kann 
durch Vernichtung seiner eigenen Krafte in riesenhaftestem 
Maasse. Dies bringt dem Proletariate schreckliche Leiden, 
und treibt es also zur Umwalzung, zum Sturze des Kapitals. 

Alles, buchstablich Alles ist jetzt vorhanden, Was die Re- 
volution notwendig,- Vieles, unendlich Vieles, was sie aus- 
fuhrbar macht. " 

Menschen und Mittel, materielle und seelische Krafte zu 
ihrer Verwirklichung sind alle da. 

Die Not, diese erste und starkste, ja die eigentliche und 
einzige Urheberin aller Revolutionen, die Not der Millionen, 
der Masse, der Mehrheit der Volker ist da. 

Und nicht nur in einem kleinen Teile der Welt, sondern 
international. In alien Landern der Erde. 

Und die Leidenschaften sind da, durch den Krieg, durch 
die Not erzeugt. Der Schmerz, die Emporung, der Hass! 

Der Schmerz wegen der Verluste und der Verwiistungen, 
•die Emporung gegen die kapitalistischen Klassen und ihre 
Herrscher, die den Krieg yerursachten, der Hass gegen den 
Kapitalismus iiberhaupt. 

Die psychologischen, die menschlichen Faktoren sind also 
da, die die Revolution machen werden. Und sie werden noch 



i) Freilich durch okonomische Ursachen: durch die „Uberproduktion" an 
^Capital, und di; Dasein reicher Lander rait schwachen Bevolkerungen, die 
alle Staaten zu iusfuhr von Kapital, zur kolonialen Politik, zum Imperialis- 
anus zwingen, und sie so in Kriege hineinbringen. * ' 



43 



heftiger entbrennen. Denn dieser Prozess ist ein werdender, 
und je langer der Krieg dauert, desto mehr wird er wachsen. 

Und die materiellen Mittel sind da. Denn der Kapitalismus 
und der Imperialismus haben die Produktivkrafte zentrali- 
siert, haben die Giitererzeugung und die Giiterverteilung 
konzentriert und geregelt. 

Wunder iiber Wunder,, die stofflichen Produktivkrafte, 
die der Imperialismus selbst wahrend des Krieges geschaffen 
hat, es sind nicht mehr die Mittel des alten Kapitalismus, 
womit^man nur wieder einen kapitalistischen Staat aufbauen 
konnte. Es ist alsob ein Gott, ein Zauberer, sie ergriffen 
hatte, und sie aus kapitalistischen Mitteln umgezaubert hatte 
in ganz andere. 

Der Staat, der kapitalistische Staat, hat seine eigenen 
Mittel des Lebens, der Existenz, ja seine eigene Existenz, 
sein Wesen selbst ergriffen und umgeandert, und zu anderen 
Mitteln, zu Vorbereitungen eines anderen Wesens, einer. 
neuen Existenz gemacht. % 

Die Menschheit hat in ihrem Kampfe, durch ihren eigenen 
Kampf, den Keim einer neuen Gesellschaft geboren. 

Und nicht nur hat der kapitalistische Staat, der Impe- 
rialismus und der Krieg, fur das Proletariat die materiellen 
Bedingungen und die psychologischen Bedingungen fur den 
Sozialismus geschaffen, er hat auch die kapitalistischen 
Klassen geschwacht. Sie haben einander zerfleischt und ver- 
armt. Unendlich schwacher als zuvor, stehen sie jetzt dem 
Proletariate der Welt gegeniiber, konnen sie das Proletariat 
nicht mehr unter ihrer Herrschaft halten. Aber dem Prole- 
tariate der Welt hat der Imperialismus die Kriegswaffen 
in die Hande gegeben, womit es den Kapitalismus iiber- 
winden, ihn vernichten kann. Das ganze Proletariat der 
Welt steht bewaffnet da. 

Und eine Reihe von Volkern ist durch den Krieg annek- 
tiert, unterdriickt und der Freiheit beraubt, und kann nur 
von einem Siege des Proletariats ihre ganzliche Befreiung 
erwarten. Diese Volker werden die kapitalistischen Klassen 
noch mehr schwachen und das Proletariat starken. 

Und es hat sich wahrend des Krieges gezeigt in . wie 
kurzer Zeit die Grundlage 8 der Gesellschaft geandert wer- 
den kann. 

Und sogar die Macht worauf alle Kontra-Revolution hoffen 
musste, der Zarismus, ist gefallen. 



44 



Und mehr als alle andere Mittel, moralisch mehr, — ein- 
Beispiel ist dem Proletariate gegeben: Die russische Revo- 
lution. Und die ersten grossen revolutionaren Fiihrer sind 
dem Weltproletariate entstanden. 

Also die Mittel, die geistigen und die stofflichen, die Men- 
schen und die Dinge, sind da. 

Es ist jetzt unsere Aufgabe diese naher und im einzelnen 
zu untersuchen, und darzulegen, damit ,das internationale 
Proletariat sehe, dass die Revolution moglich ist. Damit das 
internationale Proletariat aus der Wahrheit die Krafte zur 
Revolution schopfe. 

Wenn wir jetzt von der Ausfuhrbarkeit der Revolution 
zu reden anfangen, dann muss zuerst bemerkt werden, dass 
wir hierbei keinen Unterschied machen zwischen Revolution 
wahrend und Revolution nach dem Kriege. 

Die Revolution- kann, und wird hochstwahrscheinlich, so 
gut wie sicher, kommen wahrend des Krieges, durch die 
Niederlage, durch die ftot, durch das endlose Blutbad wor- 
aus keine Rettung ist. Das revoiutionare Proletariat muss- 
sich in jedem Lande gegen die eigene Regierung wenden, 
und durch Revolution den sofortigen Frieden fordern und 
erzwingen. Zweitens muss es international sich verstandigen. 
Es muss dazu die neue Internationale griinden. 

Wenn die Vertreter des revolutionaren Proletariats aller 
Lander zusammen kommen, dann haben sie einen gemein- 
samen Aufruf an die Proletarier aller Lander zu richten, die 
Arbeit in den Munitionsfabriken niederzulegen '), und die 
Waffen gegen den aiisseren Feind nicht mehr zu gebrauchen. 

Dies wiirde ohne Zweifel die Revolution in alien Lan- 
dern bedeuten. 

Durch die steigende Not in alien Landern kann das Pro- 
letariat noch wahrend des Krieges zu dieser Revolution 
kommen. 

Die Revolution kann audi erst kommen nach dem Kriege. 

Fur unseren Zweck bleibt das aber dasselbe. Denn die 
Bedingungen fur die Revolution sind in alien Landern schon 
jetzt da. 



Und zweitens: wenn wir von der Revolution der Welt 
reden, dann muss bemerkt werden dass wir alle Lander der 



i) Dies ist in 191 7 von den „Zimmerwaldern" in Stockholm geschehen. 



Welt, doch an erster SteSe England und Deutschland im 
Auge haben, wo die materiefiea Bedingungen, die Produk- 
tivkrafte fur den Sozialismos gaaz reif sind. In den an- 
deren Landern wird die R=v:._:::r. gewiss auch ausbrechen 
und siegen, aber sicher ist es» cEass, wenn die Revolution in 
England und Deutschland asgt- sie In den anderen Landern , 
Europa's und Nord-Amerika's lecht siegen wird. 

Und drittens soil gesagt «a, dass wir weder iiber die 
Dauer der Revolution, noch uber seinen Charakter etwas 
voraussagen. Denn es ist mfgEdb, dass der Kampf wider 
Militarismus, Imperialismus and Srieg, der den Sozialismus 
bringen wird, Jahre lang danest, es ist moglich dass er 
schnell siegt. 

Wohl ist es sehr wahrscheuilicli, niass der Kampf sehr, sehr 
lange dauern wird, dann die Krafte der einander gegeniiber 
stehenden Klassen sind gewaltig 22c! die sie treibenden Krafte 
sind gewaltig. Aber auf seine Baser gefaen wir hier nicht 
ein und wir nennen den ganzea Kampf die Revolution. 

Und was den Charakter des Easifrfes betrifft, auch hier 
ist nichts mit absoluter GEWSSB£tr zm sagen. Marx ver- 
mutete, dass in England der Scg des Sozialismus ohne 
gewalttatige Mittel moglich ware. fled wer sallte nicht mit 
innigstem Feuer hoffen, dass es ubenall so seia kdnnte ! Wer 
sollte nicht hoffen, dass das ewige Heil der Menschen kame 
ohne Blutvergiessen. 

Aber in alien Landern, auch im Ersgia.sc ist das Prole- 
tariat bewaffnet und stehen die Klassea eiaaader bewaffnet 
gegeniiber. 

Also wahrscheinlich ist iiberali die bewaffsete gewalttatige 
Revolution '). 



1) Und doch, wenn das bewaffnete eagliscks Prielsiiat wolite, wenn es 
wie ein Mann aufstKnde zur Revolution, ware sis is. England moglich ohne 
Sangen schweren Kampf. Die englische Regiefsng ME mit txaditkmeUer Vor- 
aussicht und Sucht nach Komprotnissen alien jsSmijicksn Emwohiiem vom 
listen, alien Soldaten und Matrosen vom I9 ieD , ra«l aEea Fraaea vom 3osten 
Lebensjahre an das Stimmrecht gegeben. IHe-lefzte, den Franen tmgerechte 
Massnahme konnte noch leicht geandert weto, sail dann stunde einer 

WIRKLICH REVOLUTIONAREN SOZIALISTKCHES EKGIJSCHES PAX.TEI der Weg 

offen um das gewaltig zahlreiche englische Proletariat anf ein revolutkmares 
Programm zu einigen, die Masse des Klein-bfirgemtms zts. gewinnen, und, da 
die Bauern wenig Macht haben, (vor vielen Jahren schon war nur ein Zehntel 
der englischen Bevolkerung in der Landwirtschaft tatig), die kapitalistischen 
Klassen ohne langen schweren Kampf zu hesiegen. In England, wo man nicht 
auf Theorie, sondern nur auf der Praxis halt, and wo die Lage jetzt gahz 
-auf den Sozialismus, als die einzige praktiscbe tosung der sozialen Fragea 



46 

Wir sprechen also van Revolution in allgemeinstem Sinne r 
und begreifen darunter sowohl die friedliche als die gewalt- 
tatige Revolution, sowohl die lang andauernde als die kurze, 
sowohl die wahrend des Krieges, als die nach dem Frieden. 

Gehen wir jetzt nach dieser Voraussetzung zur Unter- 
suchung der Ausfiihrbarkeit der Revolution iiber. 

Der Kapitalismus ist, um den Krieg fiihren zu konnen, 
gezwungen worden, die Welt-Produktioh und ihre Distribu- 
tion zu regeln. 

Er hat die Industrie, die Bergwerke, die Landwirtschaft, die 
Eisenbahnen, die Schifffahrt, die Banken, entweder an sich 
gerissen oder unter seine Herrschaft gebracht. Er hat die 
Verteilung der notwendigsten Lebensmittel und sehr vieler 
Rohstoffe in seine Hande genommen. 

'In alien kriegfuhrenden Staaten, aber auch in den noch 
iieutralen Landern Europa's und Nord-Amerika's, teilweise 
selbst in Asien, Atrika, Siid-Amerika und Australien. 

Was man fur unmoglich hielt, was die Kapitalisten und 
die reformistischen Sozial-demokrateu fur unmoglich hielten, 
eine einheitliche, zentraiistische Regelung der Giitererzeugung 
und der Giiterverteilung im kapitalistischen Staate, sie sind da. 

ElNE FESTE ' REGELUNG DES GROSSTEN TEILS DES GE- 
SELLSCHAFTL1CHEN WIRTSCHAFTSLKfcEN 1ST DA. 

Die Not, die eherne Nofwendigkeit, hat in drei Jahren, 
der Krieg hat durch die Not in drei Jahren vollbracht, wozu 
es im Frieden vielleicht noch ein halbes Jahrhundert gebraucht 
hatte: die gesellschaftliche Regelung der Arbeit. 

Der Sozialismus aber beruht auf der gesellschaftlichen 
Regelung der "Arbeit, der Produktion und der Distribution. 

Die grundlage fur den sozialismus ist also da. 

Der Kapitalismus in seiner hochsten Entwicklung, der Im- 
perialismus, der Kampf um die Weltmacht, hat das Funda- 
ment fiir den Sozialismus: die zentrale Regelung der Welt- 
produktion und der Weltdistribution, gelegt. 



hinvveist, wo Produktion und Distribution so technisch glanzend, zentralistisch 
geregelt ist, und wo man sogar zur Bodenverteilung ge>chntten isi. haiigt 
jetzt alles v«>n einer wirklich revoluiioniiren Fartei, sei sie auch klein, von 
ihrem Programm, und von threr Fuhrung ab, — Dies letzte ist, aber in 
anderer \\ eise, in Deutschland, in den Vereinigten Staa'.cn, ja in alien 
kapitalistisch entwickelten Landern der Fall. — Es offnet sich der Jugend 
eine Welt, wie noch nie seit dem Bestehen des Menschengeschlechts. 



■ 



I 



1 I 



47 

Das Proletariat findet plotzlich vor, was es erst in Jahr- 
zehnten erwartete: die materiellen Mittel um den Sozialis- 
mus zu griinden und a,ufzubauen. 

Aber in dieser Beziehung ist noch mehr da. 

Es gab vor dem Kriege in alien Landern noch unendlich 
viele grosseri und kleinen^ Betriebe, die noch nicht zusammen 
arbeiteten. Aber wahrend des Krieges sind eine ubergrosse 
Zahl von ihnen, entweder freiwillig oder vom Staate gezwungen,.. 
zur Kaftellierung und Trustifizierung iibergegangen. Beson- 
ders in Deutschland, aber auch in England und in den anderen 
Staaten. 

Das Proletariat muss also zugreifen, und diese Mittel er- 
halten. Es muss nicht zulassen, dass diese Mittel, die gesell- 
schaftliche Beherrschung der Industrie, des Handels, der 
Landwirtschaft, des Transportes, und der Banken der Welt,, 
die gesellschaftliche Regelung der Giitererzeugung und Giiter- 
verteilung der- Welt, wieder Sachen des kapitalistischen Pri- 
vatbesitzes, der kapitalistischen Unordnung und Anarchie 
werden. 

Es muss sagen: Produktion und Distribution sind Sache 
der Gemeinschaft der Welt, und sie bleiben es. 

Aber die Produktion und die Distribution sind im Kriege 
wohl vom Staate geregelt, unter die Herrschaft des Staates 
gekommen, die Produktionsmittel ab,er und die Distributions- 
mittel sind nicht das Eigentum des Staates. Sie gehoren 
noch den Privat-Kapitalisten. 

In den Handen der Herrschenden, der kapitalistischen,. 
der imperialistischen Klassen aber ist der Staat ein Mittel 
zur Unterdriicking, zur Beherrschung und Ausbeutung der Ar- 
beiter, auch wenn er die Distribution und Produktion regelt. 

Denn er regelt die Produktion doch fiir die Kapitalisten. 
Ihnen bleiben die Profite. Und er lasst bei der Distribution 
den LSwenanteil der Produkte den Kapitalisten. Der Arbeiter 
bekommt sehr wenig bei der Distribution. 

Also hier soil eine Wandlung geschaffen werden. Die Prole- 
tarier der Welt, an erster Stelle die Proletarier Englands 
und Deutschlands, sollen dafiir sorgen dass die staatliche Pro- 
duktion und Distribution anders geregelt wird. Dass sie 
gleichmassig werden. Von Allen fiir Alle im selben Maasse. 

Und wie sollen sie dies anders tun als dadurch, dass sie 
das Privat-Eigentum an den Produktionsmitteln aufheben 
und an den Staat bringen? Und wie konnen sie dies be- 



wirken, als indem sie den Staat an sich reissen und selbst 
Herrscher werden des Staates ? 

Wie anders als dadurch, dass sie die , politische Macht 
erobern und die Diktatur des Proletariats griinden? 

Dass sie die alte Staatsmacht zerstoren und an ihre Stelle 
eine neue, die proletarische Staatsmacht stellen ? ') 

Dass sie die Diktatur des kapitalistischen Staates, des 
Imperialismus im Weltkriege in die Diktatur des Proletariats 
verwandeln ? ■ 

Dass auch dies moglich ist, werden wir spater zeigen. 

Aber jedenfalls: die Grundlage, die materielle Grundlage 
fiir die neue Gesellschaft ist da. . 

Der Kapitalismus, der Imperialismus, hat die Produktion und 
die Verteilung gesellschaftlich geregelt iiber die ganze Erde. 

Damit ist der Beweis erbracht, dass eine sozialistische Welt- 
Gesellschaft bestehen kann. 

Wir haben also gezeigt, dass die materiellen Bedingungen 
fik den Sozialismus dasind. 

An zweiter Stelle haben wir jetzt zu beweisen, dass das 
Proletariat den Staat erobern muss, aus personlichen, aus 
menschlichen, aus psychologischen Griinden. 

Der Kapitalismus hat in diesem Kriege seine eigenen Pro- 
duktivkrafte zu Grunde gerichtet. 

Millionen und Millionen von Arbeitern, Kleinbiirgern und 
Bauern sind getotet, Millionen zu Kriippeln geschossen. 

Wittwen und Waisen bevolkern die Staaten. Unermess- 
liches Elend erfiillt die Lander. 

Gewaltige Kapitalien sind verniphtet. Waaren sind nicht 
■oder nicht nennenswert produziert. Es mangelt an Roh- 
stoffen. Die Maschinen sind abgeniitzt oder. unbrauchbar 
geworden. Die ganze Industrie ist auf den Krieg eingerichtet. 
Die Transport-mittel sind in schlechtem Zustande. Ganze 
Flotten ruhen auf dem Meeresgrund. 

Die Aecker sind nicht oder schlecht bestellt, sie bringen 
weniger auf als vor dem Kriege. Der Diinger fehlt, und das 
Vieh ist geringer an Zahl und besonders an Kraften. 

Die Weltproduktion an Lebensmitteln ist ungeniigend, 



i) Um diesen dann spSter allmahlig mit def Vervollkommnung des Sozia- 
Jismus nnd Kommunismus verscbwitiden zu lassen. ' 



■ 




49 

oorlog. De staat kan de schulden annulleeren. Maar dan is 
de privaatkapitalist gerui'neerd. Hij kan ze probeeren te 
betalen. Maar dan wordt de bevolking tot op het merg 
uitgezogen. In elk van beide gevallen dreigt de arbeiders- 
klasse de ondergang. 

Een economische en financieele krisis nadert, oneindig 
gjrooter dan er ooit was. En over de geheele wereld. De 
agemeene armoede zal voortduren. 

Wanneer de millioenen, de twintig tot dertig millioen 
soldaten uit den oorlog terugkeeren, hoe zullen zij werk 
vinden? Terwijl de grondstoffen ontbreken, de machines ver- 
sleten, of de fabrieken op den oorlog ingericht zijn ? 

Er zal een strijd om de grondstoffen ontstaan, een econo- 
mische oorlog na den oorlog met de wapenen, maar in geen 
geval zullen er voorloopig genoeg grondstoffen zijn. De 
prijzen zullen voor het Proletariaat onbereikbaar blijven. 

Het Proletariaat zal getroffen worden door werkeloosheid, 
ellende, armoede en honger. 

En niet slechts het Proletariaat, maar ook de kleine bur- 
gers en boeren. 

En bovendien, en behalve dit alles, komt het 
NIEUWE imperalisme, zooaes wij aangetoond hebben, 

MET NIEUWE TOERUSTINGEN, NIEUWE EISCHEN. 

En bovendien dreigt, niet in de verre toekomst, maar in 
de onmiddelijke nabijheid, een nieuwe wereldoorlog, nieuwe 
-wereldoorlogen, als gevolg van dezen eersten. 

De psychische, de geestelijke voorwaarden voor de Revo- 
lutie, de wereldrevolutie, zijn dus evenzeer aanwezig als 
de materieele. 

Maar, zal men zeggen, juist de algemeene armoede, het 
ontbreken van grondstoffen en machines en kapitaal, zijn 
een hindernis, en niet een voorwaarde voor het Socialisme. 

Men was toch immers altijd van meening, dat het Socia- 
lisme slechts kon voortkomen uit den rijkdom. 

Dit is slechts een schijnbare weerlegging. 
_ Want ook de kapitalistische klasse moet uit deze armoede, 
uit deze bouwvallen een nieuwe maatschappij opbouwen. Zij 
moet probeeren een nieuwe kapitalistische maatschappij 
te stichten met dezelfde, door den . oorlog , schaarsch ge- 
worden middelen, als waarmee het Proletariaat een socia- 
listische maatschappij grondvesten moet. 
. Kapitaal en arbeid staan beide voor dezelfde ruines, en 

.4 



5° 



moeten beide hiermee en Meruit een nieuwe maatschappij 

oprichten. , , . , , 

Wanneer de verwoesting geen beletsel is voor de kapi- 

talisten, dan kan zij het ook niet voor het Proletariat zijn. 
De vraag is maar, wie het beste in staat is een nieuwe 

maatschappij op te bo u wen. 

En dan is het antwoord: het Proletanaat kan nu veel 

beter, veel sneller, een socialistische maatschappij stichten 

dan net Kapitaal een kapitalistische. 

Hoe zal het Kapitaal zich probeeren te redden, hoe zal 
het de moeilijkheden -overwinnert, hoe, op welke wijze, door 
welke maatregelen zal het de nieuwe kapitalististische maat- 
schappij vestigen? .. 

Het moet tegelijkertijd een nieuwe maatschappij stichten, 
dat wil zeggen de oude weer oprichten, en nieuwe meer- 
waarde scheppen. Het moet nieuwe meerwaarde scheppen, 
grooter dan zijn onproductieve ui'tgaven. 

Het moet terzelfder tijd millioenen en milhoenen nog 
niet ontslagen soldaten onderhouden, millioenen arbeiders 
werk en loon geven, millioenen werkeloozen voeden, mil- 
lioenen verminkten, millioenen weduwen en weezen onder- 
steunen, millioenen verarmde kleine burgers en arme boeren 

G En terzelfder tijd moet het enorme schulden betalen. 
En terzelfder tijd nieuwe toerustingen en nieuwe oorlogen 
voorbereiden '. 

Het vestigen der nieuwe maatschappij, en het weder- 
oprichten der verwoeste, — . 

Het scheppen van nieuwe winst, grooter dan de verhezen,--- 
De hulp, de werkelijk afdoende hulp aan al deze mil- 
lioenen arbeiders, werkeloozen, verarmden en ongelukkigen,— 
Het betalen van de renten der schulden, — 
De nieuwe toerustingen voor imperiahstische militaire doeK , 
einden, voor nieuwe, noodzakelijke oorlogen, — 

Dit alles ter zelfder tijd, — •<.,,_ 

Dat is voor het Kapitaal onmogelijk. Het Kapitaal kan 

na den vrede dit alles niet tegelijk doen. Het kan de 

milliarden en milliarden die daarvoor noodig zijn, met op- 

brengen. 

Waarom niet? , t . 

Omdat het Kapitaal het Kapitaal helpen en ontzien moet. 



5i 

Omdat het de milliarden. en milliarden niet van zich zelf 
kan afnemen, niet zichzelf onteigenen kan, noch wil. 

Omdat het de productie niet voor het welzijn van alien, 
maar alleen voor de meerwaarde van enkelea kan inrichten. 
Omdat het de productie niet door de arbeidsplich't aller 
menschen, en door de concentreering aller arbeidsmiddelen 
tot de hoogste macht kan verhoogen. Omdat het ze alleen 
maar voor de machtigsten regelen moet. 

Het kan de fabrieken en productiemiddelen miet onteigenen 
om de hoogste produktie te bereiken. Het kan het Kapitaal, 
den rijkdom.niet onteigenen, om alle armen. en weridoozen 
en hongerigen te helpen. 

Het kan zijn schulden niet annulleeren, om de renten op 
ie heffen. 

Het kan zichzelf niet zulke zware belastingen opleggen, 
als nu noodig zou zijn. 

Het kan de oorlogstoerustingen .niet opgeven, ea feet 
hierdoor vrijwordende kapitaal voor de productieve arbeid 
gebruiken. 

Het kan niet eens de weelde ophefifen, om ten minste dit 
kapitaal vrij te maken. 

Het Kapitaal kan dit niet, juist omdat het' door meer- 
waarde voortgebracht, en meerwaarde voortbrengende meer- 
waarde is, omdat het voor de meerwaarde, dat wil zeggen 
voor zich zelf zorgen moet. ; f 

Het kan zich zelf, het kan zijn levende productiekracMcB 
nu niet op voldoende, voor den nood voldoende wijze weer 
oprichten, omdat het zich zelf is. • 

Het kan zich zelf. niet weer oprichten, niet nieuw grand- 
vesten, omdat het zich zelf is. ! - ' * 



Het blijkt dus dat het kapitaal in een krisis geraakt is, 
waaru'it het zich niet meer bevrijden kan. 

Het blijkt, dat de vernietiging van zijn eigen levende en 
doode productiekrachten door den oorlog tot een krisis ge- 
wOrden is uit welke slechts de Revolutie voortkomen kam, 
waaruit slechts de Revolutie de productiekrachten nieuw op- 
richten kan. - , 

Het blijkt, dat het Imperialisme de boei is, die het Kapitaal 
zijn productiekrachten aanlegt, en waarvan het zich zelf niet 
bevrijden, 1 die het zelf niet verbreken kan. 

Uit welke het Proletariaat het bevrijden moet. 



S 2 

Zeker, het Kapitalisme zal probeeren zich te bevrijden. 
Het zal ondanks alle moeilijkheden probeeren verder te leveri. 
Het zal probeeren uit de puinhoopen van den oorlog een 
nieuwe kapitalistische maatschappij op te bouwen. Het zal 
probeeren ZICH TE REDDEN. 

Een oude maatschappij vorm gaat niet ten onder zonder 
de uiterste pogingen tot zelfbehoud. 

Maar op welke wijze zal het dit probeeren? 

Op een voor het Proletariaat absoluut onvoldoende wijze. 

Er is slechts eene wijze, de traditioneele, de van oudsher 
gebruikelijke voor het Kapitaal. Door de sterkere uitbuiting, 
onderwerping, slavernij van het Proletariaat. 

DOOR HET UITPERSEN VAN ENORME MEER- 
WAARDE UIT HET PROLETARIAAT. 

Tot het oprichten der nieuwe Maatschappij uit de ru'ines 
der oude, — 

Tot het scheppen der nieuwe winst, grooter dan de ver- 
liezen, — 

Tot de hulp aan de millioenen werkloozen, verminkten, 
weduwen en weezen, — 

Tot de nieuwe belastingen en de renten der schulden, — 

Tot de nieuwe toerustingen, voor nieuw Imperialisme en 
nieuwen oorlog, — 

Tot dit alles bestaat er slechts een middel : Nieuwe Meer- 
waarde. Nieuwe Meerwaarde in ongehoorde, in oneindige 
hoeveelheid. 

Jylaar Nieuwe Meerwaarde kan 'alleen uit het Proletariaat 
geperst. 

Men zal de arbeiders, die werk krijgen, laten werken als 
nog nooife te voren l ). t 

, Men zal den millioenen arbeiders niet voldoende loon geven.- 

Men zal de millioenen werkeloozen niet voldoende voeden. 

Men zal den millioenen soldaten, die voorloopig nog in 
dienst blijven, niet genoeg soldij geven, om zich en hunne 
gezinnen te onderhouden. 

Men zal de millioenen geruineerde kleine burgers en boeren, 
de millioenen verminkten, weduwen en weezen niet vol- 
doende helpen. 

En men zal het Proletariaat, den kleinen burgers en boeren, 
belastingen opleggen zooals nog nooit te voren. 



I 



53 

Welk middel heeft het Kapitalisme hiertoe ? 

Den Staat. 

De Staat zal het Proletariaat, de arme boeren en kleine 
burgers, en weduwen en weezen, en verminkten DWINGEN 
in ellende en arrnoede te leven. 

Hij zal probeeren een deel der arbeiders te koopen, een 
deel der arbeiders beter'te behandelen, de arbeiders dus 
onderling te verdeelen. 

Hij zal de productie regelen in het belang van het Kapitaal. 
Hij zal de burgerlijke dienstplicht in stand houden; Hij zal 
de fabrieken en werkplaatsen onder staatsbescherming stellen. 
Hij zal de arbeiders tot staatsarbeiders, tot industriesoldaten 
maken. Hij zal ze tot slaven maken der ondernemersbon- 
den, der syndicaten, en trusts. Hij zal een staatssocialisme 
invoeren, dat de arbeiders volkomen tot slaven maakt 1 ).- 

De staat zal de allersterkste uitbuiting mogelijk maken, 
doordat hij het staken onmogelijk maakt. 

En welk middel heeft hij om dit alles door te zetten ? 

Het leger. ^ 

Hij heeft het leger, hetzelfde. leger, dezelfde legers die . 
nu voor het Kapitaal strijd voeren, om imperialistische ver- 
overingen te maken; het Duitsche, het Engelsche, het Ame- 
rikaansche leger. Hetzelfde leger, dezelfde legers, waar- 
onder de arbeiders zich in 1914 schaarden, om elkander. 
ten bate van het Kapitaal te vermoorden. Dit zelfde leger, 
deze zelfde legers, (maar nu waarscMjmlijk een elite, samen- 
gesteld uit bourgeois en boeren,) zullen de kapitalisten nu 
gebruiken om na den oorlog de arbeiders totaal tot slaven 
te maken, en de nieuwe kapitalistische maatschappij op te 
bouwen. 

Bij iedere ekonomische, bij iedere politieke staking," bij 
iederen opstand, zullen de legers optreden, en met de 
kanonnen en geweren, die de arbeiders zelve in den oorlog 
maakten, gebruikten en vero¥erdea, de arbeiders dwingen. 

En dat zullen dezelfde legeraanvoerders doen, die den 



1) Door het Taylor-systeem bijv. 



1) Onder de Staatssocialistische " Maatsekagpij -serstaat men de Maatschappij, 
waarin de Staat vele bedrijven voor de Kapitalisten beheerscht, regelt en 
controleevt, en in vele of alle andere »bedrfpFeEt de Kapitalisten door wetten 
en vooischrifteh tegen de Arbeiders onderstecitt. « 

Het onderscheid tusschen het Staatssoci-alisiae en het proletarische Socialisme 
is dus, dat het eerste de Kapitalisten almachiig ea de Arbeiders tot slaven 
maakt, en dat het tweede de Arbeiders almaciitig maakt en de geheele Mensch- 
heid bevrijdt. 



54 

oorlog voerden tegen den buitenlandschen vijand: de Hinden- 
burgs, de Fochs, de Haigs, de Perkins' *). 

In een woord : het Kapitaal, de kapitalistische heerschers 
zullen het Kapitaal probeeren te redden, daardoor, dat zij 
den staat en het leger gebruiken tot het maken van de 
grootst mogelijke meerwaarde voor zich, door de vreese- 
lijkste onderdrukking, en den vreeselijksten nood van het 
Proletariaat. 

Op die manier alleen is het mogelijk dat het Kapitaal zich 
redt, en een nieuwe kapitalistische maatschappij vestigt. 

Maar het Proletariaat, de arbeiders en de .werkeloozen, 
de verminkten, de kleine burgers en boeren, de weduwen 
en weezen kunnen dit niet toelaten. 

Zij moeten zieh verheffen, opstaan tegen deze wijze. . 

En daar er voor het Kapitaal geen andere wijze is, moeten 
zij opstaan tegen het Kapitaal zelf. 

En daar er voor het Kapitaal geen ander middel is dan 
de. staat, moeten zij opstaan tegen den staat. 

Zij moeten de revolutie maken tot ophefHng van den staat, 
en van het Kapitaal. 

De strijd tegen het Imperialisme is werkelijk geworden tot 
den strijd voor het Socialisme, tot de Sociale Revolutie. 

Maar kan het Proletariaat datgene doen, wat het Kapitaal 
niet kan ? Kan het dit, kan het dit beter en vlugger ? Kan 
het al de millioenen arbeiders loon geven, en helpen? Kan 
het terzelfder tijd zich zelf en de geheele. bevolking, en de 
geheele menschheid helpen ? Kan het datgene wat het Kapi- 
taal niet kan ? 

Ja, het kan het. 

Het kan het, omdat de vele hindernissen, die er zijn 
voor het Kapitaal, voor de kapitalistische Masse, voor het 
Proletariaat niet bestaan. 

Weliswaar is het ook voor het Proletariaat een zeer 
moeilijke taak, om uit een zoodanige verwoesting, uit zulke 
eindelooze puinhoopen een nieuwe maatschappij op te bou- 
wen. Het proletariaat komt als het ware in een failliete zaak. 



i) Dit is het wat Hindenburg eigenlijk meende, toen hij in een proclamatie 
tot de arbeiders zeide: „Denkt niet aan datgene, wat na den oorlog komt". 
Hij wilde zeggen: „Wacut zoolang met denken, tot ik de handen vrij heb 
om u te bestrijden". 



i : . 



55 . 

Maar het Proletariaat kan het toch veel beter en vlugger 
dan het Kapitaal. 

Want het behoeft het Kapitaal niet te sparen. Den voor- 
handen rijkdom, de voorhanden produetiemiddelen, kan het 
gebruiken voor alien, voor de geheele menschheid. 

Want het kan ten eerste de productiekrachten onteigenen, 
en, terwijl het industrie, handel, transport, banken, en land- 
bouw zelf in handen neemt, deze, door een kolossale, alles- 
omvattende, centraliseerende regeling, oxdenen. Daardoor zal 
het reeds veel meer arbeid uitsparea, veel meer arbeids- 
verspilling voorkomen, en aan veel meer arbeiders werk 
verschaffen dan het Kapitaal zou kiinnea. Terwijl dit zou 
zorgen 'voor het voordeeL van enfeeie groepen, keizers, 
koningen, bankiers, industrieeelen, reeders, jankers era., en 
dus gedwongen zou zijn, daardoor aleec reeds, slechts -een 
deel van den arbeid te regelen, em te bevoordeekxi, en das 
den GEHEELEN arbeid en de geheele laassa dcr xaenschen 
verwaarloosde, zal het Proletariaat zorgea vcwr den ge- 
heelen Arbeid, en voor alien. 

Het .Proletariaat zal ook geea eemoimsdien oorlog te 
voeren hebben. Het zal das den bzadd., iiet transport, den 
ruil internationaal kunnen regelea, wat lies Kapitaal niet 
kan. Ook daardoor zal het veel procacttever werken. Het 
Proletariaat zal zelfs dea arbeM jslerBalaonaai regelen, 
organiseeren en centraliseerea. 

Het Proletariaat zal de venuogeas oateigeaen, en zoo de 
middelen vinden om millioenea Tferksloozen, -geru'ineerden, 
verminkten, weduwen en weezes aaiciience te helpen, en 
om de industrie, het transport* cess handel, het krediet, 
overeind te helpen, te her=:o".-j-. -t- ~t vergrooten. 

Het Proletariaat zal gees. bela^iEgea te betalen hebben, 
omdat het de schulden zal assdlesrea. t 

Het Proletariaat zal niets voor aieiiwe oorlostoerustingen, 
of voor nieuwe oorlogen te gebr_:"-:=r. of mtte geven hebben. 

Het Proletariaat zal gees ciigaven te maken hebben 
voor weelde. 

Het Proletariaat zal, inpiaats van het staatssocialisme, dat 
slechts den monopolistem dieat, het werkelijke Socialisme 
ihvoeren, dat alien ten goeiie k&mt. 

Het Proletariaat zal, door eea planmatige regeling der 
geheele productie en distribatie, en doordat het slechts het 
noodzakelijkste voortbrengt, en de algemeene arbeidsplicht 
invoert, de productie geweidig verhoogen. 



56 



Het zal dus in veel korter tijd veel beter een nieuwe 
maatschappij stichten, dan het Kapitalisme het zou kun- 
nen doen. 

Wij zwijgen hier van de vele andere middelen, waarmee 
het dit bereiken zal, die echter eerst geleidelijk komen. 
Van het onderwijs met productieven arbeid tot een harmo- 
nisch geheer verbonden, van de verhoogde techniek in 
industrie en transport, van den wetenschappelijk gedreven 
landbouw, van de complete beheersching der natuur en 
der maatschappij. Wij noemen slechts het voornaamste, 
noodzakelijkste, eerste. 

Men ziet dus: de materieele en de psychische voor- 
waarden, de geestelijke nood en de stoffelijke middelen, de 
mogelijkheid dus, de uitvoerbaarheid der ophefHng van het 
Kapitalisme, is aanwezig. 

De nood is er, de vreeselijkste nood. 

En de bedreiging met nog vreeselijker nood, met nog vree- 
selijker slachting in de naaste toekomst. 

En de vreeselijkste onderdrukking van het geheele arbei- 
dende volk. 

En het Doel is gegeven, waarheen het arbeidende volk 
zich moet richten. 

Want de maatschappelijke grondsiag voor het Socialisme, 
de maatschappelijke • productie en distribute, is ontstaan. 
De Kapitalisten zelf moeten tot het Socialisme overgaan. 
Zelfs de kapitalistische Staat moet na den oorlog de productie 
van industrie, en landbouw, het transport, en den,, handel 
regelen, control.eeren, en voor een groot deel zelf in handen 
nemen. De kapitalistische staat moet zelfs door reusachtige 
belastingen tot onteigening van een deel der vermogens 
overgaan. Het Proletariaat heeft dus slechts voort te bouwen 
op dien grondsiag. Terwijl het op dezen maatschappelijken 
grondsiag de nieuwe maatschappij opbouwt, beweegt het 
Proletariaat zich dus in de richting die de ontwikkeling der 
maatschappij reeds ingeslagen heeft, en inslaat. 

En boven alien en alles, als grootste, den doorslag gevende 
kracht, als lichtend gesternte voor het geheele Proletariaat 
der wereld: 

Het proletariaat is de eenige klasse die nu wer- 



57 



KELIJK DE MAATSCHAPPIJ WEER KAN OPRICHTEN. HET' 
PROLETARIAAT ALLEEN KAN DAT. 



Maar nog eens: 

Om de productiemiddelen, o'm de vermogens te ont- 
eigenen, om alien te helpen, en de geheele productie te 
regelen, is de verovering der politieke macht, de opheffing 
van het Kapitaal, en van den kapitalistischen staat,' de ves- 
tiging van het Socialisme noodzakelijk. 



Maar, zal men zeggen, de Russische Revolutie is reeds ge- 
deeltelijk mislukt, zij is door Duitschland in deelen van 
Rusland reeds neergeworpen, en loopt gevaar geheel te 
mislukken. Zal dan de West-Europeesche, de wereldrevo- 
lutie, niet ook mislukken ? 

Het antwoord daarop moet ten eerste zijn: De voor- 
waarden der West-Europeesche, en yooral der Erigelsche 
en Duitsche revolutie, zijn geheel anders dan die der Rus- 
sische. Men lean ze niet met elkander vergelijken. Het 
Russische Proletariaat was in verhouding tot de geheele 
bevolking zeer klein in getal. Rusland is geen land van 
proletariers, het is in de eerste plaats een boerenland. De 
Revolutie heeft gezegevierd door de hulp der arme boeren. 
En hoewel de Boischewiki een geweldige en schitterende 
poging deden om de Revolutie geheel te doen zegevieren, 
konden zij deze economische verhouding toch . niet snel 
genoeg veranderen, en waren zij dus nog te zwak om terstond 
de volkomen overwinning te behalen, alleen tegen den aan- 
drang aller contra-revolutionaire machten van hetbinnen- 
en buitenland. Engeland en Duitschland hebben een indus- 
trieel Proletariaat, dat alle andere klassen overtreft, en dat, 
wanneer het slechts de juiste taktiek volgt, alien over- 
winnen kan. - 

De Russische Revolutie is voor West-Europa een voor- 
beeld, een symbool, een leerares, en een voorloopster. Zij 
heeft den weg aangetoond. Zij heeft een program op- 
gesteld. De eigenlijke, de werkelijk geheel proletarische 
Revolutie moet West-Europa zelf maken. 

Maar in de tweede plaats moet gezegd worden: De Rus- 
sische Revolutie is slechts, ten deele, in de Oekraine, in 
Finland enz. mislukt, omdat het West-Europeesche Prole- 
tariaat nog niet opstond. Ware het West-Europeesche Prole- 



58 

tariaat opgestaan, dan stond nu de eerste socialistische 
Republiek der Soviets in haar voile glans en verhevenheid '). 

Maar het West-Europeesche Proletariaat zal, (tijdens of 
na den oorlog) opstaan, het zai na langen strijd, met hulp 
der Russische Revolutie, overwinnen, en dan zal ook de vol- 
komen overwinning van het Russische Proletariaat volgen. 

Maar, zal men zeggen, de werkelijk revolutionairen zijn 
in West-Europa zoo weinig in getal. Zij zullen niet kunnen 
overwinnen. Men zie ook hier slechts weder naar de Rus- 
sische Maximalisten. Ook zij waren tijdens den oorlog, voor' 
de Revolutie, een minderheid. De nood heeft ze tot meer- 
derheid gemaakt. Evenzoo zal de nood de revolutionairen 
van West-Europa tot meerderheid maken^ En dan, wij her- 
halen het, zullen de Russische Revolutionairen met de 
; West-Europeesche Revolutionairen te samen overwinnen. 

Maar, zal men zeggen, zijn de West-Europeesche arbei- 
ders dan niet te klein in aantal? Zoo zij al elke klasse 
afzonderlijk overtreffen, overtreffen alle klassen te samen 
niet hen? 

Hierop moet geantwoord worden : de West-Europeesche 
proletariers hebben een geweldige macht, alleen al door 
hun aantal. 

In Duitschland wordt het aantal industrieele arbeiders 
op 15 millioen gerekend. In Engeland is hun aantal in ver- 
houding tot de bevolking nog veel grooter. Daarbij moet 
men dan nog de landarbeiders rekenen, die het revolutio- 
naire Proletariaat, zooals wij zullen aantoonen, met zich 
sleepen kan. 

En hun organisaties, de politieke en de vak-organisaties, 
waren geweldig. In Engeland waren 5 millioen, in Duitsch-. 
land 3 tot 4 millioen man georganiseerd. En in de andere 
landen naar verhouding. En in alle landen van West-Europa 
sleepten zij in den politieken strijd reeds een reusachtig 
groot deel der bevolking mee. Het Proletariaat van West- 
Europa behoeft slechts door de zon der Revolutie be- 



l) In het vierde hoofdstuk zullen wij de Russische Revolutie en de van haar 
sterk verschiltende voorwaarden der West-Europeesche Revolutie uitvoerig 
. behandelen. 






59 

schenen te worden, het behoeft slechts aangegrepen te wor- 
den door den schok der Revolutie, en zijn geheele latente 
macht zal zich openbaren. 

Maar kan het Proletariaat alleen de Revolutie maken ? 

Het staat toch alleen! Het heeft niet een andere revolu- 
tionaire klasse, naast zich, zooals in Rusland de arme boeren. 

Het is de minderheid. 

Kan het alleen de geweldige georganiseerde kracht van 
het Kapitaal en van den kapitalistischen staat overwinnen 
en onderwerpen? 

Ja, dat fkan het. 

Want de strijd zal nu zijn tusschen het Groot-Kapitaal, 
■en het Proletariaat. 

En hierinjzal het Proletariaat nu overwinnen. 

De strijd zal gaan om.de Meerwaarde. Wie zal de Meer- 
waarde krijgen, in handen nemen, het Groot-Kapitaal, of 
•de Arbeid ») ? . " 

Twee wegen staan open: Of het Groot-Kapitaal krijgt 
haar, door de vreeselijkste onderdrukking van het Prole- 
tariaat, het Staatssocialisme, of het Proletariaat krijgt ze, 
door de invoering van het werkelijke Socialisme. 

Het einde van den strijd hangt in West-Europa, vooral 
in Engeland en Duitschland, af van de lagere middenklassen. 

Het Groot-Kapitaal zal wel is waar gedwongen zijn zich 
zelf vele belastingen op te leggen. 

Maar de schulden en de behoeften van den staat zijn 
zoo geweldig, dat het, om het behoud en de uitbreiding 
van het Kapitaal of het Kapitalisme te verzekeren, ALLE 
andere klassen vreeselijk zal moeten onderdrukken, ook de 
middenklasse. 

Het zal niet voldoende zijn de arbeidersklasse vreeselijk 
uit te buiten. 

Het zal noodig zijn ook den middenstand, de kleine 
burgers en boeren, de zwaarste lasten op te leggen, en de 
loonen der beambten en aangestelden zoo laag mogelijk 
; te houden. 



1) Nooit hadden de theorien van Marx, die over de Meerwaarde, den 
Klassenstrijd, en het historisch Materialisme een grootere beteekenis voor 
thet Proletariaat, dan nu, nu het, gesteund op hem, de eindoverwinning nadert. 



6o 



Dit alles, verbonden met den verschrikkelijken nood, het 
gebrek aan grondstofFen, en aan arbeid, zal de midden- 
klassen naar de zijde van het Proletariaat drijven '). 

Het Groot-Kapitaal heeft nu de geheele meerwaarde 
noodig voor zich zelf. 

Het Groot-Kapitaal heeft nu de geheele meerwaarde 
noodig voor zijn kapitalistischen Staat, die zijn middel is 
om de andere klassen onder zijne heerschappij te houden. 

Het deel der meerwaarde, dat de lagere middenklassen 
kregen, was altijd klein. 

Maar nu, na dezen oorlog, en onder he.t Imperialisme, 
zal bijna niets voor deze middenklassen overblijven. 

Aan deze klassen, aan de lagere, verreweg de talrijkste 
deelen dezer klassen biedt de socialistische „Staat'' nu meer 
dan de kapitalistische. 

Hun biedt het Proletariaat nu meer dan het Groot-Kapitaal. 

Het werkelijke Socialisme is beter voor hen da'n het 
Staatssocialisme. 

Het deel van de meerwaarde, dat zij van het overwin- 
nende Proletariaat, van het Socialisme krijgen, is grooter 
dan wat zij krijgen van het Groot-Kapitaal. 

" Het Proletariaat moet zeggen tot de middenklassen, tot 
ALLE waarlijk arbeidende klassen : ' f 

Wij zullen het Groot-Kapitaal, en de Productie-middelen 
onteigenen, wanneer wij overwinnen. Dan zullen wij ze tot 
gemeenschappelijk eigendom maken, en ze gebruiken voOr 
alien, ook voor u. 

Gesteld voor de keuze, door het iirrperialistische Kapitalisme 
onderdrukt te worden en vernietigd, of door het Proletariaat 
te worden gered, zullen millioenen en millioenen der middel- 
klassen de kant van het Proletariaat kiezen. 

Het Proletariaat kan zoo, op den duur, de meerderheid 
der bevolking op zijn zijde brengen. 

Dit alles kan het Proletariaat echter alleen dan, wanneer 
het waarlijk voor het voile Socialisme opkomt, dat wil 



l) Door de oorlogswinsten en oorlogsleeningen is gedurende den oorlog 
de concentratie en de macht van het Grootkapitaal nog enorm toegenoraen. 
Daardoor is de noodzakelijkheid om het Grootkapitaal te onteigenen voor 
de geheele maatschappij nog dringender. 



1 ¥ 
11 



61 



zeggen, wanneer het strijdt voor de Sociale RevOlutie, voor 
de verwezenlijking van het Socialisme *). 

Het Proletariaat moet tot alle o%derdrukten zeggen: Het 
imperialistische Kapitalisme verplettert u onder lasten, nood, 
honger, militarisme, moord. Wij helpen u en wij bevrijden u. 

Het moet tot de kleine burgers en kleine boeren, tot de 
lagere ambtenaren en aangestelden zeggen: Het imperialis- 
tische Kapitalisme onderdrukt u en vernietigt u door lasten, 
nood, honger, werkeloosheid, militarisme, oorlog, en door 
nieuwen moord in de toekomst. Wij daarentegen bieden u 
nu aan een vast bestaansminimum, en later, wanneer wij 
het Socialisme geheel zullen hebben gevestigd, een vrij met 
de besten en hoogsten gelijk bestaan. 

Wanneer gij ons helpt het Kapitaal te onteigenen, de 
banken, de grootbedrijven in industrie, handel, transport en 
landbouw te onteigenen, te socialiseeren, dan verzekeren 
wij u ONMIDDELLIJK uwe middelen van bestaan, en later, 
LANGZAMERHAND EN IN WEST-EUROPA WAARSCHIJNLIJK 
ZEER SNEL, een volkomen vrije, aan alle anderen gelijke 
positie, en een leven als vrije, alien gelijkwaardige arbei- 
ders, in de productie, den ruil, de administratie der socia- 
listische gemeenschap. ( 

Wanneer gij ons helpt het Kapitaal te onteigenen, dan 
verzekeren wij u inplaats van lasten, nood, honger, milita- 
risme, en steeds nieuwe oorlogen en moord in de toekomst, 
nadat wij overwonnen zullen hebben, vrijheid, welvaart, 
geluk, vrede, menschelijkheid. Inplaats van beestachtige 
ruwheid door den oorlog en den strijd, de hoogste men- 
schelijke ontwikkeling door samenwerking, broederlijke een- 
dracht, en vrede. 

Terwijl het imperialistische Kapitalisme u lasten, nood, 
honger, militarisme, steeds nieuwe oorlogen, en moord 
geeft, schenken wij u vrijheid, welvaart, vrede, mensche- 
lijkheid en gelule 

Millioenen en millioenen in West-Europa weten wat het 
Socialisme beteekent, zij weten wat de onteigening der 
grootbedrijven en van het Kapitaal beteekent. De tientallen 
jaren van propaganda hebben hun werk gedaan, hunne 
uitwerking gehad. En door den nood, den vreeselijken nood 



l) Over de taktiek die het Wereldproletariaat hierbij volgen moet, spreken. 
wij in het vierde hoofdstuk, waar wij de russische Revolutie behandelen. 



62 



van den oorlog en het Imperialisme, zullen zij begrijpen 
dat het nu gaat om de keuze, en dat slechts EENE keuze 
mogelijk is: Kapitalisme:; en -Imperialisme, of Socialisme. 

Gesteld voor de keus : Onderdrukking, vernietiging, en onder- 
gang door het imperialistische Kapitalisme, of redding en be- 
vrijding door het Socialisme, zullen zij het Socialisme kiezen. 

Neen, het Proletariaat is machtig genoeg, door zijn aantal, 
door zijn organisatie, door het aantal zijner bondgenooten. 

Wanneer het Proletariaat maar vastbesloten zijn program 
voor de Revolutie opstejt, en zich het Socialisme stelt als 
eenig doel. 

Het Groot-Kapitaal, het Kapitaal van Duitschland eener-,. 
van Engeland-Amerika anderzijds, het Groot-Kapitaal der 
Monopolies, Banken en Trusts strijdt om de Verovering 
der Wereld. 

Het Proletariaat verheft zich tegen beide, en de strijd 
wordt er een tusschen Groot-Kapitaal der Wereld en Prole- 
tariaat der Wereld. 

Tusschen het zeer geschokte Kapitaal van Duitschland 
en Engeland, gesteund door het nog zeer machtige Kapitaal 
van de Vereenigde Staten ') eener-, en het Wereldproletariaat 
anderzijds. 

De strijd gaat om de Wereld-Dictatuur. Van het Kapitaal 
of van den Arbeid. Van Imperialisme of Socialisme. 

De vreeselijke nood waarin het Imperialisme de wereld 
brengt, maakt de Eenheid van het Wereldproletariaat en 
den steun der lagere middenklassen, aller arbeidende klassen, 
mogelijk. 

En zoo verheft zich dan voor ons, voor onze oogen, in 
naaste nabijheid, de Mogelijkheid der Omwenteling, der Ver- 
wezenlijking-yan het Socialisme. 

Grijpbaar als een gouden berg, zichtbaar als een gelukkig 
land, staat het Socialisme het wereldproletariaat voor 
oogen ; het kan het bereiken en voor altijd veroveren, Het 
voorwerp van het verlangen, de hoop, den strijd is daar. 

Aan de eene zijde de geheele Natuur. Aan de andere 
het Proletariaat. — Aan de eene zijde de Aarde, aan de 
andere de Arbeid. — 



l) De grootste vijand van het Wereld-Proletariaat zijn nil en worden al- 
tijd meer de Vereenigde Staten. Daar Hgt nu het grootste gevaar. 



i I : 



i v 



Zal de Vereeniging van beide piaats hebben? Zai het 
Proletariaat de Wereld veroveren? — Zal het de Mensch- 
heid tot een Eenheid makenr 

Zal de vrije bloei der Menschheld bereikt worden, de 
vrije bloei van ieder individu door ce voikomen beheersching 
der Natuur, door den samenarbeid van alle menschen? — . 

Zal de Menschheid niet nieer eader de natuurkrachten 
in" de handen van het Kapitalisme em van het Imperialisme 
verpletterd worden ? — 

Het hangt alles van het Proletariaat self af, ofhetmoedig 
genoeg is en bewust genoeg. — £2. of bet een is. 

Er is slechts een vijand, een gevaar voor het Proletariaat 
van West-Europa, en der wereld- Da.*: Is de oneenigheid. 

Wanneer het Internationale PraLessxiaat bet eene Impe- 
rialisme verkiest boven het andere.. Tsajxaeer het nationale 
Proletariaat zich door zijn nationale beexscaers en zijn sociaai- 
patriottische, reformistische of -ose^do-isiarxistrsche leiders 
laat omkoopen en bedriegen, wanna-x hst .zich aansluit bij 
het Kapitalisme van een der groepea eabr baar Imperialisme 
en Staats-Socialisme, wanneer eea deal ¥sa bet Proletariaat 
de Revolutie in den steek laat, waaseer das een deel van 
het Proletariaat het andere venaadt. wasaeer Let eene deel 
het andere niet te 'hulp komt, ea her eeae aa het andere 
dus door het internationale Imperiaiisare geslagen wordt, 
.wanneer het internationale Proletariaat niet tot Eenheid komt, 
ja, dan zal het Proletariaat veisiages wotccs, can zal de 
Revolutie weer mislukken, en dan zzZIer ■sti een nieuw 
tijdperk van Kapitalisme, Imperialisme en ItEliarisme beleven 
en moeten verdragen. 

Maar een nationaal en interaatioEaal door en In de revo- 
lutie VEREENIGD Proletariaat kan nu het Imperialisme ten val 
brengen, en de nieuwe sOcialistische insaschapplj oprichten. 

De Revolutionairen moeten dus alies doen, opdat deze 
Eenheid tot stand komt. 

Opdat nu deze. Eenheid, deze nietrsre Internationale, tot 
stand kome, die alleen de Revolutie uitvoeren, en het Socialisme 
vestigen en opbouwen kan, zulien wif de grrnclrnen, de be- 
ginselen van een algemeen program poges te scbetsen, waar- 
mede het internationale Proletariaat de Revolntie in West- 
Europa, Noord-Amerika en de Wereld zon moeten maken. 



6 4 



INTERNATIONAL REVOLUTIONAIR 
PROGRAM. 

De Staatsmacht in de handen van het Proletariaat. 

De Wetgeving door het Proletariaat. 

Verzekering van een Bestaans-Minimum aan alle Arbei- 
•ders en hen die met Arbeiders gelijk te stellen zijn. 

Beheer over en Regeling van de geheele Productie, van 
den Handel, het Transport, door het Proletariaat. 

Beheer over en Regeling van de Distributie der Produc- 
ten door het Proletariaat. 

Arbeidsplicht voor alien. 
- Annulleering der Staatsschulden. 

Confiscatie van de Oorlogswinsten. 

Belasting uitsluitend op Kapitaal en Inkomen, de eerste 
stijgend tot Onteigening van het Vermogen. 

Onteigening der Banken. 

Onteigening van alle groote Bedrijven. 

Onteigening van den Bodem. 

Rechtspraak door het Proletariaat. 

Afschaffing van alle Tollen en Tarieven. 

Afschaffing van het militaire Stelsel, Bewapening van het 
Proletariaat '). 



VERKLARING VAN DIT PROGRAM. 

Het eerste artikel van dit program geeft het Proletariaat 
■het middel om den ouden kapitalistischen staat d. w. z. zijne 
machtsmiddelen, zijn bureaukratie, politie, rechtbanken en 
leger op te heffen en te vervangen door proletarische. 

Het tweede artikel geeft het de macht de nieuwe maat- 
schappij, de sociale Republiek, te stichten en op tebouwen. 

Deze middelen en deze macht moeten alleen aan het 
Proletariaat gegeven worden, omdat dit de eenige klasse 
is, die het Socialisme verwezenlijken kan. 



i) Op veel punten is dit Program gelijk aan datgene dat door de Sociaal- 
democratische Partij in Holland aan de conferentie in Kiental is voorgelegd, 
-als grondslag voor de internationale actie. 

Door het voorbeeld der russische revolutie geleerd, hebben vrij vele der 
voornaamste punten veranderd of toegevoegd. 



65 

ERLAUTERUNG DIESES PROGRAMMS. 

Der erste Satz dieses Programmsgibc dem Proletariate das 
Mittel den alten, den kapitalistiscr.i- fis.it zu zerst5ren. 
Das heisst seine Machtmittel, seine ii.r:"-~stie f Polizei, Ge- 
richte und Heer aufzuheben und darca proletarische zu 
ersetzen. 

Der zweite Satz gibt ihm die MacM die neue Gesell- 
schaft, die soziale Republik zu griinelea aad aufzubauen. 

Diese Mittel und Macht mussen asr dem Proletariate 
gegeben werden, weil es die einzige Jviasse ist, die den 
Sozialismus verwirklichen kann. 

Natiirlich kohnte das Proletariat anderes Elementen der 
Bevolkerung, die sich ihm treu ^.:..:r: 'r.ibsa, dieselben 
Rechte geben. 

Der dritte Paragraph ist der Paragraph. acf welcfeem die Re- 
volution beriihen soil. Die Arbeiter, das 1 r: .-::iris.t als Ganzes, 
das von der kapitalistischen Klasse den Hj-^er, der Arbeits- 
losigkeit, dem Elend, und der Amj: -.-zur-^zben wird, 
bekommt durch diesen Punkt die S:i"- .":.%"c£ss die Re- 
volution ihm die Grundlage seiner Eiistsss werbiirgt, z.B. 
durch Verteilung der Lebensmitis.-!. "V -r.-_.-r. etc. Diese 
Grundlage muss aberauch den KJeir.'-_r^-:-r- .-; Kleinbauern, 
den Verstiimmelten, den Wittwen i~i ""."i;j jx fen von ihren 
Sohnen oder Ernahrern beraubtsc. -iz.- 3..".:r. &q durch 
den Krieg keine geniigende Esister.: -ear faaben, ver- 
biirgt sein. 

. Wie wir schon sagten: Die sofcctlge gBEfgende Hilfe fur 
den Augenblick, die vollkommene Be&~c=g far die Zukunft 
soil ALLEN Unterdriickten versprccfieB 'wrfea. 

Auf diese Weise ist dieser Paragraph des Programms die 
Bedingung des Sieges der Revolution. Bean die Arbeiter, 
die durch den Krieg getroffenen Etesla&firger mid -Bauern 
konnen, zusammen auftretend, dea Kaptalissstis stfirzen, den 
Sozialismus verwirklichen. Sie hales, weaa. sie Hire Inte- 
ressen einsehen und sich einigen, dSe Mebrheil 



Der vierte und fiinfte Punkt, Regetrog der gaazen Pro- 
duktion, des Handels, des Transposes, and der Distribution 
durch das Proletariat, sind die eiaagea Mittel wodurch, in 
Verbindung mit dem sechsten: Arbeltspfliciit fur Alle, eine 
sozialistischd* Gesellschaft aus den Trfisumesm der alten auf- 
gjebaut werden kann. 

5 



66 

Wahrend der kapitalistische Staat den Staatssozialismus ein- 
fiihren will, verbiirgen sie den wirklichen Sozialismus. Sie 
miissen darum unmittelbar nach der Sicherung der Existenz 
an alle Arbeiter folgen, und alien anderen yorangehen. 

Die vier nachsten Paragraphen: Annullieruhg aller Staats- 
schulden, Konfiszierung der Kriegsgewinne, Steuern nur auf 
Kapital und Einkommen, die erste bis zur Vermogensent- 
eignung, Enteignung aller Banken, sollen die Mittel abgeben 
um erstens den dritten Paragraph auszufuhren, zweitens die 
neue Gesellschaft zu griinden und aufzubauen. 

Selbstverstandlich ist es, dass bei den Steuern auf Kapital 
und Einkommen ein Minimum gestellt werden soil, unter 
welchem keine Steuern erhoben werden. 

Der elfte Punkt: Enteignung der Grossbetriebe, umfasst 
die Grossbetriebe der Industrie, der Bergwerke, des Handels, 
des Transports, und stellt in Verbindung mil der Enteignung 
der Banken die Grundlage der sozialistischen Produktion da. 
Sie stent nicht in Widerspruch zu dem vierten und funften 
Paragraphen. Denn in diesen ist von derRegelung, der Beherr- 
schung, der Kontrolle der GANZEN Produktion und Distri- 
bution die Rede, das heisst von der Kontrolleder Produktion 
. ALLER Betriebe, auch der kleinen. Die Enteignung der kleinen 
Betriebe aber kann, durch die grosse Zahl dieser Betriebe, 
noch nicht sofort geschehen. 

Was die Landwirtschaft betrifft, die Enteignung des ganzen 
Bodens, die Erklarung des Bodens zum Gemeineigentum soil 
in Prinzip aufgestellt werden. Faktisch aber erst allmahlich 
ausgefuhrt werden. Nur der landwirtschaftliche Gross-betrieb 
sollte schoii enteignet, und exploitiert werden vom Gemein- 
wesen selbst, oder von kooperativ fun das Gemeinwesen 
arbeitenden Landarbeitern und kleinen Bauern. 

Aber der Mittel- und Kleinbetrieb wiirden im Allgemeinen 
gewiss noch in keinem Lande enteignet werden konnen, 
gleichwie man diese auch in Handel und Gewerbe nicht 
sofort enteignen kann. Dazu ubeiwiegen diese, und fehlen 
die landwirtschaftlichen Maschinen zum Grossbetrieb noch 
zu sehr. Dort, im kleinen und<:Mittelbetrieb; miisste die Ge- 
nossenschaft, die intensive Kultur, der maschinelle Betrieb, 
vorlaufig gefordert, und erst nachdem die Bedingungen 
vorhanden sind, zur Enteignung iibergegangen- werden. 

Die Grenze zwischen Gross- und Kleinbetrieb wiirde in 
den verschiedenen Landern, Provinzen und Betrieben ver- 



I 



67 

schieden sein. Man wiirde in erases "Lande, einer Provinz, 
oder einem Betrieb auf ganz asdereej Maasstab zur Enteig- 
nung iibergehen konnen als in asdereB. 

Der reiche Eigentiimer des Bodens, nod der reiche Bauer 
wiirden doch von den Steuern, der Slittelbauer ausserdem 
durch die Enteignung der Hypatkekbanken geniigend ge- 
troffen werden konnen. Die Pacit wiirde nicht mehr 
dem Grossgrundbesitzer sondern dtni Gemeinwesen bezahlt 
werden. 

Und da der ganze Handel sa-'i - i.-t, zentral geregelt 
ware, hatte die Gemeinschaft die Bodes produkte doch jeden- 
falls in der Hand. 

Zu den kleinen Bauern und Lar. Ll— .'"era. soil das Prole- 
tariat sagen: Wir geben euch sc' - ... - . '.-::: ; : viel wie moglich 
die grossen Betriebe, und die grosses, i>=s;;iii:nier zu kommu- 
nistisch genossenschaftlichem Betrieb. Und v.: -werden so bald 
wie moglich, so schnell als die procaktsves Kr^fte, Maschinen 
u.s.w. es uns zulassen, d.h- allmahlig, alien Su-ienbesitz. den 
ganzen landwirtschaftlichen Betrieb JcoSperidv-kommunis- 
tisch gestalteng.worin ihr alle dana esirea., alien anderen 
gleichen, Platz bekommt. Habt Gecald, sire helh uns durch 
eure politischfi i ,und okonomische Arbeit ciese Aafgabe, diese 
wirtschaftliche Aenderung durchzafuli-ea. 

Zu den rnittleren Bauern soil das Proletariat sagen: Wir 
sichern euch die Zufuhr von Mas:!: r.z: L _ cger, Fatter, so 
schnell wie nach dem Kriege nur moglich M. Wir sichern euch 
euren Absatz. Wir werden eure GenosseraciiaJies -znd Betriebe 
aufjede Weise aus aller Macht forcera. War lassem each eure 
Betriebe und Besitz so lange, bis wit im Stance sein werden 
allmahlig mit eurer Hilfe den Bodeahestz kcrcnaaatstisch, alle 
Betriebe gross und kommunistiscn zasiicsec Dana werdet ihr 
als kooperativ arbeitende Bauera in grosses aufwissensehaft- 
licher Grundlage kommunistiscfi ariselteaden Betrieben der 
Gemeinschaft dienen, und nicht mehr ceis pri%-aten Kapital. 

Wir werden diese Aenderung aJImaaHg, je nachdem die 
wirtschafllichen Krafte, die Maschlaea a. s. -*\ uns zur Ver- 
fiigung stehen, so schnell wie mogiick aber allmaMig in Ueber- 
legung mit.neucheinfuhren. 

Diese Massregel macht den kleiaea Bauern und Land- 
arbeitern keine Versprechen die noca nicht ausgefuhrt werden 
konnten, und die, nicht ausgefuhrt, diese Elemente wieder 
zur Kontrarevolution fiihren wiirden. 



Auf diese Weise, durch diese Massregel, in Zusammenhang 
mit der Massregel des dritten Paragraphen dieses Programms, 
wird man die grosse Masse der Kleinbauern zu Freunden der 
Revolution, die grosse Masse der Mittel-bauern wenigstens 
nicht zu ihren direkten Feinden machen. v 

Diese Regelung der Agrarfrage, die durch die Entwicklung 
der Produktivkrafte und Verhaltnisse vorgeschrieben wird, 
ist die einzig mogliche. 

Der dreizehnte Paragraph: Rechtsspruch durch das Proleta- 
riat, gibt der revolutionaren Klasse allein die Macht die soziale 
Republik, die neue Gesellschaft vor Attentaten zu schutzen. 

Der vorletzte Paragraph : Abschaffung aller Zolle.und Tarife, 
bezweckt den ganzlich freien Verkehr zwischen den Volkern, 
die Aufhebung einer grossen Ursache von Feindschaft zwischen 
ihnen, und die Internationale Regelung der Produktion und 
der Verteilung. 

Die letzte Forderung: Abschaffung des Militarsystems, 
Bewaffnung des Proletariats, ist die Krone, des Programms, 
Ihr erster Teil hebt den kapitalistischen Militarismus, den 
kapitalistischen Krieg, den Imperialismus auf.und zu gleicher 
Zeit das starkke Mittely das der Kapitalismus hattey um die' 
proletarische Klasse in Sklaverei zu halten. Ihr zweiter Teil 
gibt dem Proletariate die Mittel in die Hande die Revolu- 
tion von innen, und gegen alle Machte die die Revolution 
von aussen vernichten wollen, zu schutzen, und die Diktatur 
des Proletariats durchzufuhren. 

Hiermit ist dies Program geniigend erlautert. 

Es ist absolut notwendig, dass die revolutionaren Soziai- 
demokraten sich so schnell wie moglich, wenn moglich sofort, 
ein internationales Programm schaffen. Wenn die Revolution 
nicht gleichzeitig und einmiitig gemacht wird, wenn sie in 
eine Reihe ungeordneter Aufstande verlauft, dann wird sie 
misslingen, und in Blut erstickt werden. 
, Das Beispiel der russischen Maximalisten zeigt was ein 
klares, vor der Revolution festgestelltes' Programm vermag. 
I Es zeigt aber auch was gescheht, wenn dieauslandischen 
Revolutionaren nicht gleichzeitig und mit demselben Pro- 
gramm sich erheben. 

Das Programm muss sein nur-revolutionar. Das heisst, es 






69 

'muss nur Forderungen, Bedingungen enthalten, die die Re- 
volution ermbglichen. 

Es muss also fortlassen alle Forderungen von nur refor- 
mierender Natur, wie den Achtstundentag, die Arbeiter- 
Gesetzgebung, etc. 

Es muss also auch fortlassen alle die schonen Dinge, die 
erst nach dem Siege ausgefiihrt werden konnen, wie gleiches 
Unterricht an alle, Verbindung produktiver Arbeit mit Un- 
terricht, Regelung der Wohnungfrage, u. s. w., kurz, alle 
Details des Gesetzgebung. 

Denn|:das Programm soil so einfach wie moglich sein, 
damit es von alien Arbeitern verstanden werde als nur die 
Revolution bezweckend, damit es die Arbeiter aller Lander 
einige fur . die Revolution. 

Das Programm muss welter derartig sein, dass alle revo- 
lutionaren Sozialisten sich darauf vereinigen konnen. Auch 
darum miissen Einzelheiten iiber die Gesetzgebung fortge- 
lassen werden, die je nach der Entwicklung der einzelnen 
Lander verschieden sein konnen. 

Schliesslich ist es notwendig, dass es NUR die wirklich Re- 
volutionaren vereinigt, und alle nicht wirklich Revolutionaren 
durch seinen Inhalt allein schon ausschliesst. 

Allen diesen Forderungen entspricht dies Programm. 

Schliesslich haben wir noch eine Bemerkung zu machen, 
die von allerhochstem Interesse ist fur das Proletariat. 

Das Proletariat soil bedenken, dass nach dem Kriege der 
Streik, selbst der Generalstreik, nicht AIXES erreichen kann, 
weil durch das Fehlen von Kapital, Rohstoffen und Maschi- 
nen nur wenig Nachfrage nach Arbeit sein wird. 

Wenn das] Proletariat aber entwaffnet ist, wird die herr- 
schende Klasse es so i furchtbar knebeln, wird die Not, der 
Hunger, die Arbeitslosigkeit ihm solche Leiden bringen, dass 
es zu Aufstanden iibergehen MUSS. Dann wird ein furchtbares 
Blutbad unter den Proletariern angerichtet werden, denn 
die herrschenden Klassen werden Truppen aus den kontra- 
revolutionaren Klassen unter den Waffen halteni Dann wird 
das Proletariat wahrscheinlich niedergeschlagen werden. 

Wenn dagegen das Proletariat Vor der Demobilisation 
seine Forderungen, die Forderungen dieses, oder eines ahn- 
lichen gemeinschaftlich aufgestellten Programms stellt, dann 
wird die herrschende Klasse vor der Uebermacht des Pro- 
letariats und der mit ihm verbiindeten Elementen zuriick- 



7 o 

weichen, und wird den Forderungen ohne Blutvergiessen 
nachgegeben werden. 

Auch darum muss das revolutionare Proletariat sobald 
wie moglich d. h. sofort, ein Programm feststellen. \ , 

Wir meinen, dass ein ahnliches revolutionares Programm 
von jetzt ab auch das Kampfprogramm aller Parteien wer- 
den muss. Dass es, aber dann naturlich sehr viel ausfuhr- 
licher, das Erfurter Programm ersetzen soil. 

Wir geben dies Programm und seine Erlauterung naturlich 
nur als Vorschlage. 

Es ist die Sache der neuen Internationale das Programm 
selbst festzustellen, und sofort zu publizieren. 

Dazu rufen wir die Revolutionaren aller Lander, die neue 
Internationale, auf. ,< ' / 

So steht dann neben der Notwendigkeit auch die Moglichkeit 
der West-Europaischen, und damit der Weltrevolution fest. 

Ein machtiges Proletariat, machtig durelv seine Zahl und 
seine Organisation ist da, und seine Hilfstruppen sind da. 
Und eine Gesellschaft, reif fiir den SozialisrEjUS, die schon 
zum Staatssozialismus schritt, ist da. 

Und der Weg zur neuen Gesellschaft, das Aktionsprogramm 
liegt klar sichtbar vor dem Proletariat. 

Die Vereinigung beider, die Beherrschung der Gesellschaft 
durch das Proletariat, ist moglich. Der Sozialismus glanzt 
in nachster Nahe. 

Die Frage ist : Wird das Proletariat die leibliche und 
geistige Kraft haben um das Gross-Kapital aller Staaten, 
den Welt-Imperialismus zu besiegen? 

Damit nun das West-Europaische Proletariat aus dem 
Beispiel, das das russische Proletariat ihm schon gegeben hat, 
seinen Weg sehe, wollen wir jetzt die russische Revolution 
behandeln. 



>'■ 



IV. 



Die russische Revolution. 



Wie ein peuchtendes helles Beispiel ragt die russische 
Revolution empor fiir die europaischen und amerikanischen 
Arbeiter, die die Revolution machen werden. 

Ein Beispiel durch die Entwicklung des Imperialismus 
gegeben,, um die westeuropaisehen Arbeiter zu lehren, wie 
sie zu handlen, v?ie sie ^zur Einigkeit und zum Siege zu 
kommen haben. "" 

Darum wollen>wir hier die russische Revolution behandlen, 
damit das Proletariat sehe, woes mit der russischen Revolu- 
tion zusammengehen kann, wo es von ihr abweichen muss '}. 

Das russische industrielle Proletariat ist, im Verhaltniss 
zur Bevolkerung des riesenhaften Reiches, sehr klein. 

Die iibergrosse Masse der russischen Bevolkerung sind 
Bauern, und unter ihnen eine sehr grosse Zahl kleiner Bauern. 
Die armen Bauern sind die Mehrheit der Bauernschait. 

Als nun der Zarismus, der sich stiitzte auf dem Gross- ' 
Grundeigentum, das in Russland machtig, und auf dem 
gross-industriellen Kapital, das im Verhaltniss zum riesen- 
haften Reiche schwach war, die Lagten des gewaltigen 
Weltkrieges nicht tragen konnte, die Industrie und der Trans- 
port versagten* und der Hunger ausbrach, wurde der Za- X 
rismus von dem Grossburgertum, dem Kleinburgertum, der 
Mittelklasse der Bauern, den armen Bauern und dem Pro- 
letariate gestiirzt. 



i) Die russische Revolution ist die erste Revolution, die ganz von Marxi- 
sten, nach der marxistischen Theorie gemacht wurde. Die anarchistischen, 
syndikalistischen, reformistischen und pseudomarxistischen (z.B. die Kantsky- 
schen) Lehren haben sich bei der , Revolution als unbrauchbar erwiesen. 



/2 



": 



Diese Klassen versuchten dann, zusammen Russland j]als 
biirgerliche Republik den Krieg weiter fiihren zu lass'en. 

Die Partei der Bauern, die Sozial-revolutionaren, und die 
Reformisten und Sozial-patrioten (die Menschewiki) mach- 
ten dies niit. 

Die kleine Partei der wirklich revolutionaren Arbeiter 
(die Bolschewiki) widersetzten sich dem. 

Sie fiihrte der Mann, der immer die Revolution, die soziale 
Revolution des Proletai-iats, die Revolution fur den Sozia- 
lismus gestellt hat iiber den Erfolg des Augenblicks, und 
der sich dadurch iiber alle Politiker des Proletariats aller 
Lander seit Marx erhebt : Lenin. 

1st das russische Proletariat die Vorhut des Weltproleta- 
riats, Lenin ist der Vorkampfer dieser Vorhut. 

Erst spatere • Geschlechter, die alle seine Worte und Taten 
kennen, die aus der Feme ihn ganz yergleichen konnen 
mit den andern Personen seiner Zeit, werden ihn ganz be- 
urteilen konnen. — Abet ich meine dass er alle anderen 
Fiihrer des Proletariats uberragt, und dass ER allein an die 
Seite von Marx zu stellen ist. 

Die Kraft seines Geistes und seiner Seele kommt der 
Marxens gleich. Uebertrifft Marx ihn in theoretischem Wissen, 
in dialektischer Scharfe, er uberragt Marx durch seine 
Taten. 

Seine Taktik vor, wahrend und nach der Revolution er- 
hebt sich iiber alles, was das Proletariat bisher politisch 
leistete. . . 

Und gleich Marx lieben wir ihn. Gleich wife Marx fidssen 
sein Geist, seine Seele sofort Liebe ein. 

Die Einfachheit, die Geradheit, der Mut, die Wahrheit 
seines Wesens sind davon die Ursache. 

Er ist der Fiihrer der russischen Revolution. Er soil 
werden der Fiihrer der Weltrevolution. 

Die Bolschewiki sagten zum russischen Proletariate, dass 
die Arbeiter Russlahds nicht mit der russischen Gross- und 
Klein-Bourgeoisie, den Grundeigentumern, und den reichen 
Bauern die biirgerliche Revolution, sondern mit den armen 
Bauern die proletarische Revolution machen sollten. 

Sie stellten ein Programm fur die soziale Revolution auf. 
dessen Hauptartikel waren: Die Macht an die Arbeiter, der 
Boden an die armen Bauern, und Frieden. 



■ 



I 



Als nun die Kapitalistea. d:e Gr^ndbesitzer, die reichen 
Bauern und die Reformisten, gaas wie der Zarismiis, Russ- 
land durch den Krieg seine::* Cafergang entgegen fiihrten, 
und keine der Forderungen dsr Arb-eiter und armen Bauern 
erfiillten, schlossen sich die sjt^iss Bauern und das ganze 
Proletariat den Bolschewiki :.- .- _ . .-riiessen die Reformisten 
und Sozial-patrioten. Dann storztea die Bolschewiki die 
Regierung, und eroberten dlt -.:'.■.'■.::'-- Macht. 

Und diese Macht gebra\ .- :.::■.' sie um den Sozia- 
lismus zu grunden. 

Gleich wie sie mussex mz '.".". : :-".lropaischen und- 
Amerikanischen Arbeiter tts. 

Sie mussen entweder so:- . ■ - : .;: s-axzs kapitalis- 
tische Regierung, sei es Mo:- -.."".'. -. eeh. Demokratie, 

STURZEN, ODER ERST DIE B 1 . " _ " .£, UND DANN DIE 

AUS BURGERLICHEN UND REFGSLHISTISrHEX SOZIAL-PATRIO- 
TISCHEN ELEMENTEN BESTEHEN3E SL£«3rLERt~XG. 

Die russischen Revolutionaren, c'.- A.-':=;*.;riinddieKlein- 
bauern eroberten die politisch; M_ : .:. 

Und sie nahmen die politiscia M-ckc 2ur iur sich. 

: Sie gaben das Wahlrecht nisei dzs Eecfee gewaMt zu wer- 
den nur dem Proletariate use des anatea Bauera. 

SlE VERTEILTEN RUSSLAXB, 15 EteTSIXTE. WO AUS DEN 

Raten der- Arbeiter (Sot:/!- .:•: : .;s. set ihnen 

GLEICH GESTELLTEN, DlSTRIETs-AS ££nEiL-RlTE GEWAHLT 
WERDEN, AUS DEN DlSTRIKTS-RATEX Z EX ZEUTiLAL-RAT FUR. 
DAS GANZE REICH, UND AUS BEM KOSTGKESS DES RiTE 
DER EXEKUTIV-AUSSCHUSS. 

Alle Mitglieder der Gemeiitdc-, Distsi&is- end Zentral-Rate, 
gleich wie alle Beamten und Aagesselkes, werden nur fur 
kurze Zeit gewahlt, und sind ilsrirr Empexscha.fi fortwahrend 
Rechenschaft schuldig '). 

Und alle diese Stellen, wie im algesseimerj alle Aemter 
und Stellen werden niedrig bezaMt 

Und alle Rate halten oft tare Vezsaaunlungen ab. 

DlESER GESCHMEIDIGE USD BEWEGUCHE KORPER 1ST 
DIE ERSTE SOzlALISTISCHE REGIESCXG DER WELT. 



i) Dies um zu verhindern dass eine issae Bixofaatie, eine neue seibststanj- 
dige Macht sich fiber die Arbeiter ;.->. ;"- :. 



74 

Von diesem Rate geht das Light der neuen 
Welt aus. -~- 

Die Arbeiterklasse der Welt hat in dieser Orga- 
nisation, in diesen Arbeiterraten ihre Organisation 
und ihre zentralisation, ihre form und ihr wesen 
gefunden. fur die revolution und fur die sozialis- 
tische gesellschaft. 

Was Marx sagte, dass die Arbeiterklasse die Regierungs- 
maschine des kapitalistischen Staates nicht einfach iiber- 
nehmen kann, sondern ihre eigene Formen finden muss, 
das is jetzt in die Tat umgesetzt. 

Die Organisation und die Zentralisation, die Form und 
das Wesen der proletarischen Revolution, die Grundlage der 
sozialistischen Gesellschaft sind da. 

Die russische Revolution, die russischen] Revolu. 
tionaren haben durch diese elnrichtung j;den ar- 
beitern der welt das beispiel gegeben. 

Mit diesem Beispiel vor Augen kann das Weltproletariat 
jetzt die Weltrevolution machen. 

Das Proletariat der Welt soll uberall als Mittel 
zur Revolution, und als neue Form seiner Gesell- 
schaft, vor, wahrend, und nach der Revolution 
Arbeiter-Rate errichten, Arbeiter-Rate der Ge- 
meinden, der prov1nzen oder dlstrikten, der reiche 

ODER NATIONEN, UND DIESE SOLLEN ALLEIN DIE MaCHT 
HABEN. 

ARBEITER-RATE DER NATIONEN, DER VOLKER, AN DER 
STELLE DER KAPITALISTISCHEN REGIERUNGEN. DAS 1ST 
DIE FORM DER REVOLUTION UND DER NEUEN GESELL- 
SCHAFT, DIE DIE ARBEITER UBERALL FORMIEREN SOLLEN. 

Die russischen Revolutionaren gaben die Macht allein den 
Arbeitern und den mit Arbeitern gleichgestellten armen 
Bauern. 

Sie enteigneten den Boden, und gaben ihn, den armen 
Bauern. 

Sie machten Frieden. Indem die Kapitalisten, der Kapita- 
lismus die Menschheid ermordete und die Erde vernichtete, 
machten die Sozialisten, der Sozialismus, Frieden. 

Sie enteigneten alle v grossen Betriebe, die Banken, die 
grossen Transportmittel. 



J 






75 " 

Sie annullierten die Staatsschulden. 

Sie enteigneten die Vermogen. 

Sie fuhrten die allgemeine Arbeitspflicht ein. 

Zum ersten Male seit der moderne Kapitalismus besteht, 
wurden die Arbeiter, die Erzeuger des Kapitals, seine Eigentii- 
mer. Die Arbeiterklasse kam in den Besitz ihrer Produkte: der 
Produktionsmittel. Das ganzeKapital kam in die Hande deren, 
die es produzierten, der einzigen rechtmassigen Eigentiimer. 
Es ging aus den Handen derjenigen die es enteigneten, zuriick 
zu den wirklichen Eigentumern, denjenigen die es schuffen. 

Die russischen Revolutionaren fuhrten die Einheitsschuie 
-ein, den unentgeltlichen Unterricht fiir Alle. Sie stellten 
alle hohere Unterrichtsinstitutionen fiir Alle offen. 

Die russischen Revolutionare fuhrten die Kontrolle der 
Fabrikeii und Werksstatte durch die Arbeiter ein. 

Sie brachten die Betriebe unter die Kontrolle der GEMEIN- 
SCHAFT der Arbeiter. 

Sie fingen an die grossen Betriebe selbst zu exploitieren, 
als gemeinschaftliche Betriebe. 

Sie fingen an die grossen Grossgrundbezitztiimer von 
^Genossenschaften von armen Bauern exploitieren zu lassen. 

Sie begannen den systematischen, planmassigen, zentral- 
^eregelten Austausch, den systematischen, zentralgeregeiten, 
planmassigen Transport,' die systematische, planmassige, 
zentralgeregelte Produktion. 

Sie fingen an den GANZEN gesellschaftlichen Produktions- 
prozess zu einem grossen planmassigen Ganzen zu machen. 
Und ebenso die Distribution. 

Im ganzen Russland wachsen jetzt die kommunistischen 
Betriebe auf. Das ganze Bankwesen ist im Besitze der 
Soviets. 

Eine Reihe von industriellen, Handels- und Transport- 
betrieben ist im Besitze und wird gefiihrt von der sozia- 
listischen Gemeinschaft. 

Eine Reihe von Ackerbaubetrieben wirkt durch die Arbeit 
sozialistischer und kommunistischer armen Bauern, dfoiien 
dieser Boden zugewiesen wurde, fiir die sozialistisciie Ge- 
meinschaft. 

Ein Anfang ist gemacht mit dem sozialistischen Tauscfae, 
dem sozialistischen Handel. Kurz, die sozialistische Gesell- 
schaft ist gegriindet. 

Und sollten, was die russischen Arbeiter konnterjj und 






76 

konnen, die englischen und die deutschen Arbeiter nicht 
konnen ? 

Sie werden es noch viel besser konnen! 

Sie konnen ihre Banken, ihre Produktions- und Transport- 
mittel noch viel besser enteignen. ' 

Sie konnen noch viel besser den Sozialismus, die sozialis- 
tische Gemeinschaft griinden. ' 

Und mit ihnen das ganze europaische und nordamerika- 
nische, das Weltproletariat. 

Denn bei ihnen sind die Gross-Betriebe viel machtiger 
und zahlreicher. 

Und sie haben die Organisationen um sofort die Banken, 
die Fabriken, die Transportmittel, in die Hand zu nehmen. 

Sie haben die Macht, die Uebung. 

Sie haben die intellektuellen Krafte. 

Und sie werden die Intellektuellen der Bourgeoisie zwingen. 

Sie haben ein Netz von Vereinen, in alien Betriebs- 
zweigen, iiber das ganze Land. 

Die Arbeiter, die Gewerkschaften der Arbeiter in Russ- 
land erfreuen sich des Anfanges des Sozialismus, der sozia- 
listischen Arbeit, nicht fur Privat-Kapitalisten und Meister, 
sondern fiir die Gemeinschaft und fur Gleichen. 

Die ' Intellektuellen, die im Anfang, mit den grossen Be- 
sitzern der Fabriken, die sozialistische Arbeit sabottierten, 
haben sich in grosser Zahl ihnen angeschlossen oder unter- 
worfen. 

Die sozialistische Arbeit, die sozialistischen Arbeitsver- 
haltnisse entwickeln sich. Natiirlich mit Miihe, aber sie ent- 
wickeln sich. 

Und mit ihnen und durch sie entsteht der sozialistische 
Geist, die sozialistische Seele. Der kommunistische Charakter. 
Mit der sozialistischen Arbeit entsteht das kommunistische 
Gefiihl. Die kommunistische Freude, das kommunistische 
Verlangen, das kommunistische Gliick, das kommunistische 
Herz. 

Und es besteht kein Zweifeh In Kurzem werden die 
Geistesausserungen, das hochste neue Wissen und die hochste 
neue Kunst aus dem Anfange der Kommune, aus der 
Knbspe, aus dem Tagesanbruch ins voile Licht kommen. 

Was Niemand je erwartet hatte, dass jetzt schon hervor- 
brechen, geboren werden konnte: die sozialistische Gesell- 



1 



1 



77 

schaft, sie steht, aus dem Blute der russischen Arbeiter ge- 
boren, im Knospe vor uns. 

Durch den Kampf der russischen Arbeiter und armen 
Bauern entstand fiir das Proletariat und fiir das ganze ar- 
beitende Volk der Tagesanbruch der nenen Welt. 

Die Bolschewiki erheben fiir das Weltproletariat das 
grosse, Alle beleuchtende, die ganze Natur und Gesellschaft 
beleuchtende Licht. Sie gehen dem Weltproletariate voran, 
und zeigen ihm, in ihren eignen Former und Taten, die 
Formen und Taten, die es annehmen moss um zu siegen. 

Was Niemand je gedacht hatte, gescheM. Im anend- 
lichen Reichtum der Natur und der GeseJlsciiaft lag etwas 
anderes verborgen als alle dachten. Nicht England, nicht 
Deutschland war es, das den Anfang des Sozialismus brachte, 
sondern Russland. Durch eine unglaublich g-lnstige Kon- 
junktur, eine Verbindung von 'Verhaltnissen. war es Ross- 
land, wo der Kommunismus am ersten entstand and wo er 
jetzt besteht. / 

Und die kommunistische Gesellschaft wfirce sich schon 
zur Vollkommenheit entfalten in Russland, sie witrdealbttaMig 
durch die Kraft der Arbeiter, und in ihren Handea s znr Voll- 
kommenheit wachsen, wenn nicht .... das Werden des So 
zialismus nur ein internationales sein konnte. 

Die Bolschewiki wussten das, urid sie. haben aBesgetan was 
sie konnten um auch das iibrige internationale Proletariat, 
das Proletariat aller anderen Nationen in Bewegnng, zur 
Revolution zu bringen. Sie wussten, dass Jbnst ihre eigene 
Revolution in die grosste Gefahr kame zu mi^iHgea. 

Aber die Revolution Europa's und Nord-Amerifca*s kam 
noch nicht. 

Durch historische und okonomische Ursachen, durch die 
Skonomischen and politischen Verhaltnissen dieserWeltteile, 
so verschieden von denen Russlands, Hess die Welt-Revo- 
lution vorlaufig noch auf sich warten. 

Aber dies verhinderte die Bolschewiki nicht ihre iter alles 
erhabene Arbeit fortzusetzen, Die Bolschewiki TbegriSen, dass 
an erster Stelle die russische Revolution gerettef werden 
sollte als leuchtendes Gestirn fur das Welt-Proletariat. Sie 
begriffen, dass in dem Zustand der allgemeinen ZerscHagen- 
heit, der Korruption und der Vernichtung des 'Weltprole- 
tariats durch den Weltkrieg, nur Ein Ding Not tat fiir das 
Proletariat der Welt: das Geben eines Beispiels, cas Zeigen 



78 

wie eben aus dem Weltkriege der Sozialismus geboren wird... 

Tro^z allem, was sich ihnen widersetzte, sollten sie Einu 
Ding erhalten: den Anfang der sozialistischen Gesellschaft,, 
die sozialistische Gesellschaft selbst. 

Die Arbeiter der ganzen Welt sollten sehen, dass eben 
aus dem letzten, dem grossten Kampfe des Kapitalismus, 
dem Kampfe des in zwei Gruppen geteilten Kapitalismus 
um die Beherrschung der Erde, dass eben aus diesem Kampfe, 
der scheinbar den Sozialismus vernichtete, dass eben aus 
diesem Kampfe der Sozialismus ans Tageslicht tritt. 

Und als Deutschland, was die Bolschewiki erwarteren, in 
Schein den Frieden mit ihnen schloss, aber in Wahrheit, 
um sie zu vernichten, ihnen die Ukraine, ihre Kornkammer, 
wo die Soviets, wie im ganzen Russland Meister waren, 
und Polen, Litthauen, Livland, Esthland, Finland, und den 
Kaukasus stahl, und sich vorbereitete noch mehrere Stiicke 
aus ihrem Korper zu reissen, da liessen die Bolschewiki, 
um' die sozialistische Gesellschaft zu retten, dies still zu, 
und zogen sich in den ihnen ubrig bleibenden Teil zuriick, 
und taten alles was sie konnten, um die sozialistische Gesell- 
schaft dort zu entwickeln, zu vermehren, wenigsten zu be- 
wahren, und in Stand zu halten. 

Denn sie wussten dass sie nur auf diese Weise mit dem 
ganzen internationalen Proletariate, mit dem deutschen und. 
englisch-amerikanischen verbunden blieben. 

Und sie wussten dass sie nur auf diese Weise die Feinde 
blieben des ganzen internationalen Imperialismus. des englisch- 
amerikanischen und des deutschen. 

Sie zogen sich zuriick und opferten ein Teil ihres Landes. 
um sich keinem der beiden Imperialismen zu beugen. 

Sie zogen sich zuriick und opferten einen Teil ihres Landes 
um mit ALLEN Arbeitern der Welt einig zu bleiben. 

Sie gaben das erste Beispiel der internationalen Einheit. 

Dies ist die erste Internationale Einheit des Weltprole- 
tariates. ') 

Ein grosseres, erhabeneres, der Menschheit in ihrem hoch- 
sten Wesen, in ihrer hochsten,Seele wurdigeres.,Schauspiel, - — 
gross in seinem gewaltigen Umfang, und seinem Einfluss 
auf die ganze Welt, erhaben wegen seiner sittlichen Be- 



ll 



79 

deutung fiir die Arbeiter una. die ganze Menschheit — gibt 
es in der Geschichte der Meascliea nicht. 

Der Sozialismus kiindigt sich an, wird vorausgegangen 
von einem Herold dem Soziallsmas s'iirdig '). 

Es gibt keine Ursache -srodtirck die russische Revolu- 
tion nicht gelingen konnte, micki gelungen ware, warum 
die sozialistische Gesellschaft is R'«<s:and nicht allmahlig 
hatte afgebaut werden koanea, wesis aicht das Ausland 
dazwischen gekommen ware. Zvar Ist diese Entstehung des 
Sozialismus, in einem noch gr"-r:_-:=..'i agrarischen Lande, 
in Widerstreit mit der orti. closer sozialistischen.. Wissen- 
schaft, die lehrt, dass alleir. aas e:r^er kapitalistisch, in- 
dustriell hoch entwickelten Gese'Lscitaft cer Sozialismus ent- 
stehen kann. Aber die Entwiciicng la Xatur und Gesell- 
schaft ist reicher als die W1sser.3cfc3.ft uicfasst. Sie bringt 
immer neues. In Russland gab es Rlassea and Klassenver- 
haltnisse die eine Ausnahme siad. Ein scban ziemlich zahl- 
reiches, sehr revolutionares Proletariat, eirie sehr grosse Masse 
den Proletariern in Armut gletcher Bauen:, beide Klassen 
starker als alle andere, eine vercorbeae Kiafse von Biiro- 
kraten und Grossgrundbesitzerc, eies acfcwaci.e Klasse von 
Kapitalisten. Warum konnten die ;■-=. ;--:ei SLIas^en zu- 
sammen nicht einen sozialistisefaea 5»taat grur :ca: Warum 
konnten sie nicht allmahlig aile Baair-, Icc'^strie-, Handels-, 
Transport-Betriebe sozialistiscli einncbtec : War.;n nicht alie 
landwirtschaftlichen Betriebe aMmMMag xs komsEDistischen 
Grossbetrieben vereinen? 



i) Auch ich habe, theoretisch, die Notwendigkeit dipser Finheit in der 
Broschtire : Der Imperialismus, der Weltkrieg und die Sozialdemokratie gezeigt. . 



i) Wir schweigen hier ganz von Ser rariJi: _";££=: BosTgaosie, die eben 
zwanzig bis dreissig Millionen Messcaea ''.Iz^szx.; let i&i re-stETiineit hat 
fiir ihren Gewinn, und die nun zetert, ȣ" i%s. fasaisiba Rep - * i. bib den 
Sozialismus zu retten, einige Korjir,-.-dT *._ ii-im, fie tf. riocc tlismas zu 
verderben suchten, hinrichtet. Wir schwe'gvs i.er ors gs&z <roa dea Fehl«ia 
und Missetaten die unter der Revolatioa, Easier Aae Sdtin: e ier Resolution 
begangen wurden. Man beurteilt das ez«'.a Cfc-sHjecfcca tdchz oacia Judas. 
Wenn der Kapitalismus endet, wird visl x« tsrjr^s> gesciehsai Die *>*is>e£aten, 
die Fehler sind aber die Folgen ces K-^f ts iwass, c&fe Sss Sozialismus. 

Wir schweigen hier auch von .: deaj-ealgea M.r'il ?*»;. dea deebchen an 
erster Stelle, die die Bolschewiki irerleass. i«S«e ~ I rsrsnsSzsm. Auch rait ihren 
Namen wolleii wir die' Taten der B-V-bi •• **i 3 €zn 'tessi£.n Genug sei es 
zu sagen dass die deutschen Soztaidemotra ss »erscx:ite3 unii Tersnchen die 
sozialistische Gesellschaft zu veraiclsteB. das iie Mchitea der deutschen Sozial- 
demokraten in Finland und der ' kudi^. £e tesulstsoaiierj Arbeiter ge- 
mbrdet und die Revolution vendchiet Sabea. "ecs jJsss die Siiinderheit (die 
Unabhangigen, Kautiky voran,} die nssiscSsai Ks?„i^ri&!ilren. so viel sie kann, 
geschwacht hat. 



8o 



Warum nicht den ganzen Waarenaustausch, und den Ar- 
beitslohn, die Produktion und die Eigentumsverhaltnisse' 
und den Unterricht sozialistisch machen ? Sie hatten die 
Macht. Niemand konnte ihnen innerhalb Russlands wi- 
derstehen. Und sie waren alle, und sie allein waren bewaffnet. 
Welche Ursache konnte in solchen Verhaltnissen der Er- 
richtung eines Soziaiismus entscheidend widerstehen? 
; Es war nur Geduld notig bei ihnen selbst. Aber Geduld 
wiirden die Proletarier und die ARMEN Bauern schon haben. 
Denn diese brachte IHNEN Fortschritt und Wohlfahrt. 

Freilich, sie wiirden gewaltige Schwierigkeiten, urtd auch 
gewaltigen Widerstand zu uberwinden haben. Von den be- 
sitzenden Klassen, den mittel- und reichen Bauern, dem Adel, 
den Kapitalisten, von einem Teile des Mittelstandes. Von 
den armen Bauern selbst, die noch lange Zeit individualis- 
tisch gesinnt blieben. Aber uniiberwindlich waren diese 
Schwierigkeiten nicht. 

Es war nur Geduld notig und Zeit. 

Der Versuch sollte jedenfalls gemacht werden. 

Aber damit die Zeit da ware, war es notwendig, dass keine 
auslahdischen Machte sie angriffen, ihnen das Land und das 
Brot und Korn raubten, und- so die Kontrarevolution bei 
ihnen starkten. 

Und dies war unmoglich. Es war und ist und bleibt 
unmoglich, Arbeiter, Arbeiter der Welt, dass, wenn in einem 
Lande der Soziaiismus entstelit, dieser nicht von anderen 
Landern, von alien andern Landern angefallen wird. 

Es war und ist und bleibt unmoglich, Arbeiter, dass der 
Soziaiismus nur in einem Lande entsteht. Er soil entstehen 
in mehreren, in vielen, in alien, wenigstens in den ausslag- 
gebenden Landern zugleich. Die Arbeiter sollen ihn er- 
richten zusammen, zu gleicher Zeit. 

Dies lehrt uns die russische Revolution. Dies ist die erste 
Lehre, die die russische Revolution uns gibt. 

Und jetzt entwickelt sich das gewaltigste Schauspiel. Die 
Deutschen reissen Teile aus Russlands Korper weg. Durch 
die Abtrennung der Ukraina entsteht Hunger ' und Not. 
Die Preise steigen. Die Spekulation mit Getreidevorraten 
nimmt riesenhafte Dimensionen an. 

I, Ein Teil der Bauern, unzufrieden mit den von der Ge- 
meinschaft gezahlten Preisen, wendet sich von den Arbei- 
tern ab. Durch die Not stocken die sozialistischen Reformer*, 



besonders die Verteilung des Bodens, und der Uebergang 
der Landwirtschaft in kommunistischen Betrieb. Ein Teil 
der Bauern, die Sozial-revolutionaren, scheidet sich von den 
Bolschewiki ab, und versucht Russland wieder in den Krieg 
mit Deutschland, das all das Elend verursachte, zu bringen 
und' damit die Revolution, das Beispiel fur die Welt, zu 
stiirzen. England, Frankreich, Japan, und die Vereinigten 
Staaten dringen in Russland ein und versuchen Russland 
andere Teile zu nehmen, Sibirien und die nordliche Kiiste, 
und die Gegenrevolution in Russland zum Siege zu verhelfen. 
An alien Seiten steckt diese den Kopf wieder auf, sie, die 
npr mit fremder Hilfe siegen tonn. 

Von alien hollischen MachteT der Welt besprungen, halt 
der Kern der sozialistischen Gemeinschaft der Menschheit 
stand, versucht noch zu wachsen, sich zu entwickeln, ver- 
sucht wenigstens zu leben, dem Proletariate der Welt das 
Licht zu bleiben, und wartetauf die europaische Revolution. 

Aber, wie gesagt, die europaische und amerikanische, die 
Welt-Revolution lasst auf sich warten, und die russische 
Revolution ist in der Zeit in furchtbarer Not. 

Die europaische, die Welt-Revolution kommt, aber sie 
kommt spater, durch die anderen historischen, okonomi- 
schen und politischen Verhaltnisse dieser Weltteile, so ver- 
schieden von denen Russlands. 

Wir wollen jetzt noch auf diese anderen Verhaltnisse hin- 
weisen, damilf das Proletariat einsehe, wodurch die Welt- 
revolution erst spater als die russische kommen kann. 



Der erste grosse Unterschied zwischen der russischen und 
der west-feuropaischen Revolution ist dieser: 

Die russischen Revolutionaren konnten die Revolution nur 
machen mit der Hilfe der armen Bauern. Diese waren 
revolutionar. Ohne die Hilfe der Bauern hatten die Arbeiter 
sie nicht machen konnenrAuch nicht mit dem grSssten Mute. 

In Russland gab es ausserdein eine ubergrosse Masse Gross- 
;grundeigentum, dem Zarengeschlechte, dem Staate, dem Adel, 
den Klostern gehorend, der verteilt werden konnte. Die 
russischen armen Bauern begehrten diesen Bode'n, die revo- 
lutionaren Arbeiter wollten ihn ihnen geben, die armen 
Bauern . schlossen sich also den revolutionaren Arbeitern an. 

Hier liegt der grosste Unterschied zwischen Russland und 
West-Europa. Denn in West-Europa, und gerade in den 



82 



zwei grossten, fur den Sieg des Sozialismus entscheidehden 
Staaten, England und Deutschland, gibt es diese iibergrosse 
Masse armer besitzloser Bauern nicht, und es gibt in West- 
Europa, einige Lander und Gegenden ausgenommen, auch 
nicht diese iibergrosse Masse Gross-Grundbesitzes. In Gegen- 
teil in vielen Landern West-Europa 's z. B. in Deutschland, 
Frankreich, Skandinavien, Holland, Belgien ist der Mittel- 
und Kleinbetrieb weit vorherrschend. 

In West-Europa miissen die Arbeiter also ihre Revolution 
machen ohne die Bauern, oder wenigstens mit einer, in Ver- 
haltniss zu Russland, nur ^ringen Zahl von Bauern. Dort 
hatte das Proletariat eine rrMchtige'revolutionare Stiitze, hier 
steht es allein. 

Dies ist die erste IJrsache weshalb in West-Europa die 
Revolution erst spater kommt. Denn die Arbeiter konnen 
hier nur auf sich selbst vertrauen. 

Die zweite Ursache ist: In Russland war die Regierung 
und die Biirokratie sehwach, in West-Europa, und besonders 
in Deutschland und England, ist sie sehr stark. In Russland 
war die Organisation des Kapitalismus sehwach, in West- 
Europa, und wieder besonders jn England und Deutschland, 
ist sie sehr stark. ..-<-. 

Die proletarische Klasse, die revolutionaren Klassen in 
Rusland standen also verhaltnismassig schwachen Gegnern 
gegeniiber, in West-Europa steht das Proletariat sehr starken. 
gegeniiber. ~ 

Die proletarische Klasse stand in Russland mit einer sehr 
zahlreichen Hilfsmacht einem schwachen Kapitalismus gegen- 
iiber, in West-Europa steht sie als revolutionare Klasse allein 
gegen einen sehr starken Kapitalismus. 

Die Arbeiterklasse in West Europa ist in Verhaltniss zur 
ubrigen Be o volkerung viel zahlreicher als in Russland, aber 
nicht so zahlreich als die Arbeiter mit den armen Bauern 
zusammen in Russland. 

In West-Europa findet die arbeitende Klasse eine sehr 
feste Grundlage, auf wetehem der Sozialismus aufzubaueh'* 
ist. Denn erstens waren das Bankwesen, die vornehmsten 
Zweige der Industrie, des Transportes, und des Handels 
schon vor dem Kriege, besonders in England und Deutsche 
land, reif fur eine sozialistische Gesellschaft, und zweitens 
hat der Imperialismus im Kriege die Produktion und die 



I 



M 



n 



' 83 

Distribution in West-Europa organisiert und zentralisiert. 
Und diese Organisation ist -techmsch kraftig und kann vom 
Proletariate als Grundlage einer sozialistischen Gesellschaft 
sofort iibernommen werden. In Russland bestanden diese Or- 
ganisationen entweder gar nicht oder fehlerhaft. 

Die russische Gesellschaft war vor dem Kriege nicht reif 
fur den Sozialismus, und ihre Organisation ist wahrend des 
Krieges geschwacht, die West-Europaische war vor dem 
Kriege schon reif, und ihre Organisation, ihre Zentralisation 
ist wahrend des Krieges sehr gestarkt, 

Die russischen Arbeiter standen also vor der Aufgabe 
eine sozialistische Gesellschaft aufeabaaec mit einem kleinen 
Proletariate, aber geholfen von einer grossen revolutionaren 
Bauernschaft, mit sehr schwachen okonomischen Mitteln; die 
west-europaischen Arbeiter stehea als revolutionare Klasse 
allein vor dieser Aufgabe jnit eines grosser kraftig organi- 
sierten Proletariate, mit sehr starkea Skoncraischen Mitteln. 

Die russischen Arbeiter standen In feleiuer Zahl, aber ge- 
holfen, mit schwachen Mitteln schwachen Gegnera gegeniiber. 

Die west-europaischen Arbeiter steben in grosser Zahl. 
aber als revolutionare Klasse alleiz, mit starken Mitteln 
starken Gegnern gegeniiber. 

Die Organisationen der west-europaischen Arbeiter sind 
durch den Krieg, wahrend des Krieges auseinandergeschlagen, 
und, durch die Entfernung der Mitglieier von einander, ge- 
schwacht. Die Organisationen des Kapitals, besonders auch 
die Regierunge'n, 'sind gewaltig gestarkt 

Durch diese Ursachen kommt die Revolution in West- 
Europa spater. 

_ Durch diese Ursachen ist der Kanipf in West Europa auch 
viel schwerer als in Russland, 

Durch diese Bedingungen ist die Revolution in West- 
Europa auch ganz anders als in Russland. 

Das Proletariat steht in West-Europa allein ah revolutio- 
nare Klasse. Die Bauern sind nicht aus sich selbst revolu- 
tionar wie in Russland, auch night die grosse Masse der 
westeurQpaischen Kleinbauern. Auch die kleine Bourgeoisie 
ist nicht aus sich selbst revolutionar. Selbst der Krieg hat 
sie noch nicht zu wirHichen Revolutionaren gemacht I ). 



1) Es gibt noch kein west-europaisches Land wo die armen Bauern massen- 
haft mit den sozialdemokratischen Arbeitem gingen. 



8 4 '" 

Das Proletariat in West-Europa 'steht allein als revolu- 
iioridre Klasse. 

Und doch wird das Proletariat, wenn es die richtige Taktik 
befolgt, nicht allein stehen in der Revolution. 

Denn eben dadurch dass es in West-Europa eine solche 
organisierte Macht hat, so stark organisiert ist, eben dadurch 
dass die materielle Grundlage des Sozialismus in West-' 
Europa da ist, eben dadurch wird es in der Revolution 
auf Arideren rechnen konnen. 

Das Proletariat wird, wenn es nur die richtige Taktik 
befolgt, das richtige Programm aufstellt, eine gewaltige Hilfe, 
eine Schar von Millionen von Anharigern haben. 

Es wird, wenn es das richtige Programm, das wirklich 
proletarische Programm aufstellt, wenn es offentlich verkiin- 
digt UND DURCH DIE TAT BEWEIST, dass es jetzt sofort den 
vollkommenen Sozialismus einfuhren will, alle niedrigen 
arbeitenden Klassen zu seinen Anhangern und Bundesge- 
nossen haben. Das niedrigere Kleinbiirgertum, die niedri- 
geren Beamten und Angestellten, und die kleinen Bauern. 

Diese Klassen sind nicht aus sich selbst revolutionar in 
West-Europa. Sie werden nicht selbst aus eigner Kraft die 
Revolution machen, wie die armen Bauern Russlands, aber 
sie werden gewiss die Bundesgenossen des Proletariats werden. 

Denn alle diese Klassen, alle ARBEITENDEN Klassen werden 
jetzt durch den Krieg zerschmettert, und warden durch den 
Krieg, durch den Imperialismus vernichtet werden,. 

Die Klein-Bourgeoisie und das Kleinbauerntum schwankten 
schon lange zwischen den kapitalistischen und den spziaUs- 
tischen Parteien hin und her. 

Bis jetzt wurden sie zum grossten Teile vom Kapitalismus 
angezogen. 

Aber durch die Folgen des Krieges und des Imperialismus 
werden sie zum Proletariate, wenn dies die richtige Taktik 
befolgt, gehen. 

Und durch sie wird das Proletariat die Mehrheit haben. 

Die Folgen dieses Krieges sind auch fur diese Klassen 
so schrecklich, dass allein der Sdzialismus sie retten kann. 

Das brauchen diese Klassen nur einzusehen. Dann werden 
sie zu wahlen haben zwischen Imperialismus und Sozia- 
lismus, und sie werden den Sozialismus wahlen. Vor die Wahl 
gestellt -vom kapitalistischen Imperialismus durch Steuern, 



85 



.Teuerung,. Militarismus und Krieg vernichtet oder vom pro- 
letarischen Sozialismus gerettet zu werden, werden, sie den 
Sozialismus wahlen. 

Das Proletariat braucht nur wahrend oder nach dem Kriege, 
jetzt oder bald, aufzustehen, und den wirklichen Sozialismus 
zu proklamieren, und Millionen und Millionen von diesen 
Klassen werden sich ihm anschliessen. 

Dies ist der grosse Unterschied mit Russland, der aus 
der hoheren technischen Entwicklung und der grossereh 
Organisation und Macht des Proletariats in West-Europa 
hervorfliest. 

Das Proletariat muss, wir wiederholen es wegen der ge- 
waltigen Bedeutung, zu alien arbeitenden Klassen sagen : Der 
Imperialismus, der Krieg vernichtet euch. Wir sichern euch 
auf jeden Fall, auch wenn ihr keine Arbeit, keine Waren 
habt, eure Existenz. 

Das Proletariat soil zu den Kleinburgern und Beamten und 
Angestellten sagen: Der Imperialismus zerscbmettert euch, 
durch seinen Krieg, seinen Mord, seine Steuern, niedrige 
Lohne," Hunger und Armut. Der Sozialismus, der die Ver- 
mogen enteignet, alle Grossbetriebe bringt in die Hande 
der Gemeinschaft, Produktion und Distribution zentral regelt, 
und international zu einem riesigen Gauzes macht iiber die 
ganze Erde, bietet euch : keine oder niedrige Steuern, regel- 
massige sichere Arbeit und Lohn, eine ehrenvolle Stellung 
gleich alien .Mitbtirgern, Frieden, Gliick und Wohlfahrt. 

Zu den Kleinburgern soil das Proletariat sagen: Wir las- 
sen euch vorlaufig eure Stellung. Wir sichern dem Laden- 
besitzer seine Waren zum Verkauf, dem Handwerker seine 
Rohstoffe und seinen Betrieb, beiden ihren Gewinn. Wir haben 
den Grossbetrieb in den Handen, wir geben euch Waren 
und- Rohstoffe zum Verkauf. Ihr seid vorlaufig unsere An- 
gestellten zum Tausch. Und allmahlig'regeln wir auch eure 
Betriebe als Grossbetriebe, und dann werdet ihr alle gleich 
Mitproduzent, oder die uns alien gleichen Angestellten zum 
Tausch der Produkte. 

Zu den Beamten und Angestellten soil das Proletariat 
sagen: Der imperialistische Kapitalismus unterdfiickt und 
vernichtet ench durch den Krieg, im Kriege und nachher. 
Die sozialistische Gesellschaft wird euch eine Stellung geben 
in der Verwaltung ihrer Banken, ihrer Grossbetriebe der 
Industrie, des Handels, der Landwirtschaft, ihren dazu die- 
rienden nationalen und internationalen Institutionen. Ihr 



86 



werdet eirien sicheren Platz bekommen, gleich geehrt wie 
alle Produzente und Verteiler. 

Und zu den kleinen und einem Teil der Mittelbauern 
muss das Proletariat sagen : Der imperialistische Kapitalismus 
zerschmettert euch durch Kriege, Steuern, und hohen Pacht, 
er verringert die Produktivitat eures Bodens, nimmt euch 
eure Sonne und Arbeitskrafte, euer Vieh. Es wird dies 
auch nach dem Kriege tun. 

Die sozialistische Gesellschaft wird euch vorlaufig eure 
Betriebe lassen; sie nimmt dagegen die Steuern ganz oder 
teilweise von euch weg, sie befreit euch von euren Pacht- 
herren, und verringert eure Lasten. Sie sichert euch eure 
Werkzeuge, euer Vieh, eure Arbeitskrafte und die eurer 
Kinder, sie sichert euch Frieden. Insoweit Grossgrundbesitz 
vorhanden ist, teilt sie euch diesen sofbrt zu, um zuzammen 
kooperativ auf kommunustischer Weise zu bewirtschaften fur 
die Gemeinschaft. Und in demselben Maasse als die Entwick- 
lung der Produktivkrafte uns dies ermoglicht, werden wir 
alle eure Betriebe allmahlig umandern in kooperativ und kom- 
munistisch arbeitende Betriebe, worin wir alle gleich grosse, 
gleich machtige, alien MitgHedern der sozialistischen Ge- 
sellschaft gleiche Arbeiter, Produzenten, sein werden. 

Und zu alien diesen Klassen muss das Proletariat sagen: 
Wir konnen dies, wenn ihr uns hilft. Denn dann haben 
wir all das Kapital, alle Reichtiimer der Gesellschaft, alle 
grossen. Betriebe des Handels, des Transpdrtes, und der 
Industrie in unserer Macht. 

Es leidet keinen Zweifel, dass diese vom Imperialismus 
unterdriickten Klassen dies annehmen, und durch den schreck- 
lichen Druck und die Leiden die dieser ihnen bringt, zurri 
Proletariate kommen werden. Wir wiesen schon einmal 
darauf hin, dass zum Beispiel in England, wenn das Pro- 
letariat den richtigen Weg geht, dies gerade sehr leicht 
gehen wird. 

Dies ist wieder der grosse Unterschied'zwischen Russland 
einerseits und West-Europa, besonders England und Deutsch- 
land andrerseits. Dort koirhte das Proletariat eine solche 
Sprache nicht fiihren, denn Russland war arm an Kapital 
und Produktivkraften. Hier aber sind die enormen Kapi- 
talmassen und die riesigen Produktivkrafte, und die ge- 
waltige Organisation beider. 

Hier kann man also dadurch dass man den imperialistischen 
Kapitalismus mit seinen Folgen, seinem Tod und Verderben, 



87 

dem Sozialismus, seiner Wohlfahrt, seiner Gleichheit und 
seinem Frieden gegeniiberstellt, alle niederen Klassen, die 
nicht direkt Anteil oder Interesse haben am Kapital, an seine 
Seite bringen. 

Aber eben hier kann wieder das russische Beispiel der 
Bolschewiki dem westeuropaischen, dem Weltproletariate 
vieles lehren. 

Denn wodurch bekamen die Bolschewiki die Hilfe der armen 
Bauerri ? 

Dadurch dass sie wirklich forderten und durch die Tat 
eroberten : die Macht den Arbeiterh, den Boden den Bauern, 
und Frieden. 

Keine einzige Bartei tat dies. Alle, die Kadetten,. die Sozial- 
Revolutionaren (in ihrer ersten Phase) und die Menschewiki 
(die Reformisten) betrogen das Volk, die Bauern dadurch, 
dass sie mit den Grundbesifzern und Kapitalisten sich ver- 
biindeten. 

Die Bolschewiki bekamen die Hilfe der armen Bauern da- 
durch, dass sie die Revolution gegen die besitzenden Klassen 
machten und den Sozialismus einfiihrten. 

Und so soil das Proletariat auch in West Europa tun. 
Jetzt schon wahrend des Krieges, und nach dem Kriege. 

Wenn das Proletariat mit den Kapitalisten ein Bundniss 
schliesst, dann wird es keine Unterstiitzung von dem Klein- 
burgertum, den Angestellten, den Beamten, den kleinen 
Bauern finden v Denn diese Klassen wiirden alsbald einsehen, 
dass das Proletariat sie nicht befreit voa'den Lasten des 
Imperialismus, sondern sie mit den Kapitalisten unterdruckt. 

Denn verbunden mit dem Imperialismus kann das Prole- 
tariat keine Freiheit, keinen Frieden, keine Arbeit, keine 
Sicherheit der Existenz geben. Es muss Verderben geben 
und schvvere Lasten. Ein Bundniss mit den Kapitalisten wird 
alle arbeitenden Klassen vom Proletariate entfernen. 

Alleinwenn das Proletariat den Sozialismus einfuhrt, kann 
es diesen Klassen Freiheit, Sicherheit und Frieden geben, 
jetzt oder nach dem Kriege. 
jjojEjs .gibt hier keinen Mittelwgg,j/ lf , .,,.,„,,-;, ... :, 

Das Proletariat muss also, gleich wie es in Russland machte, 
alfe Macht an sich bringen, die Vermogen und Betriebe ent- 
eignen, die ganze Produktion und Distribution in seine Hande 
konzentrieren, kurz, die sozialistische Gesellschaft errichten. 

Dann wird es genugende Hilfe haben um die Revolution 
zum Siege zu bringen, die Hilfe aller arbeitenden Klassen. 



88 



Aber es gibt hier noch mehr, was das westeuropaische 
Proletariat von dem russischen Beispiele lernen kann. 

Die Bolschewiki siegten nicht nur durch die Hilfe der ar- 
men Bauern, sondern auch, und an erster Stelle, durch die 
absolute Einigkeit der Arbeiterklasse, des eigentlichen Pro- 
letariats. 

Wenn sie die Einigkeit der Arbeiter nicht gehabt hatten, 
hatten sie auch die anderen arbeitenden Klassen nicht zu sich 
gebracht. 

Und diese Einigkeit der Arbeiter unter sich erreichten sie 
auch nur, weil sie den Sozialismus als ihr Ziel aufstellten. 

Denn nie wiirden sich alle Arbeiter ihnen angeschlossen 
haben, wenn sie nicht die vollkommene Befreiung der Arbeiter, 
den Sozialismus als Ziel gestellt hatten. 

Und dadurch dass alle Proletarier, nachdem sie einmal die 
Faulheit aller Kompromissen mit den herrschenden Klassen 
eingesehen hatten, einig waren, dadurch gelang es ihnen 
auch wieder ihr eigenes Programm, das Programm,des vollen 
Sozialismus, den armen Bauern zu geben, von ihnen arinehmen 
zu lassen. 

Die Einigkeit des ganzen Proletariats in der Revolution, 
diese Einheit verursacht nur durch den Sozialismus als 
alleiniges, absolutes Ziel, diese Einigkeit verursacht durch 
die Revolution als einziges Mitt'el, den Sozialismus als einziges 
Ziel, das ist das zweite was die russischen Revolutionaren 
den Arbeitern West-Europa's lehren. 

Es droht der Arbeiterklasse und der Revolution inWest- 
Europa eine grosse Gefahr. Eine Gefahr eben auch wieder, 
gleich wie die Moglichkeit des Sozialismus, enstehend aus 
der hohen Stufe der Entwicklung der Produktivkrafte West- 
Europa's, aus der hohen Organisation seines Kapitals und 
seiner Arbeitermassen. 

Diese Gefahr kommt, wie immer in den letzten fiinf und 
zwanzig Jahren, von der Seite der Reformisten und der Sozial- 
Patrioten. 

Gleich wie sie das Proletariat vom Wege der Revolution 
abfiihrten und zu einem Bundniss mit der Bourgeoisie und 
zu dem Weltkriege brachten, so besteht die Gefahr jetzt, dass 
sie mit der Bourgeoisie das Proletariat Europa's und der 
Welt zum Staatssozialismus bringen werden. 

Die Kapitalisten werden, um dem Untergang durch die 
Zexruttung der Produktion und die Schulden zu entkommen, 



89 



gezwungen sein auch nach dem Kriege viele Betriebe zu; 
Staatsbetrieben zu machen oder unter Staatskontrolle zu 
stellen, und die ganze Produktion und Distribution noch lange 
Zeit zu regeln und zu kontrollieren. 

Den Arbeitern wird dann das Streikrecht genommen, der 
Lohn beschrankt, die Arbeitszeit und Intensitat der Arbeit 
aufs hochst mogliche Maass gespannt werden. Kurz, die 
Arbeiter werden zu' Staatssklaven werden. 

Die Reformisten, die Sozial-Patrioten, — die Programme 
der deutschen, englischen, franzosischen und italienische Re- 
formisten beweisen es schon, — werden den Kapitalisten 
hierin helfen. 

Unter einer Bedingung: dassnamlich einTeil der Arbeiter- 
klasse, die Mitglieder der grossen Gewerkschaften und der 
sozialpatriotischen Parteien, Vorteile bekommen, bevorzugt 
werden vor den anderen. Durch hoheren Lohn, bessere Arbeits- 
bedingungen, u. s. w. 

Fiir diesen Preis wird der Kapitalismus, der Imperialismus 
gerne die Hilfe der Sozial-Patrioten und eines Teiles des 
Proletariates kaufen. 

Diese Gefahr droht in England von der Labour Party 
und den Trade Unions, in Deutschland von der Mehrheit 
und den Unabhangigen, von den Gewerkschaften und von 
der Sozial-demokratie, in Frankreich von der Mehrheit und 
dem Zentrum der Partei, und von den Syndicats Ouvriers, 
in den Vereinigten Staaten von den Trade-Unions und den 
grossen sozialdemokratischen Parteien. Diese Gefahr droht 
in alien Landern. 

Die Arbeiterklasse wird dann gespalten. Ein Teil geht mit 
dem Imperialismus, ein anderer Teil mit .der Revolution. 

Dann ist die Revolution verloren. Denn die arbeitende 
Klasse ist dann machtlos. Machtlos schon in sich selbst, denn 
sie ist gespalten. Machtlos auch durch das Fehlen von Hilfe 
von anderen arbeitenden Klassen, von den Kleinburgern, 
Kleinbauern, u. s. w., weil sie nicht irn Stande ist ihnen zu 
helfen und sie dem Imperialismus iiberlasst. 

;Nur .wenn das Proletariat ganz ; einig in der Revolution, 
bleibt, und kein Teil von ihm, sich zum Staatssozialismus 
verfiihren lasst, hat es die Macht zu siegen. 

Die volkommene, absolute Einheit des Proletariats, dies 
ist die zweite Lehre der russischen Revolution '). 



1) Wahrscheinlich werdea alle Versuche der Reformisten um mit dem 



90 

Und an letzter Stelle gibt es noch eine Lehre die das 
russische Beispiel dem west-europaischen, dem amerikanischen, 
dem Weltprotariate gibt. 

Das russische Proletariat ist fast, ist teilweise niederge- 
schlagen worden dadurch, dass das deutsche, englische, fran- 
zosische, amerikanische, das Weltproletariat nicht gleichzeitig 
mit ihm die Revolution machte. \ 

Das russische Proletariat lauft noch fortwahrend Gefahr 
niedergeschlagen zu werden. Wenn es niedergeschlagen wird, 
gescheht dies nur dadurch. 

Aber bis zum letzten Moment, von alien Machten des 
Kapitalismus, von alien Machten der ganzen Welt besprun- 
gen, halt das russische Proletariat an der sozialen Revolution 
fest, und es will, selbst sterbend, dem europaischen, dem 
Weltproletariate noch ein Beispiel geben. 

Dieses Festhalten an, dies Ausharren in, dieses Untergehen 
fur die Welt-Revolution, dies Eins-sein mit der internationa- 
len Arbeiterklasse ; dieser Internationalismus mit der Tat, 
das ist "die letzte und hochste Lehre die die russische 
Revolution dem Weltproletariate gibt. 

Mitten im Blutbade des Kapitalismus die Einheit des 
Proletariates, mitten im Weltkampfe aller Volker die Ein- 
heit des Kernes der neuen Menschheit. 

Die russische Revolution ist durch ihre Entschlossenheit, 
durch ihre Vorsicht und Mut, durch ihre Theorie und ihr 
Programm, durch ihre Organisationsformen (die Soviets) 
und durch ihre Taten, —^ durch ihre Taten mehr als durch 
alles andere — durch ihren Sturz des Tsarismus und 
Kapitalismus, ihre Enteignung des Kapitals, ihren Anfang 
der Organisation des Sozialismus, ihre Einigung aller Ar- 
beiter und der armen Bauern, ihr Festhalten an der Na- 
tionalen Revolution als einziges Mittel und Ziel, an der Ein- 
heit der Arbeiter ihrer eigenen Nation und aller Nationen, 
an der Internationalen Revolution des Weltproletariates, 
das Beispiel fur West-Europa, Nord-Amerika, und die ganze 
Welt. 



Imperialismus zum Staatssozialismus zu gehen, misslingen. Denn die Arbeiter, 
auch die vom Imperialismus bevorteilten, werden alsbald fuhlen, dass der 
Staatssozialismus nur schwerere Sklaverei bringt. 



91 

Es leidet keinen Zweifel: In diesem Lichte, durch dies Bei- 
spiel der russischen Revolution wird das Welt-Proletariat zur 
Einheit kommen, und der Welt-Sozialismus nach heissem 
langem Kampf in der ganzen Welt gegriindet werden. 



V. 



Zusammenfassung. 



Die Weltrevplution, ist notwendig. 

Denn der Imperialismus aller Nationen, der Welt-Imperia- 
lismus ist gleich schrecklich fur das Proletariat. 

Darum muss das Internationale Proletariat sich einigen 
um deri Welt-Imperialismus zu vernichten. 

Aber der Imperialismus kann nicht vernichtet werden,. 
wenn der Kapitalismus nicht vernichtet wird, 

Darum ist die soziale Revolution, die Revolution zur 
Vernichtung des Kapitalismus und zur Errichturig des 
Sozialismus jetzt notwendig. 

II. , 

Denn es gibt keinen Ausweg fur den Kapitalismus aus 
dehi Imperialismus. 

'Und es gibt also keine Rettung aus dem Imperialismus 
fur das Proletariat. 

Der imperialistische Kapitalismus hat alle Nationen der 
Welt in zwei Gruppen geeinigt urn die Welt zu erobern. 

Drei gewaltige Nationen, Deutschland, England und die 
Vereinigten Staaten haben die Fiihrung des Kampfes dieser 
zwei Gruppem" !v ''''*'■-■ 

Aber es lasst sich in absehbarer Zeit keine friedliche 
Losung denken dieses Kampfes. 

Denn alle drei die gewaltigen Nationen, und alle die 
Nationen die mit ihnen verbunden sind, wollen die Welt- 
herrschaft, fvir eine der Nationen, oder fur die mit ihnen' 



93 



verbiindeten, wollen die Weltherrschaft fur eine der Nationen 
oder fur eine der Gruppen. 

Und es gibt kein Mittel zur Entscheidung dieses Kampfes 
als der Krieg. 

Zwar sucht die Bourgeoisie und suchen mit ihr die Refor- 
misten, die Sozial-Patrioten nnd die Pseudo-Marxisten Losun- 
gen, aber diese Losungen haben keine Kraft und dienen nur 
dazu das Proletariat der Welt zu blenden und in der Knecht- 
schaft zu halten. Weder das obligatorische Schiedsgericht, noch 
der Weltbund der Volker und der Weltfrieden, noch die 
Abriistung, noch das Selbstbestimmungsrecht der Volker, 
noch die Demokratie, noch alle die kleinen Mittel, die ange- 
priesen werden, konnen den Kapitalismus retten aus den 
innerlichen Widerspriichen worin er geraten ist. Aus den 
gewaltigen Massen Mehrwert die er anhauft, aus dem Expan- 
sionsdrang, der davon die Folge ist, aus den Eroberungen 
die er machen muss, aus den Kampfen in welche er dadurch 
hineingerat, aus der Selbstvernichtung die davon die Folge ist. 

Gewaltige Mehrwertanhaufung, Selbstvernichtung dieses 
Mehrwerts und seiner Quellen, lebenden und toten, das ist 
der unlosbare Konflikt worin das Kapital gekommen ist. 

Das Wesen des Kapitalismus: Unendliche Mehrwertan- 
haufung und Kampf um die Expansion, ist mit sich selbst 
in einen unlosbaren Konflikt geraten. 

Die Proletarier konnen diese Kampfe nicht ertragen. Sie 
miissen sich erheben um der furchtbaren Unterdriickung 
und dem Morde zu entrinnen. 

Und sie konnen dem Imperialismus nur entkommen, wenn 
sie den Kapitalismus vernichten. 

Also ihre Erhebung, ihr Kampf ist die notwendige Revo- 
lution gegen den Weltkapitalismus, die soziale Revolution 
des Weltproletariats, die Weltrevolution. 



III. 

Und diese Revolution ist moglich, sie ist ausfiihrbar. Sie 
ist ausfiihrbar und moglich aus folgenden Ursachen: 

Der Kapitalismus ist reif fur den Sozialismus. 

Der Krieg hat die Grundlage fiir den Sozialismus gelegt. 

Der Kapitalismus muss selbst zum Sozialismus iibergehen, 
freilich zum Staatssozialismus. 

Also das Proletariat handelt in der Richtung der Ent- 
wicklung. - 



1 94 

Und die materiellen und geistigen Folgen des Krieges 
sind fur das Proletariat so furchtbar, dass es zur Revolution' 
kommen muss. 

Die Vernichtung der lebenden und toten Produktivkrafte, 
der Schmerz, der Hass, der Hunger, das nicht endende Blutbad, ' 
fiihren das Proletariat wahrend oder nach dem Kriege dazu. 

Und das internationale Proletariat ist in seiner Organisation 
so stark, dass es die Revolution durchfiihren kann. 

Das folgende Programm sollte unseres Erachtens vom inter- 
nationalen Proletariate angenommen werden. 

Die Staatsmachf in""den Handen des Proletariats. 

Gesetzgebung durch das Proletariat. 

Sicherung eines Existenz-Minimums an alle Arbeiter, und 
mit den Arbeitern gleich zu stellenden. 

Beherrschung und Regelung der ganzen Produktion, des 
Handels, des Transporter, durch das Proletariat. 

Beherrschung und Regelung der Distribution der Produkte 
durch das Proletariat. 

Arbeitspflicht fur Alle. 

Annullierufig der Staatsschulden. • 

Konfiszierung Her Kriegsgewinne: ' ' 

Steuern nur auf Kapital und Einkommen, die erste stei- 
gend bis zur Enteignung der Vermogen. 

Enteignung d er Banken. y ■ . 

Enteignung, aller grossen Betriebe. 

Enteignung des Bodens. 

Rechtsspruch durch das Proletariat. 

Abschaffung aller Zolle und Tarife. 

Abschaffung des Militarsystems. Bewaffnung des Prole- 
tariats, 

Auf der Grundlage dieses Programs kann das internationale 
Proletariat alle Arbeiter, und alle unterdriickten und arbei.- 
nden Klassen gewinnen und vereinigen. 
Mit diesem Programm wiirde es also siegen. 

IV. . . -^u^uf 

Und dem Weltproletariate ist schon das Beispiel der Re- 
volution gegeben. 

Die russische Revolution ist das leuchtende Beispiel fur 
das Welt-Proletariat. 



95 



Denn sie hat gezeigt, dashes nur zwei Mittelgibt zu siegen:: 
Die Einheit des Proletariats, des nationalen und inter- 
nationalen. 

Und die Einheit in der Revolution. 

Wenn das Proletariat national nicht einig ist, unterliegt 
es der nationalen, wenn es international nicht einig ist, der 
internationalen Bourgeoisie. 

Wenn das Proletariat nicht fur die vollstandige Revolution, 
fur die vollige Umwalzung der kapitalistischen Gesellschaft 
eihtritt und bis zum Siege kampft, dann bringt es die Ret- 
tung nicht dem Proletariate und den anderen ausgebeuteten 
Klassen und reisst es alle Arbeiter und die anderen ausge- 
beuteten Klassen nicht mit sich. 

Aber die russische Revolution hat noch mehr gelehrt. 

Sie hat die Form gefunden, worin das Proletariat siegen 
kann: die Arbeiterrate (Soviets) in jedem Dorf, jeder Pro- 
vinz, dem ganzen Lande. 

Die Arbeiterrate, die die ganze okonomische und politische 
Macht haben. 

Die Arbeiterrate, die den Kapitalismus vernichten und 
den Sozialismus errichten, die den Kapitalismus enteignen, 
und dem Sozialismus alle Macht und Besitz geben, die Ar- 
beiterrate die den Sozialismus okqnomisch und politisch, 
aufbauen. 

Die Arbeiterrate, die die Form und das Wesen der neuen 
Gesellschaft, der neuen Menschheit sind. 

Die jetzt noch bloss das kampfende Proletariat, das sieg- 
reiche Proletariat in sich aufnehmen, aber die einmaf die 
ganze Menschheit in sich aufnehmen werden. 

Die Rate der Arbeit, der Arbeit und nichts als der Ar- 
beit, die einmal die hochsten, die heiligen Korperschaften 
der Menschheit sein werden. 

Die Einheit des nationalen Proletariats. 
„ Die Einheit des internationalen Proletariats. 

Die Vereinigung, die Orga,nisierung des Proletariats in den 
Arbeiterraten. 

Das sind die drei grossten Dinge die die russische Revo- 
lution dem Weltproletariate lehrt. 

Wenn das west-europaische, das nord-amerikanische, das 
Weltproletariat einig ist, — 



96 



Wenn es die neue Internationale fiir die Welt-Revolution 

Wenn es einig ist in der Revolution, — 

Wenn es sich organisiert in Arbeiterraten und alle okono- 
mische und politische Macht an diese bringt, — 

Dann wird das internationale Proletariat die Weltrevo- 
iution zum Siege bringen. 

Schon sehen wir in nicht ferner Zukunft, in der Nahe 
vor uns: die Neue Internationale, die Arbeiterrate aller Lan- 
der der Welt. 

Schon sehen wir vor uns in naher Feme, den Zentralen 
Arbeiterrat der Welt. 

Schon sehen wir vor uns die internationalen Arbeiter- 
rate, die Vorlaufer der neuen, freieri, — der konimunistischen